Brocks wichtigster Beitrag zur Kunstgeschichte

Die Lösung des Rätsels, von welchem Raumpunkt aus Michelangelo sein Sixtinafresko „Das jüngste Gericht“ konzipiert hat (Kassel 1976):

Brock reaktivierte im neapolitanischen Museum Cappo di Monte eine Kopie des jüngsten Gerichts, die der Michelangelo-Schüler und Mitarbeiter Marcello Venusti 1547 herstellte. Obschon Venustis Zielsetzung bloß in der Kopie lag, wählte er gegenüber dem Vorbild eine bewußte Abweichung: In das Zwickelfeld über dem jüngsten Gericht, in das Michelangelo 1512 den Propheten Jonas freskiert hatte, setzte Venusti die Wiedergabe des Deckenfeldes Nr. 3, auf welchem Michelangelo – ebenfalls 1512 – Gottvater bei der Trennung von Erde und Wasser darstellte. Venusti fühlte sich zu dieser Eigenmächtigkeit berechtigt, weil er wußte, daß Michelangelo zwanzig Jahre nach der Fertigstellung der Deckenfresken das Konzept für das jüngste Gericht von genau diesem dritten Deckenfeld aus berechnete. Fazit: Michelangelo etablierte damit Gottvater als den ersten Beobachter zweiter Ordnung.

Herkulaneum 1972 • © Melusine Huss