Hubert Burda. Kunst und Medien.

Festschrift zum 9. Februar 2000

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Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Die Autoren des Buches sind Freunde, Kollegen sowie Konkurrenten, Unternehmer und Wissenschaftler, Dichter und Denker. Darunter sind Helmut Markwort, Rudolf Augstein, Reinhold Messner, Willy Bogner, Steven Spielberg, Leo Kirch, Lord Weidenfeld, Rachel Salamander, Christoph Ingenhoven, Bazon Brock, Klaus Mangold , Peter Hamm, Peter Handke, Peter Glotz und andere..

Das Buch die Darstellung eines Stückes Zeitgeschichte. Reich bebildert mit vielen Fotos aus Hubert Burdas Leben.

Kind und Werk

In den Diskussionen mit Hubert, dem Psychologen Jens Corsen, dem Literaten und Cheflektor des Hanser-Verlages, Michael Krüger, machte ich den Vorschlag, die Meßgröße für Fruchtbarkeit und Folgenreichtum von Tätigkeiten als Generativitätsquotienten auszuweisen.
Das knüpfte an die Gewohnheit, ja Programmatik des Senators Burda an, die Mitarbeiter seines Unternehmens als Angehörige der Burda-Familie zu kennzeichnen. Senator Burda übertrug sein Wirksamwerden als Vater auf seine Tätigkeit als Firmenchef. Wer das nicht, wie die 68er, als Ideologie des Patriarchats abtun wollte, mußte überlegen, welche Entsprechungen es zwischen genetischer Fruchtbarkeit und kultureller, also extragenetischer Produktivität gibt (Mitte der 70er Jahre hatte schließlich die Diskussion um die Soziobiologie von Wilson begonnen!).

Wir schauten uns um, auch im ganz eigenen Interesse einer Entscheidung für Familiengründung mit Kinderaufzucht oder für ein Single-Dasein mit Fall-zu- Fall-Gesellung in Produktionsteams (wie sie Theweleit beschrieb).

Ab 1987 rekurrierten wir in unseren Diskussionen häufiger auf Gedanken Heiner Mühlmanns, der dezidiert – wie 1996 im Band "Die Natur der Kulturen" veröffentlicht – generative Verfahren in Natur und Kultur respektive deren Gesetzmäßigkeiten und Dynamiken miteinander verglich.

In Hinsicht auf genetische Übertragung und Fruchtbarkeit als Zeuger waren viele der Kulturheroen ziemlich erfolglos: Goethe als Vater ein Flop, aber als Werkschöpfer, Minister, Wissenschaftler und zeitgenössischer Kommunikator von größter Wirksamkeit. Dafür hatte Goethe Konzepte und Programme ausgearbeitet, vor allem im Wilhelm Meister, den wir alle, animiert durch den Petrarquisten Peter Handke, stets ins Spiel brachten.
Sicherlich spielten für uns zwei zeitgemäße Erscheinungsformen der Fragestellung eine Rolle: zum einen bemühte sich der Kunstjournalist Willy Bongard, eine jährlich zu aktualisierende Liste der 100 erfolgreichsten bildenden Künstler zu ermitteln; das ließ sich nicht in bloßer Analogie zu den Charts der Schallplattenindustrie oder der Bestseller-Listen für Belletristik und Sachbücher, also am Verkaufserfolg, messen, weil sich die Preise für Kunstwerke nicht an der Quantität des Abverkaufs einzelner Bilder herausbildeten. Bongard hatte Kriterien wie

  • Häufigkeit der Beteiligung von Künstlern an überregionalen Gruppenausstellungen,
  • Rang der Kuratoren und Galeristen von Einzelausstellungen,
  • Zahl, Umfang und Anspruchsniveau von Texten über Künstler und ihre Arbeiten,
  • Interesse der nichtspezialisierten Massenmedien

und dgl. entwickelt.

Zum anderen wurde immer häufiger der US-Präsident Reagan in seiner Art von Wirksamwerden (bei relativ schlichter kreativer und kognitiver Intelligenz) als "der große Kommunikator" angesprochen; in Demokratien verbot sich grundsätzlich die Messung der Wirksamkeit eines Inhabers höchster Ämter an seiner Fähigkeit zur Sicherung der Familiendynastie.
Die letztgenannte Problematik war Hubert als drittem Sohn des Familien- wie Unternehmensdynasten Franz Burda hinreichend vertraut. Im übrigen hatte Hubert schon seit Mitte der 60er Jahre selbst einen Sohn, über den er nicht dynastisch zu verfügen gedachte, ebensowenig wie er bis Anfang der 80er Jahre seine Aufgabe darin sah, ausgerechnet als Kunsthistoriker der Bestandsicherung des Familienunternehmens Burda zu dienen.