Die Macht des Alters

Strategien der Meisterschaft. Katalog zur Ausstellung in Berlin, Bonn und Stuttgart.

Die Macht des Alters | Titelseite
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

"Vom Standpunkt der Jugend aus gesehen, ist das Leben eine unendlich lange Zukunft; vom Standpunkt des Alters aus, eine sehr kurze Vergangenheit."

(Arthur Schopenhauer)

Die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland wird von Jahr zu Jahr älter. Im Jahre 2030 wird jeder dritte Bürger über 60 Jahre alt sein. Der Sechzigjährige im Jahre 2030 lebt vitaler als je ein Altersjahrgang vor ihm, mit steigender Lebenserwartung. Diese demographische Entwicklung wird die politische Landschaft nachhaltig prägen, den Arbeitsmarkt und den Freizeitsektor erfassen, den Wohnungs- und Warenmarkt, das Gesundheitswesen verändern, neue Lebensstile hervorbringen und kulturelle Leitbilder bzw. soziale Rollenzuweisungen umstürzen. Doch "Die Älteren" als homogene Gruppe gibt es nicht. Egal in welchem Alter sich der Mensch befindet, immer wird die persönliche Situation von individuellen Voraussetzungen und Initiativen abhängen. Die sinnvolle Gestaltung des Alters ist angesichts wachsender Lebenserwartung eine zentrale Aufgabenstellung der Gesellschaft. Die an der Ausstellung teilnehmenden Künstler demonstrieren exemplarisch mit ihren Strategien der Meisterschaft, wie mit den den Mitteln der bildenden Kunst kreative Denkanstöße gehen, zum Diskurs motivieren und so auf die "Macht des Alters" reagieren kann. Damit wollen wir zeigen, daß Künstler zu allgemein interessierenden Problemen andere und weiterführende Sichtweisen beitragen können als Experten aus Wissenschaft und Politik.

Seite im Original: 114

Christine und Irene Hohenbüchler. Altern als Problem für Künstlerinnen

Christine und Helene Hohenbüchler fragten im Frühjahr 1998 zehn Künstlerinnen nach ihren Ansichten zu den Aspekten "Altern", "Meisterschaft", "Wer", "Vollendung". 

Antworten gaben: Phyllida Barlow, Hedwig Bollhagen, Maria Eichhorn, Judith Fischer, Elfriede Jelinek, Mara Mattuschka, Flora und Olga Neuwirth, Margarete Schütte Lihotzky, Lidwin van der Ven und die Kunstkritikerin Sabine B. Vogel. 

Die Interviews werden über Tonband abgespielt. Die Hohenbüchlers fertigten Textauszüge, die als Kopien ausgelegt werden. Kopien und Tonwiedergabe werden auf einem Regal präsentiert, das die Zwillinge entwarfen. Das Regal ist gleichzeitig Depot und Display, also ein Aufbewahrungsregal, wie es in unseren Kellern steht, um den eingeweckten Wintervorrat bereit zu halten; und ein Regal, das wie in Kaufhäusern ein Warenangebot übersichtlich ausstellt. Präsentiert wird eine Präsentations- und Depotform.

Die Zwillinge zeigen, daß sie etwas zeigen, nämlich ihr Verständnis der Aussagen anderer. Christine und Irene verstehen ihr Vorgehen in der Tradition von "Kunst als sozialer Strategie". Ihr Aktionsfeld ist also der soziale Alltag, in den sie mit künstlerischen Vorgehensweisen und Techniken eingreifen.

Kunst als soziale Strategie richtet sich auf zweierlei: zum einen soll das Kunstpublikum veranlaßt werden, künstlerisches Denken auf das eigene Leben zu übertragen; zum anderen sollen die selbstverständlich gewordenen verdeckten Verlaufsformen des ALltagslebens zum Thema gemacht werden.

Abbildungen:

...daß dieses Erinnern..., Christine & Irene Hohenbüchler, 1998, Stellagensystem aus Metall, 6 Minidiskplayer, Ton, Texte, Kataloge, 210x325x450cm

Auszüge aus den Interviews der Geschwister Hohenbüchler, die in der Ausstellung im Regalwerk in Text und Ton deponiert sind