Bildersturm und stramme Haltung

Texte 1968 bis 1996

Bildersturm und stramme Haltung - Titelseite
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Bazon Brock steht mit seinem Denken und Schreiben für die Erhaltung des Momentums der Moderne in postmoderner Zeit ein, in unübersichtlichen Lagen, in dekonstruierten Räumen. Moderne ist dabei in des Wortes striktester Bedeutung zu fassen, als radikale Entfernung tradierter Wurzeltriebe ohne funktionalen Wert. Dazu gehört in erster Linie die Verabschiedung von der Würdeformel Kunst als unangreifbarer Kategorie des theologisch Transzendenten, mindestens des bewundert Erhabenen; das umfaßt aber auch die Einbindung eines jeden ästhetischen Gegenstands in das Schreiben , und sein er noch so banal und alltäglich. Schon die Differenzierung der beiden letzten Begriffe – daß das Banale nicht unbedingt alltäglich und das Alltägliche schon gar nicht banal sei – formt ein Perpetuum mobile unter vielen im Brockschen Denken.

4.6 Brust und Klassenkampf

Dazu lese man: Reimut REICHE, 'Sexualität und Klassenkampf - zum Problem der Abwehr repressiver Entsublimierung', Verlag Neue Kritik, Frankfurt 1968.

Zu überlegen bleibt, warum die Maler dreier Jahrhunderte die Damen Freiheit, Recht und Vaterland zumeist mit nackter Brust darstellen - man erinnere sich an DELACROIX. Sollte man annehmen, das sei die Umkehrung des antiken Prinzips, den fliehenden Krieger wieder zurück aufs Schlachtfeld zu scheuchen, indem Frauen ihm das Nackte unterm Rock zeigten? Der Bürger jedenfalls rennt der nackten Brust nach. Ist etwa der Kampf für die Freiheit für ihn vor allem ein Kampf ums Entblößen der Brust und damit natürlich auch des freien Zugriffs auf sie?