„Das Neue ist immer barbarisch“
(Sendemanuskript für eine Aufzeichnung in der Reihe des Hörfunkprogramms WDR 3 „Das Neue ist immer barbarisch“, Ausstrahlung 27.12.1999)
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes
Abdruck im Lockbuch Bazon Brock unter dem Titel: "Gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken."
Drum laßt euch dies zur Warnung sein
Frustriert und abgestoßen von den großen sozialen und zivilisatorischen Veränderungen, die die Modernisierung nach sich zog, wollten diese Leitfiguren des Jahrhunderts - so aberwitzig es auch zunächst klingt - einen neuen Heroismus zur Bewältigung ihrer Ängste entwickeln.
Sie griffen auf eine alte Technik der Dramatiker zurück, Menschen durch die radikale Konfrontation mit dem Schrecklichen von ihren Ängsten zu reinigen. Katharsis nannten das die Griechen.
Wer sich als Krieger, Extremsportler, Abenteuertourist oder Freizeit-Selbstverstümmler, bzw. als vermeintlich harmloser Actionfilm-Konsument oder Liebhaber von Splatter und Trash dem Schrecken konfrontiert, ist im Ernstfall von nichts mehr zu überraschen oder zu erschüttern.
Denn die Apokalyptiker haben den Schrecken immer schon hinter sich. Sie haben sich entschieden, das nach ihrer Meinung Unausweichliche hinzunehmen - ohne trügerische Hoffnung auf Wunder, die diese Welt noch retten könnten. Sie kämpfen um nichts anderes mehr als um eine gnadenlose, unbeirrbare Haltung auf dem Wege zum Ende der Geschichte.
Bei einem solchen Anspruch ist es geradezu tröstlich, diese Kulturhelden in Jammer über die Ungerechtigkeit der Welt ausbrechen zu hören, sobald die Sozialversicherung und damit ihre Rentenansprüche in Gefahr geraten.