Lustmarsch durchs Theoriegelände – Ästhetik einer schweren Entdeutschung. Mit Liturgien und Performances.

Vom Sorgenkind zum Wundergreis – Bazon Brock zieht Bilanz zum Siebzigsten und sammelt Grabbeigaben für seine Generation.

Um mehr zu sein, als man scheint, muß man mehr scheinen. | Ausstellung "Lustmarsch durchs Theoriegelände - Musealisiert Euch!", ZKM Karlsruhe 2006; Lustmarsch, II.7, S. 226 (ähnliches Bild) © Jürg Steiner
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Phoenix Art/Sammlung Falckenberg

Wilstorfer Str. 71/Tor 2

21073 Hamburg-Harburg

11. Kunst als Evidenzkritik – Erkenntnisstiftung durch kognitive Objekte

Thementotem und Performancerahmen für Sammlung Falckenberg, Hamburg

Werbung für Produkte, Propaganda für Parteien oder Kirchen zielen darauf ab, dem Adressaten eine eigene Augenscheinbestätigung für eine Behauptung nahezulegen. Aber jeder Richter, jeder Arzt, jeder Wissenschaftler weiß, wie vorsichtig man mit Augenzeugenschaft, mit Sinnfälligkeit umgehen muß. Seit 600 Jahren sind die bildenden Künstler darauf spezialisiert, den Augenschein zu problematisieren, also behauptetet Evidenz zu kritisieren – aber nicht nach dem Muster der religiösen Bilderverbote, sondern als Darstellung des Undarstellbaren, also als Bilder des Bilderverbots. Nur das Falsche ist als das erkannte Falsche noch wahr – Nichtnormative Ästhetik der Fakes: Wenn auch niemand, der sich der Aufklärung verpflichtet, Wahrheit als Letztbegründung in Anspruch nehmen wird, muß der doch nicht auf den Bezug zur Wahrheit, Schönheit und Gutheit verzichten und in Beliebigkeit versinken. Es genügt, etwas als falsch, häßlich oder bösartig zu erkennen; denn die Aussage „dies kann keine unbedingte Geltung haben“, ist ja wahr. Fakes sind Artefakte als Produkte oder Kunstwerke, die bewußt signalisieren, daß sie bloß häßlich, fragmentarisch, banal, beliebig etc. sind, um dem Betrachter zu bedeuten: Wenn du etwas kaputt nennst, mußt du denknotwendig den Begriff des Heilen bilden, wenn dir etwas häßlich erscheint, mußt du dich denknotwendig an der Schönheit orientieren, auch wenn eben diese Ganzheit, Schönheit, Wahrheit nirgends in absolut verbindlicher Weise vorgegeben ist.

Bezug auf Brocks Action Teachings, Ausstellungen, Filme im NDR, an HBK Hamburg, im Kunstverein Hamburg

Vortrag

16.11.2006 um 17:30 Uhr: "Werk ist abgelegtes Werkzeug" zu Ehren von Hans Haacke - Pathos der Praxis von 1960-2000, Hochschule für bildende Kunst Hamburg, Hörsaal - im Anschluß Besuch der Deichtorhallen