“Aufklärung und Abschattung. Lichtwechsel zur Jahrtausendwende”

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Zehn Jahre DIAL – 1. DIAL-Symposium “Licht und Mensch – Trends und Visionen intelligenter Beleuchtung” |

Manuskript

(anderer Titel: "Geschichte des Lichts I - Aufklärung und Abschattung")

Kulturgeschichtlich und anthropologisch gesehen werden Feste gefeiert, um die Arbeit eines Individuums oder einer Gruppe von Menschen, in einen mehr oder minder großen - möglicherweise sogar einen kosmologischen - auf jeden Fall in einen sozialgeschichtlichen, kulturgeschichtlichen Zusammenhang zu bringen. Das macht man, indem man ein Ereignis inszeniert, das erinnerbar ist, das erinnerbar bleibt. Dadurch wird dieses Ereignis ins Gedächtnis eingeschrieben, also nicht so sehr durch das, was man über die Tätigkeit des Individuums, des gefeierten Unternehmens sagt, sondern durch den Zusammenhang, den man herstellt. Nun ist gestern und heute zum Jubiläum durch ein politisches Ereignis ganz außerordentlicher Art ein solcher Zusammenhang hergestellt worden. Sie alle werden Ihren Lebtag lang nicht vergessen, dass das zehnjährige Jubiläum von DIAL auf den Tag fiel, an dem über Deutschlands größter Partei, der SPD, der Himmel dunkel wurde oder in den Unternehmerkreisen und in vielen anderen Gruppierungen der Gesellschaft ein Hoffnungsschimmer am Horizont aufstieg. Damit sind wir auch schon bei dem expliziten Thema: wie man etwas ins Licht setzt.

Bei solchen Ereignissen sind es die Anwesenden, die ins Licht gesetzt werden. Das ist der Begriff des Image, auch des Firmenimage, des Gruppenimage, des Parteienimage: wie etwas ins Licht gesetzt wird, so dass es wahrnehmbar wird. Bei der Bewerkstelligung der Inszenierung sind zwei Seiten recht zu bedenken. In der Industrie, deren Aktivitäten wir hier in Hinblick auf Forschung und Innovation hier feiern und in Zusammenhang stellen, gelingt das durch die von Herrn Krummendahl angemahnte Verbindung von Technik und Kultur z.B. durch den Zusammenhang von Diskussionen des Beleuchtungslichts und des Erleuchtungslichts. Denn Beleuchtung und Erleuchtung sind die beiden Ausformungen, also die beiden nicht nur metaphorischen Arten, etwas wahrnehmbar zu machen, in denen das Phänomen Licht für die gesamte menschliche Evolution – speziell für die Kultur - von größter Bedeutung ist. In alle Stadien, von der ersten Anwendung des Feuers bis zur Verwandlung des Rohen in das Gekochte, also von der Natur zur Kultur, ist bis in die Gegenwart hinein versucht worden, das Beleuchtungslicht zugleich als Erleuchtungslicht erscheinen zu lassen. Krummenholzes Forderung nach einer Einheit von Kultur und Technik ist erfüllt, wenn man in einer spezifischen Art der Betrachtung jeweils das Technologische, also die Produktion, das Kaufmännische etc. zugleich als kulturelle, soziale, sozialpsychologische Erleuchtungen erfahren kann. Das nennt man Lichtwechsel. Es ist ein Wechsel der Perspektiven der Beleuchtung, je nachdem, ob man einerseits das Beleuchtungslicht, also die technologischen Komponenten oder eben die Erleuchtung, die Inspiration, die Animation in den Blick fasst. Diese beiden Polen wollte ich Ihnen heute vorführen. Bei rechtem Licht betrachtet ist das, was gestern passiert ist, etwas ganz Normales, nämlich die Tatsachen, dass, wie Licht und Schatten zusammengehören, auch Erfolg und Scheitern, Macht und Erfahrungen der Ohnmacht zusammengehören, und zwar gerade in der Politik und in der Wirtschaft. Das führt dazu, dass starke Persönlichkeiten in Unternehmen und Politik sogar eher ihre Arbeit auf das mögliche Scheitern hin orientieren als auf den Erfolg. Der Erfolg hat immer viele Väter und den schreibt sich jeder leicht zu. Aber wie man mit den Ohnmachterfahrungen, mit dem Scheitern, mit dem drohenden Misslingen, mit dem Blackout, mit der Verfinsterung der Szene umgeht, das erst verlangt Charakter auf der Bühne. Das haben die Dramatiker gezeigt. Deswegen sind die dramatis personae eben so spannend, auch im normalen Leben. Im Alltag, es ist für uns Kulturwissenschaftler und Sozialpsychologen sehr wichtig, von Alltagsvorstellungen und Begrifflichkeiten auszugehen. Kant hat gesagt: „Mein ganzes Philosophieren ist nichts anderes als die Einholung des alltäglich von jedem gewussten Satzes‚ ‚Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.’“ Das hat er über 850 Seiten als Philosophie ausgeführt aber er ist über diese Alltagswissens- und Begriffssituation nicht wesentlich hinausgekommen. Das wollte er auch nicht. So mache ich das auch, ausgehend von den Begrifflichkeiten des Alltags, die wir zu unserem Thema verwenden können. Wir hoffen eigentlich mehr oder minder alle, geistesgegenwärtig zu sein, aus dem Altgriechischen wörtlich übersetzt, erleuchtet zu werden. Damit unsere Gesichter strahlen, damit wir eine Aura entwickeln, z.B. die des erfolgreichen, geistesgegenwärtigen Zeitgenossen. Dieses auratische Strahlen ist z.B. für die Fähigkeit, andere Menschen zu überzeugen, außerordentlich wichtig, um uns möglicherweise auch als Lichtgestalten der Zeitgenossenschaft erscheinen lassen. Man sagt im Alter, wenn das gelingt, dann deswegen, weil uns ein Licht aufgegangen ist, weil etwas evident geworden ist, weil wir etwas einsehen konnten, durch die richtige Art, es sichtbar werden zu lassen. Wir wissen aber aus dem Alltag, das dort, wo viel Licht ist, auch viel Schatten herrscht. Das bedeutet, dass das richtige ins Bild setzen durch Beleuchtung immer nur dann gelingt, wenn wir etwas aus dem Blickfeld wegnehmen, abschatten, abdecken, also Aufmerksamkeit erzeugen, durch die Konzentration des Blicks auf das Exponierte, im Licht Stehende, um gerade das, was in den Schatten gedrängt wird, nicht unsere Konzentration auf das Entscheidende stören zu lassen, obwohl jeder weiß, dass es die andere Seite gibt. Dass, wenn man etwas im Licht sieht, etwas anderes im Schatten nicht gesehen werden darf und soll. Das leuchtet uns auch insgesamt ein. Wenn die Einsichten so überwältigend werden, dass wir schier in Verzückungen geraten oder drohen, geblendet zu werden, dann sorgen wir von uns aus für die richtige Abschattung, auch im Alltagsleben. Sie kennen das seit ungefähr fünfzig Jahren. Die Tatsache, dass Alltagsmenschen unabhängig von der Lichtsituation auf freien Himmel eine Sonnenbrille als Merkmal der Fähigkeit zur Abschattung aufsetzen, auch unabhängig von der Frage, wie viele Lux herrschen und das als Prinzip durchzusetzen. Viele Jugendliche tragen Sonnenbrillen auch in nicht stark beleuchteten Räumen. Sie haben die philosophische Maxime der Ausblendung vor Augen und schützen sich wie Greta Garbo, Heino oder Udo Lindenberg vor der Durchsicht oder Transparenz. Das kennen sie bei Liebenden. Sie versuchen sich durch die Augen wechselseitig ins Innere zu dringen. Das landet häufig, wenn man nicht gerade liebend verzückt ist, bei einer Desillusionierung. Wer also etwas zu stark ins Licht setzt, riskiert natürlich auch, dass alle sehen: Da ist ja gar nichts so Bemerkenswertes. Oder durch Inszenieren kommt man dahinter, dass es sich gar nicht lohnt, das Exponierte zu zeigen, sondern das, was gerade verschwiegen wird, was gerade ausgeblendet wird, ist das viel Interessantere. Angeführt von der Crew der Filmproduzenten, die in Hollywood die Sonnenbrille in diesem Sinne schon seit sechzig Jahren trägt, haben die intelligenten, jungen Leute unter den Zeitgenossen diesen Brauch übernommen. Denn wir wollen ja gar nicht, dass alles ins Licht gerückt wird, dass alles sichtbar wird. Wir müssen unser Geheimnis wahren. Vor allem dann, wenn es kein Geheimnis gibt. Sie wissen um das größten Geheimnis, das der Umfrageergebnisse, das die Marketingaktivitäten so interessant macht? Marketing ist die Wissenschaft, etwas als bedeutende Ausstellung, als Einsicht, als Erkenntnis, als Erlebnis auszugeben, was nur dadurch eins ist, dass es da nichts zu erkennen gibt, außer dass die Erkenntnis durch die Erleuchtung im Sinne von Inspiriertheit ersetzt wird, durch Prophetie, durch Fähigkeiten zur Spekulation, d.h. zur spiegelhaften Brechung einer Einsicht in die Verschiedenheiten ihrer Sinnzusammenhänge, zur Projektion. Dies sind alles alltägliche Metaphern aus dem Bereich des Produzierens und Gestaltens von Licht. Wir müssen unser Geheimnis wahren. Denken Sie nur an die langen Diskussionen über die Ausgrenzung von Privat und Öffentlich im rechtlichen Sinne. Eine große Erfindung der bürgerlichen Selbstverständnisses, ausgeprägt im Rechtssystem, war die Ausgrenzung des Privatbereichs oder der Intimsphäre. Das ist diejenige, die deswegen so bemunkelt wird und man denkt, da geschieht etwas Unglaubliches. In der man, wie Adorno sagte, vor seiner Frau, vor seinem Nächsten, nicht mehr vorzugeben braucht, es stecke in einem etwas ganz Unglaubliches, sondern wo das Einverständnis herrscht, dass man sich auf der Ebene der Wirklichkeitserfahrung begegnet, der radikalen Einsicht, dass diese Verhältnisse geheimnislos sind. Jeder, der länger als drei Jahre verheiratet ist, kennt die Faszination der Geheimnislosigkeit in der Beziehung. Daraus ergibt sich gerade die ungeheure Leistung, die kulturelle Anstrengung, die Würdigung einer auf Dauer gestellten Beziehung zwischen zwei Menschen, die nicht über höhere Inspiriertheit, schlagende Herzen oder sonstige Mirakel einander wahnhaft verfallen sind, sondern die ganz klar und bewusst wissen: Die Beleuchtung, die Aufklärung kommt dort zu ihrem Höhepunkt, wo man einsichtig wird, dass es kein Geheimnis gibt, dass nichts dahinter steckt. Es gibt keinen doppelten Boden, Oberfläche und Tiefe ergeben die gleiche Evidenz. Das ist auch, was die moderne Kunst macht. Denken Sie an Andy Warhol, ein Meister. Friedrich Nietzsche, philosophisch ein Meister der Beleuchtung der Oberflächen als Tiefen. Im gewissen Sinne sagt der Alltagsmensch: Wir müssen das Geheimnis wahren, denn ‚nur im Dunkeln ist gut munkeln’. Eine große Antriebskraft für die Zusammenarbeit von Menschen ist die, dass sie sich wechselseitig etwas unterstellen können - geheimnisvolle Kräfte, Leichen im Keller etc. - die man vorsichtshalber durch Erzählung, durch Gerüchte überhöht, um die Faszination und Attraktivität zu erhöhen. Wenn sich, wie im Falle Oskar Lafontaine die Faszination Machtmensch, die Faszination Berserker durch das Verhalten postpubertärer Bockigkeit erledigt, dann wird die Politik wieder stark desillusioniert. Man denkt, man habe es mit phantastischen Machtmenschen zu tun, die berechenbar sind, weil sie eben nichts als machtgeil sind. Man hat die Vermutung, dass sie ungeheure seelentiefe Kindheitserlebnisse, Vergewaltigungen durch den Vater, erlitten haben, oder über göttliche Inspirationen verfügen, über einen Auftrag des Weltgeistes. Wenn dann so etwas passiert wie im Falle Oskar Lafontaine sieht man wieder, dass es sich um nichts anderes handelt als um kleinkindliche Verhaltensweisen. Der Mann hat diese Entscheidung aus dem zwölften in das siebenundfünfzigste Lebensjahr verlegt. Das ist ganz normal. Denken Sie daran: Alle Philosophen, alle großen Theoretiker in der Wissenschaft gehen immer von dem sprachlichen Alltagsverständnis aus, was der Volksmund, was die Alltagsgemeinschaft, in der sie selber leben, was die Umgangssprache als die Metasprache besagt. Die Verwendung dieser Lichtmetaphoriken wie ‚im Dunkeln ist gut munkeln’, ‚strahlende Lichtgestalten’, ‚geblendet werden etc., die Verwendung von Lichtmetaphoriken im Alltag, in der Kunst, in den Wissenschaften, in der Politik, in den religiösen Kulten sind ein Ergebnis der elaborierten oder instinktiven Einsicht, welche Bedeutung die Evolution des Auges oder des Lichtsinns in der Natur selbst für die Entwicklung hochspezialisierter Nervensysteme bedeutet, oder allgemein gesagt: welche Bedeutung Licht in Form der Sonnenenergie, beispielsweise für die Entwicklung der Lebensformen vom ersten Einzeller an zufällt. Repräsentiert wird das alles noch in der alltäglichen Erfahrung der Jahreszyklen und ihrer seit dem Altertum gegebenen Feieranlässe, den Gleichen von Tag und Nacht zweimal im Jahr oder in dem Tag, den wir heute noch am Weihnachtsfest würdigen, an dem sich die Tageszeit, die wir sehend in der Welt verbringen gegenüber der Zeit, in der wir durch Dunkelheit blind gemacht werden, vergrößert. Das sind in unglaublicher Weise Hintergrundinformationen, die unser Organismus selbst trägt, derer wir uns aber häufig gar nicht bewusst sind. Gelegentlich müsste man sich dessen klar werden, z.B. bei Anlässen wie solchen Festlichkeiten. Die Steuerung des Organismus über die innere biologische Uhr ist immer im Wechsel der Tageszeiten, der Monate, der Jahreszeiten als Reflektion der Abhängigkeiten allen Lebens von der Sonne als Energiequelle zu sehen. Welche Bedeutung das hat, erfahren wir nicht im eigentlichen biologischen Sinne, im ärztlichen Sinne, sondern im kulturellen Sinne. Denn die Feste, die dort gefeiert werden, gehen eben auf diese Grunderfahrung von jedermann zurück. Diese biologischen Tatsachen, evolutionsgeschichtlichen Tatsachen, sind das Fundament des Selbstverständnisses aller Kulturen. Wenn wir heute sagen, dass die Natur sich im hohen Maße in der entwickelten Technik spiegelt, dann ist diese Technik die Grundlage des Selbstverständnisses einer entsprechenden zeitgenössischen Kultur. Die Lichttechnik wäre dann die Grundlage für die Entwicklung eines heutigen zeitgemäßen kulturellen Verständnisses von Lichtwerk oder Lichtgestaltung, von Beleuchtung als Aufklärung und Abschattung. Allein für die westlichen Kulturen, zu denen wir ja gehören, lässt sich dieser Tatbestand erinnern, wenn man sich an die christliche Schöpfungsgeschichte erinnert. Gott sprach: „Es werde Licht.“ Insofern ist Lüdenscheid das einzige heute noch existierende Labor Gottes. Betrachten wir die Architekturgeschichte und da vor allem auch die Kirchen in ihrer architektursprachlichen Konzeption, so wird unmittelbar und in jeder Hinsicht die Ausrichtung auf die Einheit zwischen Kulturevolution und Naturevolution deutlich. Einen Höhenpunkt stellt die gotische Kathedrale dar. Sie ist die totale Vergegenwärtigung dieses Zusammenhangs. In der Geschichte der Politik sehen wir im Absolutismus, wie schnell die Strahlenkrone des Absolutismus stumpf werden kann und die Aura erlischt. Der Zusammenhang wiederum zwischen Lichtthematisierung und Kunstgeschichte ist der engste überhaupt denkbare. Es gibt keine Malerei ohne mindestens fünfhundert Jahre Traktate über das Licht in der Malerei oder über das claire obscure etc. In der Wissenschaftsgeschichte wird unsere Beziehung zu dieser Lichtmetaphorik im englischen Begriff enlightenment, im deutschen Aufklärung, unmittelbar gezeigt. Aufklärung als enlightenment heißt in der deutschen Übersetzung nichts anderes als etwas so ins Licht zu setzen, dass man es zu erkennen vermag. In der Geschichte der Medizin oder der Lebensreformbewegung, die vor etwa hundert Jahren auf dem Höhepunkt war, waren Sonnenkuren, Sonnenbaden, das Exponieren des Körpers im Licht, eine heilpädagogischen Maßnahme von außerordentlicher Bedeutung. Dieser folgen Sie heute noch instinktiv, wenn Sie Bräunungsstudios besuchen oder sich zu Hause unter so ein Bräunungsgerät legen. Das hat ganz andere Hintergründe als die bekannten Kosmetischen, die wir heute damit verbinden.


In den Experimenten der künstlerischen Moderne ist, bezogen auf das Licht, der Impressionismus ein Höhepunkt. Außerdem die gesamte Thematik der lightrature, der Lichteratur statt Literatur, oder der Lichtschriften im Sinne der Geschichte als Technologie der Optiken.


In der Physik kommt der Hinweis auf die fundamentale Bedeutung des Lichts dadurch zum Ausdruck, dass die Lichtgeschwindigkeit zu dem ultimativen Maß aller physikalischer Überlegungen geworden ist, wenn es um Untersuchungen von Kleinteilchen oder um die kosmologische Hinsicht geht. Vom Prometheus, der über den Gebrauch des Feuers das Licht der Götter den Menschen überreicht hatte, über die Adventskerze, die auch heute noch die Fackel des Prometheus repräsentiert, bis zur künstlichen Erzeugung von Kernreaktionen, begleitet uns stets eine Metaphysik des Lichts, also der Lichtwechsel zwischen Beleuchtungslicht und Erleuchtungslicht. Das ist natürlich gerade dann gefragt, wenn naturgemäß wechselweise die Zukunft für die Individuen, Gruppen und Parteien einerseits in einem sehr drohenden Dunkel liegt, andererseits aber vor dem Horizont einer sich aufhellenden Hoffnung gesehen wird und immer gesehen werden muss. Nun dazu ein paar Beispiele, die sie erinnern sollen, an das was sie längst schon wissen. Sie können lediglich das, was sie schon längst wissen, aktualisieren und in einen Zusammenhang bringen, sich selbst oder DIAL als eine Forschungsinstitution oder als eine Gruppierung von Menschen mit einem bestimmten Interesse in einen übergeordneten Zusammenhang kulturgeschichtlicher, wissenschaftsgeschichtlicher, religionsgeschichtlicher Bedeutungen stellen. Sobald ich ein Teil von etwas größerem geworden bin, ist das Fest gelungen, soweit ich dieses Selbstbewusstsein habe.

Die profanste Art der Repräsentation des Themas in puristischem Interesse, d.h. also eine den Angehörigen aller Kulturen der Welt, sprachlichen, religiösen Gemeinschaften verständlichen Formulierungen unseres Themas der Einheit von Bedeutung von Beleuchtungslicht und der Erleuchtung, des Exponierens als des Sichtbarmachens und Erkennbarwerdens und der Abschattung ist hier dreifach repräsentiert.

Der Freiheitsstatue wird, in einer Zeit, in der es kein elektrisches Licht gab, die Fackel in die Hand gegeben, als Zeichen, dass der sich hinaus Begebende im Dunkel sich selbst den Weg erkennbar machen sollte. Man gibt sich selbst das Licht, das einem das Gehen des Wegs ermöglicht. Warum ist das zur Freiheitsfackel geworden? Der Hinweis auf die Altertumsmetaphorik ist klar. Es leuchtet da einem etwas entgegen oder voraus. Es ist ein Signal, ein Zeichen, dem man folgt. Es geht jetzt nur darum dies in beliebiger Größe, aus beliebiger Entfernung sichtbar werden zu lassen. Hier wird eben das Jubiläumsjahr der Etablierung dieses Kultbilds des amerikanischen Selbstverständnisses zur Hundertjahrfeier noch mit einem Feuerwerk begleitet, so dass das, was die Fackel selbst ausmacht und zeigt, in der Wirkungsdimension erheblich überhöht wird, also z.B. aus einer sehr viel größeren Entfernung sichtbar wird. Aber die Spuren dieses Feuerwerks werden unmittelbar auf kosmologische Beziehungen wie Sternenbahnen und Sternschuppen bezogen. Deswegen auch der gewählte Augusttermin. Man spricht also gleichzeitig ein kosmologisches Geschehen an. Wenn sie das den amerikanischen Communitaristen sagen, können diese ihnen sofort auf Anhieb die gesamte Implikation, also das in der Sache liegende Potential, bis auf den heutigen Tag klar machen. Wir Europäer haben es uns leider angewöhnt, solche Symbolisierungen mit einer gewissen Abfälligkeit zu behandeln. Wir Deutschen speziell, was erklärlich ist durch die Erfahrungen, die wir mit solchen Vorgaben im Deutschen Reich gemacht haben. Langsam müssen wir uns aber doch wieder daran gewöhnen, bei jedem Einschalten des elektrischen Lichts, bei jeder Exponierung in einem rechten Licht uns etwas anderes oder etwas mehr zu denken als das heute der Fall ist. Es handelt sich um etwas mehr als nur die bloßen technologischen Fragen, wie man das macht.

Im einem Stich von Rembrandt zu „Faust im Studierzimmer“, Mitte des 17. Jahrhunderts, wird das angesprochen. Die Darstellung der Inschriften in der Lichterscheinung entspricht genau dem, was wir mit der Einleuchtung oder mit dem evident Machen generell verbinden. Das kann einerseits ein Menetekel sein, eine warnender Hinweis an der Wand, das kann eine innere Imagination sein, so wie man sie dem schlechten Gewissen zuspricht oder im Sinne einer Offenbarung. Was hat Faust eigentlich in dieser von Goethe mit ganz besonderer Sorgfalt ausgearbeiteten Szene so eingeleuchtet? Was war das, was ihm evident wurde, in der berühmten Frage, was das Geheimnis der Welt ausmache, was das Gesetz der Natur sei? Das war die prinzipielle Unerkennbarkeit. Es leuchtete ihm ein, dass das, was Menschen in der Welterkenntnis abverlangt wird, eigentlich erst deshalb so grandios ist, weil es nicht zu erkennen ist. Wir können die Welt prinzipiell nicht verstehen. Deswegen ist das Anliegen so kompliziert und das Beleuchtungsthema für die Verknüpfung, z.B. einem gemeinsamen Exponieren auf einer Bühne, also das im rechten Licht Erscheinen, so wichtig. Es ist das Logo und das Symbol für kommunikative Orientierung in einer Welt, die prinzipiell nicht verstanden werden kann. Bei Faust kommt heraus, dass wir aus der Naturgeschichte lernen können. Die phantastische Erfindung der Natur, dass die Organismen mit sich und den anderen ihrer Art und ihrer Umwelt kommunizieren können, müssen wir feiern. Wir müssen es in dem Maße tun, in dem wir vernünftigerweise verstehen, dass die Welt nicht erkennbar ist. Stellen Sie sich die folgende Situation vor: Sie würden ab morgen nur noch die Erlaubnis erhalten, in ihrem Haus gegen zwanzig Uhr die Lichtschalter zu betätigen, wenn sie vorher verstanden hätten, was Elektrizität ist. Je mehr Fachleute Sie bei sich hätten, desto länger würden Sie im Dunkel sitzen, wahrscheinlich fünftausend Jahre. Die Experten der Physik sind nämlich gerade diejenigen, die das, was als eine Erklärung zur Elektrizität einleuchten würde, sofort wieder als Problem darstellen. Es ist völlig unmöglich, einem Anspruch gerecht zu werden, in der Welt erst dann agieren zu können, wenn man die Welt verstanden hat. In der Umkehrung bedeutet das, dass gerade weil wir die Welt prinzipiell nicht verstehen können, wir solche kulturellen und explanatorischen Veranstaltungen wie das Erfinden und Einsetzen von Technologien betreiben müssen. Deshalb sind es besonders die Kommunikationstechnologien, die es uns ermöglichen im Bezug aufeinander und auf die Welt so zu agieren, dass wir ziemlich gut überleben können. Ziemlich gut heißt, wahrscheinlich viel besser, als wenn wir die Welt verstünden. Dafür steht diese Einleuchtung in den Studierzimmern der Gelehrten, der weltlichen Gelehrten. Auf Rembrandts Gemälde handelt es sich nicht um einen Propheten, nicht um Hieronymus und auch nicht um Augustin. Was treiben wir, wenn wir sagen, wir wollen die Welt erkennen? Je mehr Experte ich bin, desto rätselhafter wird mir die Welt. Je mehr ich weiß, desto größer wird das Geheimnis. Je mehr ich erkannt habe, desto unglaublicher wird das Staunen über die Komplexität, die prinzipiell unerfassbar ist. Das ist das einleuchtende Evidenzerlebnis für jeden Wissenschaftler. Auf dieser Ebene treffen sich Physiker und Soziologen, Psychologen, Ästhetiker, Technologen etc. Sie alle gehen von dieser gleichen Voraussetzung aus. Wenn sie erleuchtet sind. Sehr schön ist das bis in den heutigen Tag ausgewiesen in den symbolischen Sprachformen, mit denen wir diese einleuchtenden Wahrheit lesen. Weil wir die Welt nicht verstehen können, müssen wir kommunizieren. Es hätte keinen Sinn, erst verstehen zu wollen und dann zu handeln. Dann würde das Handeln gar nicht erst stattfinden. Es stehen also alle Zeichen für Ingenium, Inspiration, Einleuchtung. Von oben kommt der Leuchtstrahl, der Maria trifft und verkündet, „Verkündigung an Maria.“ Im Gerichtswesen heißt es: „ Verkündung des Urteils“. Der amerikanische Pragmatismus lässt ganz klar erkennen, um was es geht. Es handelt sich um Forschungsprogramme bzw. Kooperationsangebote zwischen Forschung und Wirtschaft, inklusive des klar demonstrierten neuen Anwendungsfalls, auf den sich das bezieht, wunderbar repräsentiert in der Figur des Helferlein bei dem genialen Wissenschaftler Daniel Düsentrieb in der Kosmologie des Donald Duck oder des Walt Disney. Was im Hintergrund steht ist diese Birne, dieses Logo des „es geht mir ein Licht auf“, des „ich sehe plötzlich klar, worin das Problem liegt“. Nicht nacharbeitendes Rekonstruieren der Natur und Verstehen im Sinne von „jetzt weiß ich es“, sondern kontra der Unmöglichkeit des Verstehens - das Erfinden. Wir setzen also der Natur die Erfindung, d.h. die kulturelle Leistung parallel, um im jeweils wechselseitigen Einsatz alles das, was uns ausmacht - Hunger, Sexualität, Aggressivität, Spiritualität etc. -durch kulturelle Bearbeitung ohne Verstehen, funktionstüchtig zu halten und noch zu optimieren.

Ich wünschte mir, dass die Stadt des Lichts, also Lüdenscheid, ein Übersichtspanorama installiert über die in alten Kulturen bis heute, von China bis hierher, zeichenhaften Vergegenwärtigungen, derer es Unzählige gibt. Ich kann Ihnen auf Anhieb hunderte nennen, für dieses „es geht mir ein Licht auf“, für dieses Zeichen der Inspiriertheit, für dieses ins Licht setzen als einer Erleuchtung durch Beleuchtung. Das wäre eine anständige kulturelle Leistung: Einsatz von Technologie und Kultur, Religion und Biologie. Erleuchtung durch Beleuchtung ist das Programm für Lüdenscheid. Das weiß Daniel Düsentrieb, wie Sie sich sicherlich aus Ihrer Jugend erinnern. Ich bringe nur Sachen zur Erinnerung, die Sie schon längst kennen, so dass Sie ein Evidenzerlebnis, ein Aha-Erlebnis haben, das ihnen eben einleuchtet.
De Chiricos Enigma der Rätselhaftigkeit, das Geheimnis der Geheimnislosigkeit ist das größte aller Geheimnisse. Die typische Art und Weise wie es die Pittura metafisica, die metaphysische Malerei, gemacht hat, sehen Sie z. B. in den Bildkonzepten von de Chirico, in denen zu Anfang des Jahrhunderts die Einheit der Technologie, auch der Kriegstechnologie und der Kulturtechnologie von Natur und Kultur betrieben und ausgedrückt wurde. In Bezug auf Deutschland könne Sie sich an Fritz Lang erinnern. Da sehen Sie das, was auch in anderen Kulturen dargestellt wird, z.B. in indonesische Schattenspielen, etwas, was uns erst mit dem Kino, mit den Schatten an der Leinwand entwickelt wurde. Das größte Ereignis wird durch die Schattenerzeugung der Dinge, die man sehen will, erlebt. Das hat man hier für viele Ebenen übernommen, Lichtschrift im Sinne von Schattendemonstration, einmal für das Denkmal selbst, dann für die neuen Industrielandschaften, also für das Produktionsgeheimnis, die Geheimnislosigkeit der industriellen Produktion, dann für die Eisenbahn. Diese Futuristen haben damals gefragt: Warum haben Leute Vorbehalte gegen Technik, Wissenschaft etc.? Weil sie es nicht fertig kriegen, in ihrer Vorstellung nachzuvollziehen, was da eigentlich geschieht, dass innerhalb von dreißig Jahren, von 1836 bis 1866, Menschen den Wahnsinn realisiert haben, die ganze europäische Erde mit parallel verlaufenden Metallsträngen zu durchziehen. Wenn man sich das vorstellen sollte, ist das eine völlig uneinholbare Vorstellung. Es ist nicht leistbar. Es ist völlig absurd, so wie es vor dreißig Jahren völlig unvorstellbar gewesen ist, was durch die Entwicklung des Computers und der Ausbildung des Netzwerkes gegenwärtig geschieht. Die Vorstellung ist nicht in der Lage, das einzuholen, was faktisch geschieht, obwohl das, was geschieht, völlig geheimnislos ist. Es handelt sich um ein simples, kontinuierliches Aneinanderreihen und Verschrauben und Parallellegen und Abmessen von Schienensträngen, damit es funktioniert. Allein das systematisch kontinuierliche Erarbeiten erzeugt etwas, was als Endprodukt so aussieht, als hätte es der Schöpfergott persönlich nicht fertig bringen können, sonst hätte er die Eisenbahn direkt am sechsten Schöpfungstag erfinden können.
Diese Art des Vorstellungsversagens angesichts der Geheimnislosigkeit des wissenschaftlichen Handelns, des systematischen, empirischen Probierens wird in dieser Pittura metafisica zum Gegenstand der Überlegungen von Künstlern gemacht. Der Schatten, der dort erzeugt wird, ist eben der Schatten der Geheimnislosigkeit als etwas Unvorstellbarem. Offensichtlich können sich Menschen von Natur aus nichts erklären, wenn sie etwas sehen, hinter dem man nichts anderes vermuten muss. Die Erklärung für dieses Phänomen können Neurobiologen und Neuroästheten liefern. Stellen Sie sich mal vor, Sie sehen seitlich im Augenwahrnehmungsfeld eine schlängelnde Bewegung. Dann sorgt Ihr zentrales Nervensystem dafür, dass Sie von vornherein gezwungen werden sich hinter der Bewegung etwas ganz anderes als einen Gartenschlauch vorzustellen. Möglicherweise eine kriechende Schlange. Da das in der Evolution seit Jahrmillionen etabliert worden ist und seit mindestens 35.000 Jahren die neurophysiologische Lebensgrundlage der Menschen bestimmt hat, zwingt es Sie, alles was passiert, ob es sich um ein Rascheln der Blätter, eine Bewegung auf dem Boden, eine unsichtbare Zugluft ohne eine visuell identifizierbare Bewegungsquelle, sofort mit diesen anderen Bedeutungen zu belegen. Das ist das uns von der Natur aufgenötigte Spökenkiekertum. Die jungen Leute sind dem ganz besonders verfallen, weil wir ja heute in jeder Marke, jedem Logo gleich eine ganze Kosmologie sehen sollen. In einem banalen Turnschuh steckt direkt die ganze Welt. Wie sollen solche Leute sich noch bereit erklären, harte simple empirische Arbeit Schritt für Schritt - step by step, kontinuierlich immer so weiter und so weiter - zu leisten?. Die bekommen ja nicht mal mehr eine simple Zins- und Zinseszinsrechnung hin, weil sie sich einen Ereigniszeitraum von fünf Jahren gar nicht mehr vorstellen können. Wir leben jetzt in einer Welt, die durch systematisches Addieren dieser step by step -Innovation aufgebaut wird und die sich immer mehr von dem, was wir in der Vorstellung bewältigen können, verabschiedet. Das erzeugt Ängste, Ohnmachterfahrungen, Ausgegrenztheitserfahrungen. Deshalb sind Technologen in der Wissenschaft und in der Wirtschaft, die im wesentlichen in dieser rationalen step by step-Methode der Geheimnisse in der Geheimnislosigkeit operieren, verpflichtet, sich selbst durch Vorstellungen einholen zu lassen. Also müssen sie ihrer nicht fachwissenden Klientel ein Bild bieten, eben das besagte Image. Wer sich kein Image besorgt, ist nicht sichtbar, also für die Vorstellung der anderen nicht einholbar. Was es faktisch ist, nämlich ein systematisches step by step-Tun dieser Dinge, das können die anderen nicht ertragen, weil sie gezwungen sind, hinter jeder Banalität sofort ein Geheimnis zu sehen.


Wir sind alle älter geworden in diesem Zeitraum. Das innere Licht umso heller leuchtet, und das wünschen wir unserem Jubilar, dem Institut für angewandte Lichttechnik und dem heute beginnenden Zyklus, in dem sich dieser Zusammenhang zwischen Natur und Kultur, Technologie und Theologie durch die Operationen der Gestaltung oder den Einsatz der Wirkung des Lichts, im Wechselverhältnis von Aufklärung und Abschattung, von Beleuchtung und Erleuchtung, ereignen soll.

Meine dringende Empfehlung, Herr Matthes, dass diese Sammlung, die hier in ihrer Stadt sechshundert Jahre Geschichte dieser Überlegungen nachweist, die Hochtechnologien von vor dreihundert Jahren zeigt, die zum Teil leistungsfähiger sind als die heutigen, nicht nur in New York und Los Angeles gezeigt werden, wie es aktuell der Fall ist, sondern auch in Deutschland. Das wäre eine Aufgabe für Lüdenscheid. Anlässlich der Eröffnung dieser auf der Welt einmaligen Ausstellung zum dritten, vierten oder fünften Jubiläum in der Stadt, könnte der Marketing- und PR- Sender sowohl von der „Stadt des Lichts“ sprechen als auch von der Stadt der erleuchteten Unternehmer. Diese sind es nämlich, die den Zusammenhang zwischen Technologie und Kultur, zwischen Kaufverhalten und kulturellem Verhalten fundamental prägen. Das wird umso bedeutender, je globaler sie denken. Es wäre falsch anzunehmen, dass mentale, regionale, kulturelle und sprachliche Prägungen durch die Globalisierung verschwinden würden. Im Gegenteil gewinnen sie an Bedeutung.

Die Einstellung zu haben, dass durch die Globalisierung alles jenseits der natürlichen Bedingungen fällt, hat uns schon die Probleme eingebracht. Je globaler die Entwicklung voranschreitet, desto mehr setzt sich die Metaphysik der Kulturen theologisch, rassisch, ethnisch, sprachlich, religiös durch. Wer das nicht weiß, ist eine riskante zeichenlose Figur und weiß Gott nicht erleuchtet. Wir wollen zu den Erleuchteten gehören und diesen Anlass heute zu unserer Erleuchtung und zur Beleuchtung der Szene nutzen. Ich hoffe hierzu beigetragen zu haben.

Kulturgeschichtlich und anthropologisch gesehen werden Feste gefeiert, um die Arbeit eines Individuums oder einer Gruppe von Menschen, in einen mehr oder minder großen - möglicherweise sogar einen kosmologischen - auf jeden Fall in einen sozialgeschichtlichen, kulturgeschichtlichen Zusammenhang zu bringen. Das macht man, indem man ein Ereignis inszeniert, das erinnerbar ist, das erinnerbar bleibt. Dadurch wird dieses Ereignis ins Gedächtnis eingeschrieben, also nicht so sehr durch das, was man über die Tätigkeit des Individuums, des gefeierten Unternehmens sagt, sondern durch den Zusammenhang, den man herstellt. Nun ist gestern und heute zum Jubiläum durch ein politisches Ereignis ganz außerordentlicher Art ein solcher Zusammenhang hergestellt worden. Sie alle werden Ihren Lebtag lang nicht vergessen, dass das zehnjährige Jubiläum von DIAL auf den Tag fiel, an dem über Deutschlands größter Partei, der SPD, der Himmel dunkel wurde oder in den Unternehmerkreisen und in vielen anderen Gruppierungen der Gesellschaft ein Hoffnungsschimmer am Horizont aufstieg. Damit sind wir auch schon bei dem expliziten Thema: wie man etwas ins Licht setzt. Bei solchen Ereignissen sind es die Anwesenden, die ins Licht gesetzt werden. Das ist der Begriff des Image, auch des Firmenimage, des Gruppenimage, des Parteienimage: wie etwas ins Licht gesetzt wird, so dass es wahrnehmbar wird. Bei der Bewerkstelligung der Inszenierung sind zwei Seiten recht zu bedenken. In der Industrie, deren Aktivitäten wir hier in Hinblick auf Forschung und Innovation hier feiern und in Zusammenhang stellen, gelingt das durch die von Herrn Krummendahl angemahnte Verbindung von Technik und Kultur z.B. durch den Zusammenhang von Diskussionen des Beleuchtungslichts und des Erleuchtungslichts. Denn Beleuchtung und Erleuchtung sind die beiden Ausformungen, also die beiden nicht nur metaphorischen Arten, etwas wahrnehmbar zu machen, in denen das Phänomen Licht für die gesamte menschliche Evolution – speziell für die Kultur - von größter Bedeutung ist. In alle Stadien, von der ersten Anwendung des Feuers bis zur Verwandlung des Rohen in das Gekochte, also von der Natur zur Kultur, ist bis in die Gegenwart hinein versucht worden, das Beleuchtungslicht zugleich als Erleuchtungslicht erscheinen zu lassen. Krummenholzes Forderung nach einer Einheit von Kultur und Technik ist erfüllt, wenn man in einer spezifischen Art der Betrachtung jeweils das Technologische, also die Produktion, das Kaufmännische etc. zugleich als kulturelle, soziale, sozialpsychologische Erleuchtungen erfahren kann. Das nennt man Lichtwechsel. Es ist ein Wechsel der Perspektiven der Beleuchtung, je nachdem, ob man einerseits das Beleuchtungslicht, also die technologischen Komponenten oder eben die Erleuchtung, die Inspiration, die Animation in den Blick fasst. Diese beiden Polen wollte ich Ihnen heute vorführen. Bei rechtem Licht betrachtet ist das, was gestern passiert ist, etwas ganz Normales, nämlich die Tatsachen, dass, wie Licht und Schatten zusammengehören, auch Erfolg und Scheitern, Macht und Erfahrungen der Ohnmacht zusammengehören, und zwar gerade in der Politik und in der Wirtschaft. Das führt dazu, dass starke Persönlichkeiten in Unternehmen und Politik sogar eher ihre Arbeit auf das mögliche Scheitern hin orientieren als auf den Erfolg. Der Erfolg hat immer viele Väter und den schreibt sich jeder leicht zu. Aber wie man mit den Ohnmachterfahrungen, mit dem Scheitern, mit dem drohenden Misslingen, mit dem Blackout, mit der Verfinsterung der Szene umgeht, das erst verlangt Charakter auf der Bühne. Das haben die Dramatiker gezeigt. Deswegen sind die dramatis personae eben so spannend, auch im normalen Leben. Im Alltag, es ist für uns Kulturwissenschaftler und Sozialpsychologen sehr wichtig, von Alltagsvorstellungen und Begrifflichkeiten auszugehen. Kant hat gesagt: „Mein ganzes Philosophieren ist nichts anderes als die Einholung des alltäglich von jedem gewussten Satzes‚ ‚Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.’“ Das hat er über 850 Seiten als Philosophie ausgeführt aber er ist über diese Alltagswissens- und Begriffssituation nicht wesentlich hinausgekommen. Das wollte er auch nicht. So mache ich das auch, ausgehend von den Begrifflichkeiten des Alltags, die wir zu unserem Thema verwenden können. Wir hoffen eigentlich mehr oder minder alle, geistesgegenwärtig zu sein, aus dem Altgriechischen wörtlich übersetzt, erleuchtet zu werden. Damit unsere Gesichter strahlen, damit wir eine Aura entwickeln, z.B. die des erfolgreichen, geistesgegenwärtigen Zeitgenossen. Dieses auratische Strahlen ist z.B. für die Fähigkeit, andere Menschen zu überzeugen, außerordentlich wichtig, um uns möglicherweise auch als Lichtgestalten der Zeitgenossenschaft erscheinen lassen. Man sagt im Alter, wenn das gelingt, dann deswegen, weil uns ein Licht aufgegangen ist, weil etwas evident geworden ist, weil wir etwas einsehen konnten, durch die richtige Art, es sichtbar werden zu lassen. Wir wissen aber aus dem Alltag, das dort, wo viel Licht ist, auch viel Schatten herrscht. Das bedeutet, dass das richtige ins Bild setzen durch Beleuchtung immer nur dann gelingt, wenn wir etwas aus dem Blickfeld wegnehmen, abschatten, abdecken, also Aufmerksamkeit erzeugen, durch die Konzentration des Blicks auf das Exponierte, im Licht Stehende, um gerade das, was in den Schatten gedrängt wird, nicht unsere Konzentration auf das Entscheidende stören zu lassen, obwohl jeder weiß, dass es die andere Seite gibt. Dass, wenn man etwas im Licht sieht, etwas anderes im Schatten nicht gesehen werden darf und soll. Das leuchtet uns auch insgesamt ein. Wenn die Einsichten so überwältigend werden, dass wir schier in Verzückungen geraten oder drohen, geblendet zu werden, dann sorgen wir von uns aus für die richtige Abschattung, auch im Alltagsleben. Sie kennen das seit ungefähr fünfzig Jahren. Die Tatsache, dass Alltagsmenschen unabhängig von der Lichtsituation auf freien Himmel eine Sonnenbrille als Merkmal der Fähigkeit zur Abschattung aufsetzen, auch unabhängig von der Frage, wie viele Lux herrschen und das als Prinzip durchzusetzen. Viele Jugendliche tragen Sonnenbrillen auch in nicht stark beleuchteten Räumen. Sie haben die philosophische Maxime der Ausblendung vor Augen und schützen sich wie Greta Garbo, Heino oder Udo Lindenberg vor der Durchsicht oder Transparenz. Das kennen sie bei Liebenden. Sie versuchen sich durch die Augen wechselseitig ins Innere zu dringen. Das landet häufig, wenn man nicht gerade liebend verzückt ist, bei einer Desillusionierung. Wer also etwas zu stark ins Licht setzt, riskiert natürlich auch, dass alle sehen: Da ist ja gar nichts so Bemerkenswertes. Oder durch Inszenieren kommt man dahinter, dass es sich gar nicht lohnt, das Exponierte zu zeigen, sondern das, was gerade verschwiegen wird, was gerade ausgeblendet wird, ist das viel Interessantere. Angeführt von der Crew der Filmproduzenten, die in Hollywood die Sonnenbrille in diesem Sinne schon seit sechzig Jahren trägt, haben die intelligenten, jungen Leute unter den Zeitgenossen diesen Brauch übernommen. Denn wir wollen ja gar nicht, dass alles ins Licht gerückt wird, dass alles sichtbar wird. Wir müssen unser Geheimnis wahren. Vor allem dann, wenn es kein Geheimnis gibt. Sie wissen um das größten Geheimnis, das der Umfrageergebnisse, das die Marketingaktivitäten so interessant macht? Marketing ist die Wissenschaft, etwas als bedeutende Ausstellung, als Einsicht, als Erkenntnis, als Erlebnis auszugeben, was nur dadurch eins ist, dass es da nichts zu erkennen gibt, außer dass die Erkenntnis durch die Erleuchtung im Sinne von Inspiriertheit ersetzt wird, durch Prophetie, durch Fähigkeiten zur Spekulation, d.h. zur spiegelhaften Brechung einer Einsicht in die Verschiedenheiten ihrer Sinnzusammenhänge, zur Projektion. Dies sind alles alltägliche Metaphern aus dem Bereich des Produzierens und Gestaltens von Licht. Wir müssen unser Geheimnis wahren. Denken Sie nur an die langen Diskussionen über die Ausgrenzung von Privat und Öffentlich im rechtlichen Sinne. Eine große Erfindung der bürgerlichen Selbstverständnisses, ausgeprägt im Rechtssystem, war die Ausgrenzung des Privatbereichs oder der Intimsphäre. Das ist diejenige, die deswegen so bemunkelt wird und man denkt, da geschieht etwas Unglaubliches. In der man, wie Adorno sagte, vor seiner Frau, vor seinem Nächsten, nicht mehr vorzugeben braucht, es stecke in einem etwas ganz Unglaubliches, sondern wo das Einverständnis herrscht, dass man sich auf der Ebene der Wirklichkeitserfahrung begegnet, der radikalen Einsicht, dass diese Verhältnisse geheimnislos sind. Jeder, der länger als drei Jahre verheiratet ist, kennt die Faszination der Geheimnislosigkeit in der Beziehung. Daraus ergibt sich gerade die ungeheure Leistung, die kulturelle Anstrengung, die Würdigung einer auf Dauer gestellten Beziehung zwischen zwei Menschen, die nicht über höhere Inspiriertheit, schlagende Herzen oder sonstige Mirakel einander wahnhaft verfallen sind, sondern die ganz klar und bewusst wissen: Die Beleuchtung, die Aufklärung kommt dort zu ihrem Höhepunkt, wo man einsichtig wird, dass es kein Geheimnis gibt, dass nichts dahinter steckt. Es gibt keinen doppelten Boden, Oberfläche und Tiefe ergeben die gleiche Evidenz. Das ist auch, was die moderne Kunst macht. Denken Sie an Andy Warhol, ein Meister. Friedrich Nietzsche, philosophisch ein Meister der Beleuchtung der Oberflächen als Tiefen. Im gewissen Sinne sagt der Alltagsmensch: Wir müssen das Geheimnis wahren, denn ‚nur im Dunkeln ist gut munkeln’. Eine große Antriebskraft für die Zusammenarbeit von Menschen ist die, dass sie sich wechselseitig etwas unterstellen können - geheimnisvolle Kräfte, Leichen im Keller etc. - die man vorsichtshalber durch Erzählung, durch Gerüchte überhöht, um die Faszination und Attraktivität zu erhöhen. Wenn sich, wie im Falle Oskar Lafontaine die Faszination Machtmensch, die Faszination Berserker durch das Verhalten postpubertärer Bockigkeit erledigt, dann wird die Politik wieder stark desillusioniert. Man denkt, man habe es mit phantastischen Machtmenschen zu tun, die berechenbar sind, weil sie eben nichts als machtgeil sind. Man hat die Vermutung, dass sie ungeheure seelentiefe Kindheitserlebnisse, Vergewaltigungen durch den Vater, erlitten haben, oder über göttliche Inspirationen verfügen, über einen Auftrag des Weltgeistes. Wenn dann so etwas passiert wie im Falle Oskar Lafontaine sieht man wieder, dass es sich um nichts anderes handelt als um kleinkindliche Verhaltensweisen. Der Mann hat diese Entscheidung aus dem zwölften in das siebenundfünfzigste Lebensjahr verlegt. Das ist ganz normal. Denken Sie daran: Alle Philosophen, alle großen Theoretiker in der Wissenschaft gehen immer von dem sprachlichen Alltagsverständnis aus, was der Volksmund, was die Alltagsgemeinschaft, in der sie selber leben, was die Umgangssprache als die Metasprache besagt. Die Verwendung dieser Lichtmetaphoriken wie ‚im Dunkeln ist gut munkeln’, ‚strahlende Lichtgestalten’, ‚geblendet werden etc., die Verwendung von Lichtmetaphoriken im Alltag, in der Kunst, in den Wissenschaften, in der Politik, in den religiösen Kulten sind ein Ergebnis der elaborierten oder instinktiven Einsicht, welche Bedeutung die Evolution des Auges oder des Lichtsinns in der Natur selbst für die Entwicklung hochspezialisierter Nervensysteme bedeutet, oder allgemein gesagt: welche Bedeutung Licht in Form der Sonnenenergie, beispielsweise für die Entwicklung der Lebensformen vom ersten Einzeller an zufällt. Repräsentiert wird das alles noch in der alltäglichen Erfahrung der Jahreszyklen und ihrer seit dem Altertum gegebenen Feieranlässe, den Gleichen von Tag und Nacht zweimal im Jahr oder in dem Tag, den wir heute noch am Weihnachtsfest würdigen, an dem sich die Tageszeit, die wir sehend in der Welt verbringen gegenüber der Zeit, in der wir durch Dunkelheit blind gemacht werden, vergrößert. Das sind in unglaublicher Weise Hintergrundinformationen, die unser Organismus selbst trägt, derer wir uns aber häufig gar nicht bewusst sind. Gelegentlich müsste man sich dessen klar werden, z.B. bei Anlässen wie solchen Festlichkeiten. Die Steuerung des Organismus über die innere biologische Uhr ist immer im Wechsel der Tageszeiten, der Monate, der Jahreszeiten als Reflektion der Abhängigkeiten allen Lebens von der Sonne als Energiequelle zu sehen. Welche Bedeutung das hat, erfahren wir nicht im eigentlichen biologischen Sinne, im ärztlichen Sinne, sondern im kulturellen Sinne. Denn die Feste, die dort gefeiert werden, gehen eben auf diese Grunderfahrung von jedermann zurück. Diese biologischen Tatsachen, evolutionsgeschichtlichen Tatsachen, sind das Fundament des Selbstverständnisses aller Kulturen. Wenn wir heute sagen, dass die Natur sich im hohen Maße in der entwickelten Technik spiegelt, dann ist diese Technik die Grundlage des Selbstverständnisses einer entsprechenden zeitgenössischen Kultur. Die Lichttechnik wäre dann die Grundlage für die Entwicklung eines heutigen zeitgemäßen kulturellen Verständnisses von Lichtwerk oder Lichtgestaltung, von Beleuchtung als Aufklärung und Abschattung. Allein für die westlichen Kulturen, zu denen wir ja gehören, lässt sich dieser Tatbestand erinnern, wenn man sich an die christliche Schöpfungsgeschichte erinnert. Gott sprach: „Es werde Licht.“ Insofern ist Lüdenscheid das einzige heute noch existierende Labor Gottes. Betrachten wir die Architekturgeschichte und da vor allem auch die Kirchen in ihrer architektursprachlichen Konzeption, so wird unmittelbar und in jeder Hinsicht die Ausrichtung auf die Einheit zwischen Kulturevolution und Naturevolution deutlich. Einen Höhenpunkt stellt die gotische Kathedrale dar. Sie ist die totale Vergegenwärtigung dieses Zusammenhangs. In der Geschichte der Politik sehen wir im Absolutismus, wie schnell die Strahlenkrone des Absolutismus stumpf werden kann und die Aura erlischt. Der Zusammenhang wiederum zwischen Lichtthematisierung und Kunstgeschichte ist der engste überhaupt denkbare. Es gibt keine Malerei ohne mindestens fünfhundert Jahre Traktate über das Licht in der Malerei oder über das claire obscure etc. In der Wissenschaftsgeschichte wird unsere Beziehung zu dieser Lichtmetaphorik im englischen Begriff enlightenment, im deutschen Aufklärung, unmittelbar gezeigt. Aufklärung als enlightenment heißt in der deutschen Übersetzung nichts anderes als etwas so ins Licht zu setzen, dass man es zu erkennen vermag. In der Geschichte der Medizin oder der Lebensreformbewegung, die vor etwa hundert Jahren auf dem Höhepunkt war, waren Sonnenkuren, Sonnenbaden, das Exponieren des Körpers im Licht, eine heilpädagogischen Maßnahme von außerordentlicher Bedeutung. Dieser folgen Sie heute noch instinktiv, wenn Sie Bräunungsstudios besuchen oder sich zu Hause unter so ein Bräunungsgerät legen. Das hat ganz andere Hintergründe als die bekannten Kosmetischen, die wir heute damit verbinden.

In den Experimenten der künstlerischen Moderne ist, bezogen auf das Licht, der Impressionismus ein Höhepunkt. Außerdem die gesamte Thematik der lightrature, der Lichteratur statt Literatur, oder der Lichtschriften im Sinne der Geschichte als Technologie der Optiken.

In der Physik kommt der Hinweis auf die fundamentale Bedeutung des Lichts dadurch zum Ausdruck, dass die Lichtgeschwindigkeit zu dem ultimativen Maß aller physikalischer Überlegungen geworden ist, wenn es um Untersuchungen von Kleinteilchen oder um die kosmologische Hinsicht geht. Vom Prometheus, der über den Gebrauch des Feuers das Licht der Götter den Menschen überreicht hatte, über die Adventskerze, die auch heute noch die Fackel des Prometheus repräsentiert, bis zur künstlichen Erzeugung von Kernreaktionen, begleitet uns stets eine Metaphysik des Lichts, also der Lichtwechsel zwischen Beleuchtungslicht und Erleuchtungslicht. Das ist natürlich gerade dann gefragt, wenn naturgemäß wechselweise die Zukunft für die Individuen, Gruppen und Parteien einerseits in einem sehr drohenden Dunkel liegt, andererseits aber vor dem Horizont einer sich aufhellenden Hoffnung gesehen wird und immer gesehen werden muss. Nun dazu ein paar Beispiele, die sie erinnern sollen, an das was sie längst schon wissen. Sie können lediglich das, was sie schon längst wissen, aktualisieren und in einen Zusammenhang bringen, sich selbst oder DIAL als eine Forschungsinstitution oder als eine Gruppierung von Menschen mit einem bestimmten Interesse in einen übergeordneten Zusammenhang kulturgeschichtlicher, wissenschaftsgeschichtlicher, religionsgeschichtlicher Bedeutungen stellen. Sobald ich ein Teil von etwas größerem geworden bin, ist das Fest gelungen, soweit ich dieses Selbstbewusstsein habe.

Die profanste Art der Repräsentation des Themas in puristischem Interesse, d.h. also eine den Angehörigen aller Kulturen der Welt, sprachlichen, religiösen Gemeinschaften verständlichen Formulierungen unseres Themas der Einheit von Bedeutung von Beleuchtungslicht und der Erleuchtung, des Exponierens als des Sichtbarmachens und Erkennbarwerdens und der Abschattung ist hier dreifach repräsentiert.

Der Freiheitsstatue wird, in einer Zeit, in der es kein elektrisches Licht gab, die Fackel in die Hand gegeben, als Zeichen, dass der sich hinaus Begebende im Dunkel sich selbst den Weg erkennbar machen sollte. Man gibt sich selbst das Licht, das einem das Gehen des Wegs ermöglicht. Warum ist das zur Freiheitsfackel geworden? Der Hinweis auf die Altertumsmetaphorik ist klar. Es leuchtet da einem etwas entgegen oder voraus. Es ist ein Signal, ein Zeichen, dem man folgt. Es geht jetzt nur darum dies in beliebiger Größe, aus beliebiger Entfernung sichtbar werden zu lassen. Hier wird eben das Jubiläumsjahr der Etablierung dieses Kultbilds des amerikanischen Selbstverständnisses zur Hundertjahrfeier noch mit einem Feuerwerk begleitet, so dass das, was die Fackel selbst ausmacht und zeigt, in der Wirkungsdimension erheblich überhöht wird, also z.B. aus einer sehr viel größeren Entfernung sichtbar wird. Aber die Spuren dieses Feuerwerks werden unmittelbar auf kosmologische Beziehungen wie Sternenbahnen und Sternschuppen bezogen. Deswegen auch der gewählte Augusttermin. Man spricht also gleichzeitig ein kosmologisches Geschehen an. Wenn sie das den amerikanischen Communitaristen sagen, können diese ihnen sofort auf Anhieb die gesamte Implikation, also das in der Sache liegende Potential, bis auf den heutigen Tag klar machen. Wir Europäer haben es uns leider angewöhnt, solche Symbolisierungen mit einer gewissen Abfälligkeit zu behandeln. Wir Deutschen speziell, was erklärlich ist durch die Erfahrungen, die wir mit solchen Vorgaben im Deutschen Reich gemacht haben. Langsam müssen wir uns aber doch wieder daran gewöhnen, bei jedem Einschalten des elektrischen Lichts, bei jeder Exponierung in einem rechten Licht uns etwas anderes oder etwas mehr zu denken als das heute der Fall ist. Es handelt sich um etwas mehr als nur die bloßen technologischen Fragen, wie man das macht.

Im einem Stich von Rembrandt zu „Faust im Studierzimmer“, Mitte des 17. Jahrhunderts, wird das angesprochen. Die Darstellung der Inschriften in der Lichterscheinung entspricht genau dem, was wir mit der Einleuchtung oder mit dem evident Machen generell verbinden. Das kann einerseits ein Menetekel sein, eine warnender Hinweis an der Wand, das kann eine innere Imagination sein, so wie man sie dem schlechten Gewissen zuspricht oder im Sinne einer Offenbarung. Was hat Faust eigentlich in dieser von Goethe mit ganz besonderer Sorgfalt ausgearbeiteten Szene so eingeleuchtet? Was war das, was ihm evident wurde, in der berühmten Frage, was das Geheimnis der Welt ausmache, was das Gesetz der Natur sei? Das war die prinzipielle Unerkennbarkeit. Es leuchtete ihm ein, dass das, was Menschen in der Welterkenntnis abverlangt wird, eigentlich erst deshalb so grandios ist, weil es nicht zu erkennen ist. Wir können die Welt prinzipiell nicht verstehen. Deswegen ist das Anliegen so kompliziert und das Beleuchtungsthema für die Verknüpfung, z.B. einem gemeinsamen Exponieren auf einer Bühne, also das im rechten Licht Erscheinen, so wichtig. Es ist das Logo und das Symbol für kommunikative Orientierung in einer Welt, die prinzipiell nicht verstanden werden kann. Bei Faust kommt heraus, dass wir aus der Naturgeschichte lernen können. Die phantastische Erfindung der Natur, dass die Organismen mit sich und den anderen ihrer Art und ihrer Umwelt kommunizieren können, müssen wir feiern. Wir müssen es in dem Maße tun, in dem wir vernünftigerweise verstehen, dass die Welt nicht erkennbar ist. Stellen Sie sich die folgende Situation vor: Sie würden ab morgen nur noch die Erlaubnis erhalten, in ihrem Haus gegen zwanzig Uhr die Lichtschalter zu betätigen, wenn sie vorher verstanden hätten, was Elektrizität ist. Je mehr Fachleute Sie bei sich hätten, desto länger würden Sie im Dunkel sitzen, wahrscheinlich fünftausend Jahre. Die Experten der Physik sind nämlich gerade diejenigen, die das, was als eine Erklärung zur Elektrizität einleuchten würde, sofort wieder als Problem darstellen. Es ist völlig unmöglich, einem Anspruch gerecht zu werden, in der Welt erst dann agieren zu können, wenn man die Welt verstanden hat. In der Umkehrung bedeutet das, dass gerade weil wir die Welt prinzipiell nicht verstehen können, wir solche kulturellen und explanatorischen Veranstaltungen wie das Erfinden und Einsetzen von Technologien betreiben müssen. Deshalb sind es besonders die Kommunikationstechnologien, die es uns ermöglichen im Bezug aufeinander und auf die Welt so zu agieren, dass wir ziemlich gut überleben können. Ziemlich gut heißt, wahrscheinlich viel besser, als wenn wir die Welt verstünden. Dafür steht diese Einleuchtung in den Studierzimmern der Gelehrten, der weltlichen Gelehrten. Auf Rembrandts Gemälde handelt es sich nicht um einen Propheten, nicht um Hieronymus und auch nicht um Augustin. Was treiben wir, wenn wir sagen, wir wollen die Welt erkennen? Je mehr Experte ich bin, desto rätselhafter wird mir die Welt. Je mehr ich weiß, desto größer wird das Geheimnis. Je mehr ich erkannt habe, desto unglaublicher wird das Staunen über die Komplexität, die prinzipiell unerfassbar ist. Das ist das einleuchtende Evidenzerlebnis für jeden Wissenschaftler. Auf dieser Ebene treffen sich Physiker und Soziologen, Psychologen, Ästhetiker, Technologen etc. Sie alle gehen von dieser gleichen Voraussetzung aus. Wenn sie erleuchtet sind. Sehr schön ist das bis in den heutigen Tag ausgewiesen in den symbolischen Sprachformen, mit denen wir diese einleuchtenden Wahrheit lesen. Weil wir die Welt nicht verstehen können, müssen wir kommunizieren. Es hätte keinen Sinn, erst verstehen zu wollen und dann zu handeln. Dann würde das Handeln gar nicht erst stattfinden. Es stehen also alle Zeichen für Ingenium, Inspiration, Einleuchtung. Von oben kommt der Leuchtstrahl, der Maria trifft und verkündet, „Verkündigung an Maria.“ Im Gerichtswesen heißt es: „ Verkündung des Urteils“. Der amerikanische Pragmatismus lässt ganz klar erkennen, um was es geht. Es handelt sich um Forschungsprogramme bzw. Kooperationsangebote zwischen Forschung und Wirtschaft, inklusive des klar demonstrierten neuen Anwendungsfalls, auf den sich das bezieht, wunderbar repräsentiert in der Figur des Helferlein bei dem genialen Wissenschaftler Daniel Düsentrieb in der Kosmologie des Donald Duck oder des Walt Disney. Was im Hintergrund steht ist diese Birne, dieses Logo des „es geht mir ein Licht auf“, des „ich sehe plötzlich klar, worin das Problem liegt“. Nicht nacharbeitendes Rekonstruieren der Natur und Verstehen im Sinne von „jetzt weiß ich es“, sondern kontra der Unmöglichkeit des Verstehens - das Erfinden. Wir setzen also der Natur die Erfindung, d.h. die kulturelle Leistung parallel, um im jeweils wechselseitigen Einsatz alles das, was uns ausmacht - Hunger, Sexualität, Aggressivität, Spiritualität etc. -durch kulturelle Bearbeitung ohne Verstehen, funktionstüchtig zu halten und noch zu optimieren.

Ich wünschte mir, dass die Stadt des Lichts, also Lüdenscheid, ein Übersichtspanorama installiert über die in alten Kulturen bis heute, von China bis hierher, zeichenhaften Vergegenwärtigungen, derer es Unzählige gibt. Ich kann Ihnen auf Anhieb hunderte nennen, für dieses „es geht mir ein Licht auf“, für dieses Zeichen der Inspiriertheit, für dieses ins Licht setzen als einer Erleuchtung durch Beleuchtung. Das wäre eine anständige kulturelle Leistung: Einsatz von Technologie und Kultur, Religion und Biologie. Erleuchtung durch Beleuchtung ist das Programm für Lüdenscheid. Das weiß Daniel Düsentrieb, wie Sie sich sicherlich aus Ihrer Jugend erinnern. Ich bringe nur Sachen zur Erinnerung, die Sie schon längst kennen, so dass Sie ein Evidenzerlebnis, ein Aha-Erlebnis haben, das ihnen eben einleuchtet.
De Chiricos Enigma der Rätselhaftigkeit, das Geheimnis der Geheimnislosigkeit ist das größte aller Geheimnisse. Die typische Art und Weise wie es die Pittura metafisica, die metaphysische Malerei, gemacht hat, sehen Sie z. B. in den Bildkonzepten von de Chirico, in denen zu Anfang des Jahrhunderts die Einheit der Technologie, auch der Kriegstechnologie und der Kulturtechnologie von Natur und Kultur betrieben und ausgedrückt wurde. In Bezug auf Deutschland könne Sie sich an Fritz Lang erinnern. Da sehen Sie das, was auch in anderen Kulturen dargestellt wird, z.B. in indonesische Schattenspielen, etwas, was uns erst mit dem Kino, mit den Schatten an der Leinwand entwickelt wurde. Das größte Ereignis wird durch die Schattenerzeugung der Dinge, die man sehen will, erlebt. Das hat man hier für viele Ebenen übernommen, Lichtschrift im Sinne von Schattendemonstration, einmal für das Denkmal selbst, dann für die neuen Industrielandschaften, also für das Produktionsgeheimnis, die Geheimnislosigkeit der industriellen Produktion, dann für die Eisenbahn. Diese Futuristen haben damals gefragt: Warum haben Leute Vorbehalte gegen Technik, Wissenschaft etc.? Weil sie es nicht fertig kriegen, in ihrer Vorstellung nachzuvollziehen, was da eigentlich geschieht, dass innerhalb von dreißig Jahren, von 1836 bis 1866, Menschen den Wahnsinn realisiert haben, die ganze europäische Erde mit parallel verlaufenden Metallsträngen zu durchziehen. Wenn man sich das vorstellen sollte, ist das eine völlig uneinholbare Vorstellung. Es ist nicht leistbar. Es ist völlig absurd, so wie es vor dreißig Jahren völlig unvorstellbar gewesen ist, was durch die Entwicklung des Computers und der Ausbildung des Netzwerkes gegenwärtig geschieht. Die Vorstellung ist nicht in der Lage, das einzuholen, was faktisch geschieht, obwohl das, was geschieht, völlig geheimnislos ist. Es handelt sich um ein simples, kontinuierliches Aneinanderreihen und Verschrauben und Parallellegen und Abmessen von Schienensträngen, damit es funktioniert. Allein das systematisch kontinuierliche Erarbeiten erzeugt etwas, was als Endprodukt so aussieht, als hätte es der Schöpfergott persönlich nicht fertig bringen können, sonst hätte er die Eisenbahn direkt am sechsten Schöpfungstag erfinden können.
Diese Art des Vorstellungsversagens angesichts der Geheimnislosigkeit des wissenschaftlichen Handelns, des systematischen, empirischen Probierens wird in dieser Pittura metafisica zum Gegenstand der Überlegungen von Künstlern gemacht. Der Schatten, der dort erzeugt wird, ist eben der Schatten der Geheimnislosigkeit als etwas Unvorstellbarem. Offensichtlich können sich Menschen von Natur aus nichts erklären, wenn sie etwas sehen, hinter dem man nichts anderes vermuten muss. Die Erklärung für dieses Phänomen können Neurobiologen und Neuroästheten liefern. Stellen Sie sich mal vor, Sie sehen seitlich im Augenwahrnehmungsfeld eine schlängelnde Bewegung. Dann sorgt Ihr zentrales Nervensystem dafür, dass Sie von vornherein gezwungen werden sich hinter der Bewegung etwas ganz anderes als einen Gartenschlauch vorzustellen. Möglicherweise eine kriechende Schlange. Da das in der Evolution seit Jahrmillionen etabliert worden ist und seit mindestens 35.000 Jahren die neurophysiologische Lebensgrundlage der Menschen bestimmt hat, zwingt es Sie, alles was passiert, ob es sich um ein Rascheln der Blätter, eine Bewegung auf dem Boden, eine unsichtbare Zugluft ohne eine visuell identifizierbare Bewegungsquelle, sofort mit diesen anderen Bedeutungen zu belegen. Das ist das uns von der Natur aufgenötigte Spökenkiekertum. Die jungen Leute sind dem ganz besonders verfallen, weil wir ja heute in jeder Marke, jedem Logo gleich eine ganze Kosmologie sehen sollen. In einem banalen Turnschuh steckt direkt die ganze Welt. Wie sollen solche Leute sich noch bereit erklären, harte simple empirische Arbeit Schritt für Schritt - step by step, kontinuierlich immer so weiter und so weiter - zu leisten?. Die bekommen ja nicht mal mehr eine simple Zins- und Zinseszinsrechnung hin, weil sie sich einen Ereigniszeitraum von fünf Jahren gar nicht mehr vorstellen können. Wir leben jetzt in einer Welt, die durch systematisches Addieren dieser step by step -Innovation aufgebaut wird und die sich immer mehr von dem, was wir in der Vorstellung bewältigen können, verabschiedet. Das erzeugt Ängste, Ohnmachterfahrungen, Ausgegrenztheitserfahrungen. Deshalb sind Technologen in der Wissenschaft und in der Wirtschaft, die im wesentlichen in dieser rationalen step by step-Methode der Geheimnisse in der Geheimnislosigkeit operieren, verpflichtet, sich selbst durch Vorstellungen einholen zu lassen. Also müssen sie ihrer nicht fachwissenden Klientel ein Bild bieten, eben das besagte Image. Wer sich kein Image besorgt, ist nicht sichtbar, also für die Vorstellung der anderen nicht einholbar. Was es faktisch ist, nämlich ein systematisches step by step-Tun dieser Dinge, das können die anderen nicht ertragen, weil sie gezwungen sind, hinter jeder Banalität sofort ein Geheimnis zu sehen.

Wir sind alle älter geworden in diesem Zeitraum. Das innere Licht umso heller leuchtet, und das wünschen wir unserem Jubilar, dem Institut für angewandte Lichttechnik und dem heute beginnenden Zyklus, in dem sich dieser Zusammenhang zwischen Natur und Kultur, Technologie und Theologie durch die Operationen der Gestaltung oder den Einsatz der Wirkung des Lichts, im Wechselverhältnis von Aufklärung und Abschattung, von Beleuchtung und Erleuchtung, ereignen soll.

Meine dringende Empfehlung, Herr Matthes, dass diese Sammlung, die hier in ihrer Stadt sechshundert Jahre Geschichte dieser Überlegungen nachweist, die Hochtechnologien von vor dreihundert Jahren zeigt, die zum Teil leistungsfähiger sind als die heutigen, nicht nur in New York und Los Angeles gezeigt werden, wie es aktuell der Fall ist, sondern auch in Deutschland. Das wäre eine Aufgabe für Lüdenscheid. Anlässlich der Eröffnung dieser auf der Welt einmaligen Ausstellung zum dritten, vierten oder fünften Jubiläum in der Stadt, könnte der Marketing- und PR- Sender sowohl von der „Stadt des Lichts“ sprechen als auch von der Stadt der erleuchteten Unternehmer. Diese sind es nämlich, die den Zusammenhang zwischen Technologie und Kultur, zwischen Kaufverhalten und kulturellem Verhalten fundamental prägen. Das wird umso bedeutender, je globaler sie denken. Es wäre falsch anzunehmen, dass mentale, regionale, kulturelle und sprachliche Prägungen durch die Globalisierung verschwinden würden. Im Gegenteil gewinnen sie an Bedeutung.

Die Einstellung zu haben, dass durch die Globalisierung alles jenseits der natürlichen Bedingungen fällt, hat uns schon die Probleme eingebracht. Je globaler die Entwicklung voranschreitet, desto mehr setzt sich die Metaphysik der Kulturen theologisch, rassisch, ethnisch, sprachlich, religiös durch. Wer das nicht weiß, ist eine riskante zeichenlose Figur und weiß Gott nicht erleuchtet. Wir wollen zu den Erleuchteten gehören und diesen Anlass heute zu unserer Erleuchtung und zur Beleuchtung der Szene nutzen. Ich hoffe hierzu beigetragen zu haben.