Diagonal. Zeitschrift der Universität-Gesamthochschule Siegen

(Ausriß aus einem TV-Treatment für den ORF Wien). Zum Thema Fälschungen. Jg. 1994, H. 2.

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Der falsche Hase. Hakenschlagen auf Kunstrasen.

Ausriß aus einem TV-Treatment für den ORF Wien

Vorbemerkung

Nur das Falsche ist als solches noch wahr. Fälschungen sind die natürlichen Formen, die Wahrheitsfrage zu stellen. Fälscher sind die leistungsfähigsten Künstler, und Fälschungen sind nur so lange ein Problem, wie sie nicht gelingen. Aber auch originale Kunstwerke gelingen ja nur selten und sind als schlechte Werke genau dasselbe Problem wie schlechte Fälschungen. Es geht also nicht um die Unterscheidung von Fälschungen und Originalkunstwerken, sondern um die Unterscheidung von guten und schlechten, von akzeptierten und abgelehnten Werken. Fälschungen sind deswegen interessant und für die Kunst unerläßlich, weil sie zu dieser Unterscheidung zwingen, um die sich alle gerne herumdrücken. Kunsthändler und Bilderkäufer machen Fälscher für ihre eigene Unfähigkeit zur Unterscheidung von guten und schlechten Werken verantwortlich. Wenn sie nicht unterscheiden können, sind sie weder Experten noch Kenner. Wenn sie nicht unterscheiden wollen, sind sie selbst Fälscher.

Nummernrevue

1. Akteur am Bankschalter soll Scheck unterschreiben

– Schalterbeamter weist Unterschrift zurück, da sie mit dem Original auf der Scheckkarte nicht übereinstimme – Kunde wird aufgefordert, sich auszuweisen – doch auch diese Unterschrift variiert von oben genannten – Kunde wird nun aufgefordert, mehrere Unterschriften zur vergleichenden Anschauung auf dem Papier nachzuvollziehen – Schalterbeamter ruft Vorgesetzten, der ihm erklärt, daß gerade die Unterschiedlichkeit der Unterschriften desselben Kunden Beweis für deren Echtheit sei, denn nur bei einem Fälscher wären die Unterschriften immer gleich, denn er möchte der Verdächtigung, nicht die authentische Person zu sein, entgehen, wohingegen der authentische Kunde keinen Anlaß hat, die Abweichung seiner Unterschriften voneinander zu fürchten, weil er weiß, daß er derjenige ist, der alles unterschrieben hat.

2. Sequenz von Joseph Beuys-Unterschriften

mit dem Off-Kommentar: "Aber die sind ja alle völlig identisch!" – Sequenz mit den Unterschriften von Adolf Hitler, die alle verschieden sind und einem Off-Dialog aus Schtonk (etwa): "Die müssen echt sein, denn die sind ja alle verschieden."

3. Sequenz von Gemälden des Werbepapstes Michael Schirner,

die nur die Signaturen berühmter Maler tragen mit dem Off-Ton: "Dem Schirner kommt es doch wie allen Künstlern nur auf seinen Namen an. Was die malen, ist denen doch völlig wurscht und die Kritik auch. Hauptsache ihr Name ist richtig geschrieben." – Originaltonbild Schirner in seinem Düsseldorfer Studio vor reihenweisen Aktenordnern mit Zeitungsausschnitten, in denen immer nur der Name Schirner markiert ist: "Künstler ist, wer einen Namen hat. Die einzige Form von Kunst ist Namenswerbung. Mehr als den Namen kann man sich sowieso vom Künstler nicht merken, deshalb huldigen dem Namen des Künstlers seine Fälscher. Sie sind die größten Verehrer, weil sie das Werk mit ihren Fälschungen noch größer und bedeutender machen, als es der Künstler selber konnte. Der Fälscher schadet dem Künstler nicht, er nutzt ihm. Ich liebe Fälscher."

4. Interview Bastian

mit der emphatischen Feststellung, die Mailänder Beuys-Objekte seien gefälscht – Bastian wird aufgefordert, die Kriterien für das Gefälschtsein an den Objekten zu demonstrieren – die gleichen Kriterien werden dann auf Beuys-Objekte aus Bastians Berliner Beuys-Ausstellung angewendet – Kamera demonstriert die Evidenz, daß gegen von Bastian anerkannte Beuys-Werke dieselben Einwände erhoben werden können, wie er sie gegen die vermeintlichen Fälschungen ins Feld führt.

5. Im Behandlungszimmer eines Arztes

Patient bekommt, mit nachdrücklicher Ermahnung zur pünktlichen Einnahme, vom Arzt Tabletten überreicht – Patient verläßt das Zimmer – Arzt spricht einen Kommentar in die Kamera wie der Moderator im Gesundheitsmagazin Praxis im ZDF: "In der Medizin ist das Vertrauen des Patienten zum Arzt die Basis jeden Erfolgs, denn wir wissen, daß die Chemie allein nicht wirkt. Der Patient muß von der Wirkung der Medikamente überzeugt werden, sonst helfen sie nicht. Wie sehr der Glaube an die Wirkung selbst die beste Medizin ist, beweisen die Placebos – Medikamente, die nur aussehen wie welche, die aber keine Wirksubstanz enthalten. Vom Phänomen der Placebomedizin sind auch die Ärzte betroffen. In jeder Erprobung von Medikamenten, dem sogenannten doppelten Blindversuch, wissen auch die behandelnden Ärzte nicht, welche Tabletten echt und welche gefälscht sind. Da die Natur des Menschen jedoch überall gleich funktioniert, vermute ich, daß auch bei der Kunst der Placeboeffekt wirksam ist oder auch bei Konsumgütern, die entsprechend wirkungsvoll verpackt sind." – Patient zu Hause, der "zu Risiken und Nebenwirkungen" Verpackungsbeilage der Medikamente halblaut liest – der gelesene Text enthält aber statt Aussagen zum Medikament Hinweise zu Risiken und Nebenwirkungen von Kunst – Patient schluckt Tabletten, die sich beim Einnehmen in kleine Bildwerke verwandeln.

6. Beuys im Umkreis seiner Schüler und Jünger

Abklammersequenz aus Zürcher Gesamtkunstwerk-Diskussion, in der Beuys vorgehalten wird, er mache seine Bewunderer abhängig und trete selber als Guru-Doktor auf – darauf Beuys: alle Menschen seien Gurus, alle Menschen seien Künstler, weshalb er auch die Arbeiten seiner Studenten für seine Werke nutze – Interview Dr. S., die darüber erzählt, welche Schülerarbeiten Beuys als seine Arbeiten verwendet habe, u.a. den Kopf der Stele im Werk Straßenbahnhaltestelle, 1976.

7. Kleve-Sequenz

mit der optischen Demonstration, wie Beuys das dort vorhandene Barockdenkmal der Straßenbahnhaltestelle einverleibte – woraus sich die Frage ergibt, ob Kopieren und Imitieren nicht auch Formen der Fälschung sind – wenn Beuys den Barockkünstler kopiert, imitiert und transformiert, gilt das als Leistung, wenn Oberhuber kopiert, imitiert und transformiert haben sollte, gilt das als Fälschung – rechtlich ist der Unterschied für jeden verständlich – der Sache, der geistigen Leistung nach aber nicht.

8. Man betritt den ersten Raum in einer Gemäldegalerie

– berühmte Malernamen im Anschnitt unter und neben den Bildern auf den Beschriftungen – in einem zweiten Saal hängen statt der Gemälde großflächige Angaben über den Marktwert der Bilder in je unterschiedlichen Formaten (wie im ersten Saal) – Kustodin kommt in den zweiten Saal und tauscht zwei Marktwertangaben, z.B. 3,2 Millionen gegen 10.000 DM aus – dazu erklärt sie im On-Ton: "Man hat bei uns gerade wieder eine Fälschung aufgedeckt."

9. Sequenz aus Talk im Turm

mit Deutsche Bank-Chef K., der erklärt, die Milliardenverluste aus der Fälschung von Unterlagen zur Kreditbewilligung im Fall Schneider seien bloß peanuts. Solche Risiken gehörten nun mal zum Geschäft. Es gebe keinen Grund zur Aufregung – darauf antwortet in der Talkrunde der Vertreter bürgerlicher Kapitalismuskritik, die Argumente K.’s müsse man als Eingeständnis werten, der eigentliche Betrüger sei im Fall Schneider die hauptbeteiligte Bank, die es nicht nur leichtfertig, sondern absichtsvoll vermieden habe, die offensichtlich falschen Angaben über Mietfläche und Mieteinnahmen in der Zeilgalerie zu überprüfen.

10. Vorhaltungen Oberhubers

an den Käufer der fraglichen Beuyswerke, er hätte die Echtheit der Werke prüfen müssen, wenn ihm die Frage echt oder nicht echt wichtig erschienen wäre. Angesichts des niedrigen Kaufpreises hätte Käufer allen Anlaß zur Nachfrage gehabt.

11. Zur Psychologie des betrogenen Betrügers

äußert sich der psychologische Sachverständige der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft mit der Heiterkeit eines Weisen zum Problem des Ehrbegriffs der Fälscher und Betrüger in der Mafia, in der Ehegattenbeziehung, in Steuersachen und im Kunsthandel – sein Fazit: Da jeder damit rechnet, betrogen zu werden, wird die aktive Täuschung als gerechtfertigter Schadensausgleich angesehen. Wer dabei auffliegt, gilt als nicht intelligent oder geschickt genug. Alle bewundern am großen Fälscher seine außerordentlichen Fähigkeiten, die allerdings nur Vermutung bleiben, weil der begabte und begnadete Fälscher, dem Fälschungen gelingen, eben nicht bekannt werde. Für die ihm so entgehende Anerkennung darf er sich wenigstens mit dem kassierten Geld trösten. Ein schwacher Trost jedoch, weshalb die Psychologie des Fälschers ihn verführe, die Fälschung selber auffliegen zu lassen, zumal weit überschätzt werde, was Fälschungen einbrächten.

12. Sequenz aus Fake,

in der Elmyr de Hory schildert, wie er vom Kunsthandel ausgenutzt worden sei. Am Ende besitze er gar nichts, nicht einmal das Haus, in dem er wohne. Geblieben sei ihm nur der Ruhm als begnadeter Fälscher, dessen Werke noch heute unerkannt in allen großen Museen der Welt hingen.

13. Zu Originalwochenschauaufnahmen und Fotodokumenten

der Restaurierung der Lübecker Marienkirche in den Jahren 1949-1952 wird folgende Geschichte erzählt: Die sensationelle Entdeckung romanischer Fresken sollte in einem fulminanten Festakt vor den höchsten Repräsentanten der Kirche, der Politik, der Kunstwissenschaft und der Steuerzahler gefeiert werden. Die Tischordnung wurde streng hierarchisch festgelegt. Lothar Malskat, vermeintlich nur Restaurierungshandwerker der Fresken, kam an den Katzentisch mit anderen Handwerkern, während die Koriphäen sich in der Aufmerksamkeit der Presse auf den Ehrenplätzen sonnten. Die Ordinarien schwelgten in ihrer Expertenglorie, die Kirchenfürsten salbaderten über die unschätzbaren kulturellen Werte, die hier dem Dunkel der Geschichte mit Hilfe des Zerstörungswerkes englischer Fliegerbomben entrissen worden seien. Vor so viel Beschwörung einmaliger menschheitlicher Kulturleistung ließ sich Malskat dazu verführen, wahrheitsgemäß zu bekennen, daß er der menschliche Genius gewesen sei, dem die Welt diese Schöpfungen verdanke. Er erwartete, daß die eben ausgesprochenen Huldigungen nunmehr ihm gelten würden. Er verstand bis ans Ende seines Lebens nicht, warum mit seinem Bekenntnis schlagartig alles das nur noch als wertlose Fälschung herabgewürdigt wurde, was wenige Minuten zuvor als großartige, ja einmalige Leistung gerühmt worden war.

14. Führung von Dr. S., die unerkannt bleiben will,

durch ein NRW-Museum, das nicht identifiziert werden darf – vorgeführt wird das Oeuvre des Künstlers K., der in den 50er Jahren ein hochgehandelter Vertreter des Informel gewesen ist, dann aber in den 60er und 70er Jahren von der vorherrschenden Pop und Concept Art verführt wurde, seinen Stil zu ändern, weil ihm seine Sammler immer wieder zu verstehen gegeben hätten, ihm falle wohl nichts Neues ein, er habe offensichtlich nicht die Kraft zur Entfaltung neuer zeitgemäßer Werkideen – als sich Meister K. nach dieser Kritik richtete und zeitgemäße Bildformen der 60er und 70er Jahre aufnahm, bekam er zu hören, daß er nicht mehr der alte sei. Seine Werke aus den 50er Jahren hätten wirkliche Leistungen geboten. Jetzt sei er nur noch einer unter denen, die ferner liefen. Damit habe er dem Wert auch seiner frühen Bilder geschadet, weshalb die Sammler ihn mieden – daraufhin begann K., den Markt mit Bildern des geschätzten 50er Jahre-Stils zu versorgen – ohne Erfolg, denn seine Sammler vermuteten, er hätte mit diesen neuen Angeboten sein eigenes Werk gefälscht; die Gemälde sähen zwar genauso aus wie seine Arbeiten der 50er Jahre, stammten aber offensichtlich aus den späten 70er Jahren, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen des Meisters. Diese Werke seien zwar wahre K.’s, aber keine echten.

15. Seit 1981 ist Norbert Hähnel aus Berlin-Kreuzberg

mit der Punkband Die toten Hosen als wahrer Heino aufgetreten – 1985 lancierte er in West- und Osteuropa eine Tournee "Unter falscher Flagge" – während der Konzerte sang Hähnel im Playback Heino-Evergreens, klärte das Publikum über seine wirkliche Biographie auf und bezeichnete den echten Heino, Heinz-Georg Kramm, als vom Plattenkonzern EMI erfundenen Doppelgänger – Hähnel: "Ich bin der wahre Heino, denn ich habe zum Beispiel die echten Haare, der andere Heino trägt wahrscheinlich bloß ein Toupet, und er singt übrigens Lieder, die nicht von ihm stammen, wie Bergvagabunden, Blauer Enzian und andere Lieder aller Deutschen. Wie Heino, der mit der Perücke, sich das fremde Liedgut als seines aneignet, so eigne ich mir Heinos Erscheinungsbild als meines an. Der Heino mit den falschen Haaren ist zwar der echte, ich aber bin der wahre Heino." – im März 1986 entscheidet das Landgericht Düsseldorf, es ginge nicht um philosophischen Tiefgang und das aufklärerische Bemühen, Fälschungen durch Fälschungen zu entlarven, sondern um ein Markenzeichen, das sich der echte Heino erarbeitet habe und das die Grundlage seiner Existenz sichere. Der wahre Heino müsse für drei Wochen in Haft, wo er darüber nachdenken könne, daß Sonnenbrille und helle Perücke, die jeder tragen könne, alleine dem echten Heino vorbehalten blieben, wenn sie zum Markenzeichen und eben nicht zum Wesen des Künstlers Heino gehörten.

16. Hähnel vor Trompe l’oeil-Malerei ("Augentäuscherbilder")

– er erklärt, warum Täuschung die höchste Form der Erkenntnis darstelle: Zwar hätten die Maler des 17. Jahrhunderts ihre Wandstückchen so gemalt, als seien sie gar keine Gemälde, sondern tatsächliche Wände, aber ihren Massenerfolg beim aufstrebenden Bürgertum hätten die Bilder erreicht, weil sie dem Betrachter ermöglichten, sein Getäuschtwerden zu genießen. Der Wert der Gemälde sei umso höher, je raffinierter die Täuschung und je größer die Anforderung an den Betrachter sei, zwischen Illusion und Wirklichkeit der bloß mit Farben beschmierten Leinwand zu unterscheiden. Alle Kunst sei Kunst der Vortäuschung mit gestalterischen Tricks, die zum Beispiel eine zweidimensionale Fläche als dreidimensionalen Raum illusioniere. Das wahre Bild, das man sieht, entsteht im Kopf des Betrachters. Für diese seine Bilder sei der Betrachter selbst verantwortlich, nur er selber könne sich betrügen, wenn er den Unterschied zwischen einem bloßen Fetzen Leinwand und der Idee des Kunstwerks aus Bequemlichkeit oder Dummheit oder kommerziellem Interesse ignoriere. Die Fälscher seien nicht so ignorant, was wir ihnen heimzahlen, indem wir sie entlarven. Die Fälscher wüßten, daß Kunstwerke nur Illusionen seien, zu deren Genuß man sich verabrede. Sie vertrauten auf diese Verabredung, also auf unseren Kunstbegriff. Fälscher stützen also die Kunstwerke in ihrer Wirkung, indem sie uns zwingen, nicht nur die Werke anzuglotzen, sondern sie mit einer geistigen Leistung der Unterscheidung zwischen Illusion und Wirklichkeit, zwischen ideellem und materiellem Wert zu betrachten. Wer den Fälschern vorwirft, sie fälschten mit der materiellen Gestalt des Werkes auch seine ideelle, sollte aufhören, an der Kunst Interesse zu heucheln.

17. Sequenz aus Fake,

in der erzählt wird, Picasso seien drei verschiedene "Picassos" vorgeführt worden; jedes Mal habe er behauptet, das Bild sei nicht von ihm gemalt. Empört habe der Präsentator ausgerufen: "Aber Pablo, ich habe doch mit eigenen Augen gesehen, wie du dieses Werk gemalt hast." Darauf Picasso: "Ich kann mich ebenso gut fälschen, wie jeder andere mich fälschen kann."

18. Anfang der 50er Jahre erklärte de Chirico in Rom,

die ihm präsentierten de Chiricos seien alle falsch, und er beschriftete die Arbeiten nachträglich als Fälschungen; als man ihm die Echtheit der Werke nachweist, erklärt er, daß es wohl reihenweise gefälschte de Chiricos gebe, sonst bräuchte man ihm die Arbeiten zur Bestätigung ihrer Echtheit ja gar nicht vorzulegen. Nur er sei autorisiert, echte und unechte de Chiricos zu unterscheiden und erkläre eben die vorgelegten für nicht echt, weil ihm die tatsächlich echten nicht zur Beglaubigung vorgelegt würden.

19. Szene aus dem Amerikanischen Freund von Wim Wenders,

in der Nicholas Ray einen Monolog über die Wahrhaftigkeit seiner gefälschten Derwitts hält.

20. Nachgestellte Szene jener Begebenheit im Dahlemer Museum

(1987), als die Beschriftung des Rembrandtschen Meisterwerkes Der Mann mit dem Goldhelm ausgetauscht wird gegen die Mitteilung, es handele sich nurmehr um ein Werk aus dem Umkreis Rembrandts – der Kunsthistoriker Martin Warnke arrangiert die Szene, analysiert das Bild, erklärt seine Ikonographie – als Fachwissenschaftler, der selber lange an die Echtheit des "Mannes mit dem Goldhelm" geglaubt hat, versucht er nachzuvollziehen, warum die Fachkommission "Rembrandt" das Gemälde nun plötzlich aus dem Rembrandt-Oeuvre ausschließt – Warnkes Frage: Was hat sich am Werk und seiner Wirkung geändert durch die Aberkennung der Autorschaft Rembrandts? – Warnkes Fazit: Jeder Künstler wird im Hinblick auf das geschätzt und identifizierbar, was er nicht kann. Sein Handwerk, sein Stil werden durch die Begrenztheit seines Könnens bestimmt, denn wenn ihm keine Grenzen gesetzt wären und wenn er alles könnte, was Künstler überhaupt vemögen, dann wäre er eben nicht dieser eine besondere Künstler, sondern ein Alleskönner, eben ein – wenn auch unfreiwilliger – Fälscher aus der Unmöglichkeit, weil er nicht gezwungen ist, sich aus Beschränktheit festzulegen.