Talk. Show.

Die Kunst der Kommunikation in den 90er Jahren

Talk. Show. Die Kunst der Kommunikation in den 90er Jahren | Katalog zur Ausstellung im Von der Heydt-Museum, Wuppertal, 28.03.-24.05.1999; Haus der Kunst München, 8.10.1999 - 9.1.2000. Hrsg. von Susanne Meyer-Büser und Bernhart Schwenk. München u.a. Prestel, 1999.
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Buch zur Ausstellung Talk. Show. Die Kunst der Kommunikation in den 90er Jahren ; Von-der-Heydt-Museum Wuppertal, 28.3. - 24.5.1999 ; Haus der Kunst München, 8.10.1999 - 9.1.2000] / hrsg. von Susanne Meyer-Büser und Bernhart Schwenk. Mit Beitr. von Bazon Brock und Götz-Lothar Darsow. [Übers.: Antje Longhi]"

Von-der-Heydt-Museum <Wuppertal> : 28.3.-24.5.1999
Haus der Kunst <München> : 8.10.1999-9.1.2000

1.

Wie erklärt sich die unglaubliche Karriere des TV-Programmtypus Talkshow? Unter den vielen erörterten Begründungen ist eine ausgezeichnet, die der US-Österreicher Paul Watzlawick bereits in den 70er Jahren formulierte: "Man kann nicht nichtkommunizieren."

In den Talkshows erfährt jeder aktiv und passiv Teilnehmende, daß auch gekränktes oder bockiges oder vermeintlich überlegenes Verweigern von Aussagen als Kommunikation wahrgenommen wird; sogar das abrupte Verlassen der Talkshowszene wird als Aussage gewertet, als eine besonders eindeutige. Selbst das Abbrechen der Kommunikation mit anderen in einer bestimmten Situation ist also kommunikativ. Die Kommunikation zu verweigern, um nicht zu kommunizieren, ist unmöglich.

Die Talkshow, ob als Unterhaltungsprogramm oder als Diskussionsrunde unter Experten, ist demzufolge immer erfolgreich; sie kann als kommunikativer Akt nicht scheitern. Das wissen inzwischen alle; denn so gut wie alle beklagen, daß selbst Expertenrunden unbefriedigend sind, eigentlich zu nichts führen – auch wenn einige Teilnehmer den gegenteiligen Eindruck haben, so wird der von anderen eben nicht geteilt.

Und obwohl mehr oder weniger alle schon dutzende Male den unbefriedigenden Verlauf von Talkshows beklagten, nehmen sie doch wieder die nächste wahr, um sie hinterher als ebenso ergebnislos und unverbindlich abzutun wie alle anderen.

Gerade in dieser Verlaufsform zeigt sich das Wesen der Kommunikation deutlicher als bei Partei- oder Kirchenveranstaltungen, bei denen die programmatische Übereinstimmung Harmonie und Konsens, jedenfalls zeitweise, vorzuspiegeln vermag. Aber ebenso regelmäßig folgt den Erlebnissen der harmonischen Übereinstimmung das Gefühl der Langeweile oder Ereignislosigkeit und damit die Kritik, daß gegenläufige Ansichten nicht zu Wort gekommen seien, daß man Auseinandersetzungen umgangen habe. Denn wirklich kommunikativ sei nicht die Gleichschaltung von Meinungen und Haltungen, sondern der Konflikt.

Die Karriere der Talkshows als auch quantitativ erstrangiges TV-Format erklärt sich also aus ihrem stets garantierten Erfolg, wie immer sie auch verlaufen mag.