Talk. Show.

Die Kunst der Kommunikation in den 90er Jahren

Talk. Show. Die Kunst der Kommunikation in den 90er Jahren | Katalog zur Ausstellung im Von der Heydt-Museum, Wuppertal, 28.03.-24.05.1999; Haus der Kunst München, 8.10.1999 - 9.1.2000. Hrsg. von Susanne Meyer-Büser und Bernhart Schwenk. München u.a. Prestel, 1999.
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Buch zur Ausstellung Talk. Show. Die Kunst der Kommunikation in den 90er Jahren ; Von-der-Heydt-Museum Wuppertal, 28.3. - 24.5.1999 ; Haus der Kunst München, 8.10.1999 - 9.1.2000] / hrsg. von Susanne Meyer-Büser und Bernhart Schwenk. Mit Beitr. von Bazon Brock und Götz-Lothar Darsow. [Übers.: Antje Longhi]"

Von-der-Heydt-Museum <Wuppertal> : 28.3.-24.5.1999
Haus der Kunst <München> : 8.10.1999-9.1.2000

2.

Einwände gegen diese Erklärung stützen sich auf die Behauptung, die kommunikative Beziehung zwischen den Menschen sei danach zu gewichten und zu bewerten, wie weitgehend die Beteiligten sich und die Welt zu verstehen vermögen. Diese Auffassung belegt man mit der umgangssprachlichen Rückfrage: "Haben Sie das verstanden? – Ist das verständlich?".

Aber selbst wenn man das bejaht, meint man nicht viel mehr, als daß einem das Gesagte momentan einleuchtet. Wenig später, nach einer Bedenkzeit, wenn man darüber noch einmal geschlafen hat, kommen einem dann doch wieder Zweifel. Was eben noch so klar erschien, erscheint nun wieder problematisch oder verwirrend durch Konsequenzen, die man im Augenblick nicht sah. Auch macht jeder die Erfahrung, daß ihm in bestimmten Situationen und Lebensabschnitten etwas als selbstverständlich einleuchtete, was ihm in anderen Zusammenhängen, nur wenig später, kaum noch vertretbar erscheint.

Etwas zu verstehen, garantiert also keinesfalls gleichbleibende Orientierung auf Wahrheiten oder Sachzwänge oder Gesetzmäßigkeiten. "Was schert mich mein Verständnis von gestern", antwortete Adenauer auf Vorhaltungen, daß das, was man einmal als begründet oder wahr verstanden habe, auch weiterhin gelten müsse. Adenauer, wie jedem Lebenserfahrenen, war klar, daß es im eigentlichen Sinne nicht darauf ankommt, die Menschen in ihrer Welt zu verstehen, sondern mit ihnen zu kommunizieren.

Wenn es uns zum Beispiel nur erlaubt sein sollte, in der dunklen Wohnung das elektrische Licht einzuschalten, nachdem wir verstanden hätten, was Elektrizität ist, säßen wir wohl lange im Dunklen und zwar umso länger, je mehr Physikerexperten zu Rate gezogen würden, weil Experten sich dadurch auszeichnen, vermeintlich einleuchtendes Verstehen immer erneut zu problematisieren.

Durch die Entwicklung des Beziehungstypus Kommunikation ermöglichte uns die Natur, in der Welt bestens überleben zu können, ohne sie verstehen zu müssen. Talkshows demonstrieren also die Funktionstüchtigkeit von Kommunikation ohne Verstehen. Wer dafür kein Verständnis aufbringt, erlebt sie als leerlaufendes Ritual ohne Resultat.