Die Kunst zu werben.

Das Jahrhundert der Reklame.

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Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Münchner Stadtmuseum : 15.3.-30.6.1996, München
Altonaer Museum : 18.9.1996-12.1.1997, Hamburg

1. Nogger Dir einen

Warum brachen die Mauern? Welche weltumstürzende Kraft beherrschte die Vorstellung von Abermillionen Menschen derart, daß sie nicht mehr zu bändigen waren von etablierter Staatsmacht hinter ideologischen Sichtblenden? Diese Bewegung ganzer Volkskörper als Ausdruck schrankensprengenden Freiheitswillens verstehen zu wollen, mag ehrenwert sein, aber nur halbwegs zutreffend, wenn man angibt, welche Freiheit gemeint war und woher die Menschen jene Freiheitsvorstellung bezogen, der sie bedenkenlos zu folgen bereit schienen. Die Antwort gaben die Sehnsuchtsbewegten selbst: Sie wollten sich einen noggern.

Seit die alle erdgebundenen Grenzen überspringende Technologie der Telekommunikation das Werbeangebot des Westens verbreitete, jedermann sei herzlich eingeladen, nach eigenen Wünschen in die Regale der Supermärkte zu greifen, sich von freundlichen Bankbeamten mit hinreichendem Kapital ausstatten zu lassen und sich im Paradies der arbeitslos Versorgten freizügig zu bewegen, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Gelegenheit ergeben würde, der Einladung ins Reich der Konsumfreiheit zu folgen.

Kommen das Geld und die Waren nicht zu uns, dann kommen wir eben zu ihnen, konstatierten die Mauerspringer lapidar. Und hatten sie nicht recht?

Ist in der westlichen Darstellung des gesellschaftlichen Selbstbewußtseins durch die Werbung je etwas davon zu lesen, zu hören oder zu sehen gewesen, daß es Bedingungen für den freien Konsum von Waren und Dienstleistungen gibt? Zwar trugen die beworbenen Waren kleine Ohrenmarken ihres Preises, aber was heißt das schon, wenn der Eindruck erweckt wird, das Geld käme von der Bank oder vom Staat wie der Strom aus der Steckdose?