Lock-Buch Bazon Brock, gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken

Lock-Buch Bazon Brock, gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken | Titelseite. Gestaltung: Gertrud Nolte. Lock-Buch Bazon Brock, gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken | Gestaltung: Gertrud Nolte. Lock-Buch Bazon Brock, gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken | Gestaltung: Gertrud Nolte. Lock-Buch Bazon Brock, gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken | Gestaltung: Gertrud Nolte.
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Baustelle. Den Plan des Baus, der nie fertig wird, nennt man Biographie. Inzwischen ist jedermann biographiepflichtig – Selbst bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz hat man vorzulegen, auf welchen Plan des Lebens man sich verpflichtet. Man entwickelt seine Biographie mit Blick auf die Zukunft, auf die Erwartungen hin, die man bei anderen zu wecken versucht. Man nährt diese Erwartungen aufs Kommende durch Hinweise aufs Gewesene, auf die eigenen Werke und Tage.

Aus dem Logbuch wird so ein „Lockbuch“.

Das LOCKBUCH BAZON BROCK schließt einen Lese-Zirkel zwischen Brocks Arbeit als auffälliger Zeitgenosse, als Akteur der Kulturszene seit Ende der 5oer Jahre und den Fragen, die er provoziert. Wie er wurde, was er ist: weder Wissenschaftler noch Künstler, weder Lehrer noch Lenker - eben ein typischer Navigator zwischen schöpferischer Kulturbarbarei und der Ästhetik des Unterlassens.

Lock Buch Bazon Brock.

Präsentiert in Bilderbögen und Textpfeilen
von Helmut Bien, Gertrud Nolte, Anna Steins und Fabian Steinhauer

Spuren legen

Alle uns vertrauten Kulturtechniken dienen vorrangig diesem Ziel. Sie sollen es ermöglichen, die Welt zu begreifen. Die Katakombenbürger von Palermo geben uns Zeugnis, daß nicht nur in „exotischen“ Kulturen (etwa den altägyptischen oder den präkolumbianischen), sondern in der unsrigen sowohl radikale Materialisten wie gläubige Christen bereit waren, die zentralen Intentionen jeder Kultur leibhaftig zu repräsentieren: nämlich das Ziel, das Dasein auf Dauer zu stellen.

Aus: Bildende Wissenschaft. Das Glück der Dauer. Im Ausstellungskatalog: Körperwelten. Die Faszination des Echten. Heidelberg 1999. 

Verständigung als Sonderfall

Verständigung ist nur möglich aufgrund der Nicht-Identität von Gedanke und sprachlichem Ausdruck, Verstehen ist nur durch produktives Missverstehen erreichbar.

Aus: Selbstverwirklichung als Ideal von Vollidioten. In: Die Re-Dekade. Kunst und Kultur der 80er Jahre. München 1990.

Jeder Museumsbesucher hat Künstlerarbeiten vor Augen, die offensichtlich unfertig sind und dennoch als vollkommene Werke geschätzt werden. Abbrechen, verwerfen, aufhören, beenden ohne das Ziel erreicht zu haben, ja scheitern und misslingen müssen also nicht zwangsläufig dem Eindruck der „Vollkommenheit“ entgegenstehen: Das vermeintlich Vollkommene schränkt die Phantasie des Betrachters ein. Es fehlt der Anreiz, die eigene Vorstellungskraft zu aktivieren. Der Triumph im Misslingen oder das Scheitern als Form der Vollendung konnte zum Inbegriff künstlerischer Größe werden. Aber nicht alles Unfertige ist auch „unvollendet“, und nicht jedes Scheitern gelingt.

Aus dem Ausstellungskatalog: Die Macht des Alters. Köln 1998.