Gesellschaft des Glücks der Verfehlung

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Inszenierung eines Gastmahles im Geiste von Philemon und Baucis mit Bazon Brock, Volker Demuth, Iso Maeder, Robert Pfaller.

Im Güterbahnhof, Tor 4, Zürich.

Gründungsakte der Gesellschaft des Glücks der Verfehlung

— Art. 1 —
Die GGV will bruit Secret sein.

— Art. 2 —
Die GGV versammelt Vertreter des Versuchs und des Rumors. Sie bildet eine heuristische Fachgruppe von Versuchern.

— Art. 3 —
Die GGV formiert durch ihre Mitglieder einen Anspruch in der theoretischen Praxis, das Problematische irregulär zu bestimmen.

— Art. 4 —
In diesem Sinn verzichtet die GGV auf das Interesse und anerkennt den Gegenstand wie ein ansonsten grundloses Vorkommnis im Gestus einer Versuchung.

— Art. 5 —
Dem kapitalen Spektakel der Limitationen und seiner zensorischen Ökonomik wird stattgegeben, jedoch keine Sprache mehr.

— Art. 6 —
Das Denken glückhafter verfehlung verhält sich als Abkömmling einer Verführung. Es findet mit dem Vorspiel statt, das in ihm sein Nachspiel besitzt, welches seinerseits den Vorfall in den Vorspielen liefert. Verführtes Denken agiert kybernetisch und ist insofern glückliches Denken.

— Art. 7 —
Die GGV neigt gemeinsam mit der westlichen Tradition seit Augustinus der Auffassung zu, jedes Glück sei ein Aufwiegen der fundamentalen Korruption lebender Wesen. Nur was sich als verfehltes, nicht vollkommenes Wesen korrumpiert weiss, strebt nach Glück. Die Korruption selbst darf sich dabei als Einziges nicht korrumpieren lassen.

— Art. 8 —
Die GGV will keine kritische Alternative darstellen. Reibungen entstehen weniger aufgrund äusserer Faktoren denn als Artikulation intensiver vorgänge. Es geht um die offene Produktion bildbegrifflicher Spiel- und Schwellenräume.

— Art. 9 —
Die GGV verwahrt sich gegen jegliche, und insbesondere privatheitlichen Formate von Identifiktion. Affirmation ist unabwendbar. Als akute Möglichkeit bleibt das Glück der Verfehlung.

Bazon Brock, Volker Demuth, Jso Maeder und Robert Pfaller
am 8. März 2008 in Zürich