Künstler als Gotteseiferer

Kunstreligion versus Kunsttheologie. Disput zwischen Friedrich Wilhelm Graf und Bazon Brock im Haus der Kunst, 24.06.2007

Künstler als Gotteseiferer
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Der griechische Künstler Jannis Kounellis hat dies auf den Punkt gebracht, indem er sagte „dass die Fähigkeit, eine Erscheinung des Göttlichen herbeizurufen, ohne Sentimentalität, nämlich eines Sekular-Göttlichen, das in die Geschichte eingebettet ist, vorzüglich zum Beruf des Künstlers gehört.“ Heute beschäftigen das Leiden und die Auferstehung Christi wieder viele bekannte bildende Künstler. Sie setzen sich mit der Frage auseinander, welche Eingriffe sie in einen Gebetsraum vornehmen können, oder was für Aussagen sie über die religiöse Welt und ihre Symbole machen können. Unter diesen Künstlern finden wir Gerhard Richter, Damien Hirst und auch Maurizio Cattelan. Sind sie wie damals Fra Angelico oder Dürer nicht auch Divini Artisti, göttliche Künstler? Doch suchen sie Inspiration bei Gott oder wollen sie mit Gott konkurrieren? Die junge deutsche Künstlerin Daniela Leiter, selber in ein Kloster eingetreten fügt dem noch einen weiteren Aspekt hinzu, indem sie fragt: “Ist ein Kunstwerk religiös, wenn der Künstler religiöse Intentionen hat?“ Wo sich allerdings religiöse Intentionen zu erkennen geben, führt dies in vielen Fällen zu kritischen Kommentaren. Umgekehrt spricht man jedoch auch oft von verletzenden, ja sogar von anti-christlichen Kunstwerken.

Der Boom an religiösen Kunstwerken wird untrennbar mit Geboten und Verboten aus Geschichte und Gegenwart außerhalb und innerhalb religiöser Institutionen verbunden. Vielleicht können wir uns prinzipiell auf Folgendes einigen: Wenn wir heute rechtmäßig von einem Boom religiöser Abbildungen sprechen, beziehen wir uns auf eine Vielzahl von verschiedenen Bildäußerungen. Es geht nämlich an erster Stelle nicht um eine Glaubensüberzeugung, sondern um Kulturgüter, die sich immer wieder anders zeigen, und die immer wieder anders gesehen und verstanden werden. Das schließt die religiöse Erfahrung nicht aus. Im Gegenteil. Sie macht diese Bilder stärker. Aber die religiöse Erfahrung gehört dem Feld des Betrachters, nicht dem Feld der Darstellung an.

Chris Dercon 2008

Disput zwischen Friedrich Wilhelm Graf und Bazon Brock