Ein Lesebuch zur Architektur von Schweger + Partner.

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Die hier vorgelegte Dokumentation einer über mehr als 25 Jahre andauernden Beschäftigung mit den Problemen und Aufgaben der Architektur ist ein Anlaß, auch die verbindenden Gedanken zu suchen, welche die in dieser Zeit entstandenen Entwürfe, Projekte und Bauten bestimmen.

Inhalt: Peter M. Bode /P. Nestler, Aus Addition geschaffene Vielfalt; Bazon Brock, Felder und Räume; Ingeborg Flagge, Erfolgreich, geachtet, konsequent, vielseitig; Christoph Hackelsberg, Die gefundene Mitte. - Wolfsburg und sein Kunstmuseum; Carl Haenlein. Ort der Kunst; Carl Haenlein, Architektur, Seismizität und ein Engel; Peter Iden, Imponierender Schauplatz aller Gattungen; Paulgerd Jesberg, Über Architektur »Für sich selbst" und »Für uns«; Gert Kähler, Konstante Qualität; Gert Kähler, Delikates Gleichgewicht; Heinrich Klotz, Unorthodoxe Leistungen; Manfred Sack, Bauen mit Licht - Ein Bürohaus und ein Rathaus; Manfred Sack, Stadtraum bildende Figuren; Mathias Schreiber, Der Verwalter in der Rotunde; Peter P. Schweger, Fortlaufendes Lernen; Peter F. Schweger, Städtische Dichte: Architektonische Utopien in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Felder und Räume.

Der Schiffgrabenbau von Schweger + Partner.

Was eine lebendige und wirkungsvolle Architektur auszeichnet, ist ihre ästhetische Qualität. Diese Qualität besteht als ein spannungsreiches und vieldeutiges Verhältnis zwischen der Architektur als Vorstellung und der Architektur als realer Raumerfahrung. Die Architektur als Vorstellung haben Schweger+Partner als konstruktivistische Komposition in einem zweidimensionalen Bild entwickelt. Diese Komposition wurde dann in einen Grundriß des zu realisierenden Baues übersetzt. Eine produktive, ja schöpferische Übersetzung ist aber niemals eine formale 1:1-Übertragung. Um die Qualität des Baues tatsächlich erfahren zu können, sollte der Nutzer und Bewohner an jedem Ort im Bau das Bild der komponierten Formideen als eigene Vorstellung abrufen können, um so die ästhetische Spannung zwischen abstraktem Bild und konkretem Raum zu erleben. Der Grundriß orientiert den Betrachter auf den realen Bau; die konstruktivistische Bildkomposition orientiert den Betrachter auf die Vorstellung eines dynamischen Gefüges geometrischer Grundformen, also auf Formideen.

Einer grandiosen Manifestation solcher ästhetischen Qualität der Architektur von Schweger+Partner begegnet der Betrachter und Nutzer des Baus in der 96 m langen inneren Fassade durch Ulrich Erben. Einerseits kennzeichnet Erben diese den gesamten Komplex durchziehende Wand als eine abstrakte Komposition von Farbfeldern, andererseits konkretisiert er sie zu Vorstellungen oder Erinnerungen, die der Bedeutung nach Pfeilerhalle und Triumphbogen, Bühnenvorhang und szenische Kulisse, Regenbogen und "geputzte Flur" (Osterspaziergang: "Aber die Sonne duldet kein Weißes, überall regt sich Bildung und Streben, alles will sie mit Farbe beleben.") sein können. Erben fordert vom Betrachter und Nutzer, vor der farbigen Fassade solche Assoziationen zu leisten. Das fällt vielen Menschen schwer, weil die Wandgestaltung keinerlei Anhaltspunkte etwa als Illustration von Erinnerungen offeriert.