Summa summarum: Sammeln heute

Summa summarum: Sammeln heute, 2002 | Titelblatt
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Haring: Hieroglyphen der 80er

Nicht allen modernen Künstlern kam es auf die Anbetung der von ihnen beschmierten Leinwände an - auch ein Rembrandtgemälde ist nichts weiter als Dreck auf Leinwand -, es kam ihnen nicht auf den Tempeldienst für Theisten, sondern auf den Aufbau von Kommunikation an. Einer dieser Künstler der Neuzeit, inzwischen von dem Nimbus "Star der 80er Jahre" umgeben, war Keith Haring. Ihn interessierte es, eine Bildsprache bzw. Bildschrift zu entwickeln und durchzusetzen, mit der er kommunizierte, und zwar nicht nur auf einigen wenigen Original-Gemälden, sondern auf Objekten, die alle Menschen verwenden: Buttons, Hemden, Jojos, Uhren, Mützen usw. So brachte er es fertig, in zehn Jahren seine persönlich von ihm formulierte Ikonographie weltweit bekannt zu machen. Seine neuerfundene Zeichensprache ist so differenziert wie die der Ägypter, was man spätestens dann feststellt, wenn man seine Bilder in kleine Sarkophage oder Mumienpüppchen verwandelt: man wird erkennen, daß ein einzelner Mensch im 20. Jahrhundert in der Lage war, eine Bildschrift zu ersinnen, die nicht nur Aufmerksamkeit erregte, sondern Themen der zwischenmenschlichen Kommunikation behandelte, die in konventionellen Begriffen und Bildern nicht mehr transportierbar sind.

Keith Haring hat jede seiner Ausstellungen als eine Art Museumsshop aufgezogen und diesen Begriff auch konsequent verwendet.