Musealisierung als Zivilisationsstrategie

Arbeitsheft zum Symposium „Musealisierung als Zivilisationsstrategie“, das am 24. November 2009 stattfand.

Musealisierung als Zivilisationsstrategie | Titelseite. Gestaltung: Gertrud Nolte Musealisierung als Zivilisationsstrategie | Arbeitsheft, S. 1 Musealisierung als Zivilisationsstrategie | Arbeitsheft, S. 2 Musealisierung als Zivilisationsstrategie | Arbeitsheft, S. 3 Musealisierung als Zivilisationsstrategie | Arbeitsheft, S. 4 Musealisierung als Zivilisationsstrategie | Arbeitsheft, S. 5 (Inhaltsverzeichnis 1/2) Musealisierung als Zivilisationsstrategie | Arbeitsheft, S. 6 (Inhaltsverzeichnis 1/2)
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Was ist ein Produzent ohne den urteilsfähigen Konsumenten, was vermag der Arzt ohne einen therapietreuen Patienten, was der Künstlerohne einen verständnisfähigen Betracter und Zuhörer, was richtet der Politiker aus ohne einen kritikfähigen Wähler, was nutzt die Predigt, wenn sie nur auf tumbe-taube Ohren stößt?

Durch Wissen klagend - 

durch Klagen leidend - 

durch Leiden wissend

Agnosce, dole, emenda

Seite im Original: 90

Bazon Brock: Konzept Tintenfaßwurf

Experimentelle Geschichtsschreibung

Man hört, daß puristische Entmythologisierer des Denkmalschutzes beschlossen hätten, im Lutherzimmer auf der Wartburg nicht mehr jene Zeichen an der Wand zu restaurieren, die herkömmlich als Verweis auf Luthers Abwehr der Versuchungen teuflischen Opportunismus und höllischer Verzweiflung durch einen Wurf mit dem Tintenfaß gedeutet wurden.

Wir wollen den Einwänden der Denkmalpfleger gegen die volkstümliche Legendenbildung durchaus Rechnung tragen, indem wir an Ort und Stelle die Kritik durch historische Wahrheit mit dem populären Evidenzerleben in einer künstlerischen Aktion auf höherem Niveau versöhnen.

Wir bitten um die Möglichkeit, im Lutherzimmer unter Wahrung aller konservatorischen Sicherheitsstandards, den hypothetischen Tintenfaßwurf Luthers experimentell in verschiedensten Varianten nachzuvollziehen und dem Publikum das Resultat des Experiments in jeweiligen Unikaten im Museumsshop anzubieten. Das Ganze würde ein Paradebeispiel für die wissenschaftliche Kritik am naiv-populären Evidenzerleben durch die künstlerische Kraft zur Evidenzerzeugung bieten.

Ästhetik-Professor Bazon Brock vertritt dabei die wissenschaftliche Evidenzkritik, der Maler Moritz Götze die künstlerische Methode, Evidenz nach Evidenzkritik zu erzeugen.