Bazon Brock zelebriert seinen 75. Geburtstag in Venedig

75. Geburtstag | Foto: Stefan M. Seydel

Marina Sawall

Marina Sawall stellt in ihrem Beitrag einen Absatz aus Bazon Brocks Artikel "Nehmen Sie einmal mich. Das Leben als Theater" aus der THEATER HEUTE, Nr. 3/1965 vor und fragt, ob hierin eine ironische Überwindung der Adornoschen Kulturkritik zu beobachten ist oder vielmehr eine fröhliche Utopie à la Nietzsche vorgelebt wird - Brocks Antwort: eine Mischung aus Beidem! Romantische Ironie und Utopie als Mittel der Kritik.

Hier der verlesene Ausschnitt aus dem Text:

"Das bin ich, erfolgreich, gutangezogen und wohl anzuschaun. Ich, Bazon, der Schwätzer, Brock, der Mann mit dem Agit Pop unterm Arm, immer. Mir wird es nie zuviel. Ich kann mich nicht beruhigen, Monica VITTI mit mir eine Hoteltreppe hinabschreiten zu sehen, weil ich berühmt bin und immer wieder berühmt die Hoteltreppen hinabschreite, um den guten Menschenkindern zuzuwinken. Während beständig die Sonne scheint, ich nie die Grippe bekomme und viel, viel reise.

Denn die Kunst hat sich verweltlicht, Gott sei gedankt. Der dunkle Budenzauber, durch den Künstler nur zu geneigt sind, ihre Werke den himmlischen Launen zuzuschieben, ist abgetan. Die Qual des Kampfes ist vorbei, aus den versteinerten Formen der Gesellschaft sich zu befreien. Die Decke der Innerlichkeit, die sich für die schlechten Lamentierer über alles breitet, haben wir durchstoßen. Wir brauchen uns nicht mehr im Unsinnigsten noch häuslich einzurichten à la Leben mit der Bombe. Ich versteh immer nur Glück, Leichtigkeit, Essen, Trinken und in der Sonne sitzen. Halleluja, wir sind zurückgekehrt aus der Kunst ins gesellschaftliche Dasein. Alle Entfremdung ist positiv aufgehoben, und so ist alle ökonomische Tätigkeit in ästhetische verwandelt, deren höchste Schaffensbasis die Industrie ist."