Die Welt zu Deinen Füßen

Den Boden im Blick: Naturwerk - Kunstwerk - Vorwerk

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Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Den Boden im Blick
Warum küßt der Papst den Boden?
Warum werden rote Teppiche ausgerollt und Blumen gestreut? Wurden Sie auch schon mal ermahnt, hübsch auf dem Teppich zu bleiben oder hat man Ihnen bereits die Welt zu Füßen gelegt.

Offensichtlich hatte der Boden, auf dem wir stehen, immer schon eine elementare kulturelle Bedeutung. In Antike und Mittelalter bildete man kosmische Ordnungsvorstellungen, Weltmodelle und die Ornamente der Schöpfung auf dem Boden ab. Die Aufmerksamkeit für den Boden schwand gerade dadurch, daß man ihn in den modernen Zivilisationen von Unrat und Unebenheiten befreite, ihn betonierte und aphaltierte. Die zivilisatorische Uniformierung unserer Böden hat inzwischen eine Gegenbewegung hervorgerufen.
In Architektur und Design richtet sich heute der Blick wieder auf den Boden.

Zu den Trendsettern in diesem Bereich gehört der Teppichbodenhersteller Vorwerk, der mit Künstlern wie Robert Wilson, Rosemarie Trockel und Jeff Koons völlig neue Wege in der Bodengestaltung beschreitet.

Der bekannte Alltagsästhetiker Bazon Brock nimmt in zwölf Kapiteln je einen Entwurf aus Vorwerks Flower Edition zum Anlaß, um an Beispielen aus der Kunstgeschichte, der Architektur und Kultivierung der Natur die Welt zu unseren Füßen zu thematisieren.

Seite im Original: 41

Historische Gezeiten

Altdorfer malte seine „Alexanderschlacht“ mit der Absicht, möglichst deutlich auf die weltpolitischen Ereignisse seiner Zeit einzuwirken. Diese wurden geprägt durch die Auseinandersetzung zwischen Karl V. und Franz I. von Frankreich. In der größten Schlacht des 16. Jahrhunderts siegte der Kaiser 1525 bei Pavia über seinen Gegner. Dennoch baut Franz eine erneute Allianz mit dem Papst und den Norditalienern gegen den Kaiser auf. Daraufhin verfolgt Karl V. die Politik der „verbrannten Erde“: Er verwüstet die Länder seiner Feinde und läßt 1527 seine Truppen Rom, das Zentrum der Christenheit, plündern. Der Schock darüber war so groß, weil sich die Christenheit damals auch der mächtigen Expansion der muslimischen Türken zu stellen hatte. Statt der Türken hatte der allerchristlichste Kaiser nun selbst bedenkenlos das befürchtete Werk der „Heiden“ getan. Gegen diese Selbstvernichtung der Christenheit, verstärkt durch die Auswirkungen von Luthers Reformation und die Bauernkriege, malte Altdorfer sein Programmbild. Es ist als Weltbild im wörtlichen Sinne konzipiert. Das Weltenpanorama umfaßt alle Formationen der Erde und der kosmischen Ordnung: Die linke Bildhälfte steht unter der Herrschaft des zunehmenden Mondes — ein Verweis auf die islamische Welt —, die rechte Bildhälfte kennzeichnet ein dramatischer Sonnenuntergang im Westen. Gegen diese auffällige Bewertung der Situation nach 1527 setzte Altdorfer die Schilderung des Sieges Alexanders des Großen vor den Toren der Stadt Issos, bei der Darius sein Heerlager aufgeschlagen hatte. Altdorfer übertrug die Schlacht von Issos in seine Gegenwart, die Truppen Alexanders steckte er in Landsknechtskostüme und in Ritterrüstungen, die Truppen des Darius werden durch Turban und Mameluckengewand markiert. Aus der einerseits vorgeführten Vogelperspektive verwandelt sich das Geschehen auf Erden in ein Gewimmel, wie wir es mit Blick auf den von Kleintieren übersäten Boden empfinden; andererseits wird durch die miniaturistische Präzision der Nahblick wie durch ein Vergrößerungsglas möglich.

Abbildung:
S. 40: Alexanderschlacht, Albrecht Altdorfer, 1528/29.
1529 soll der Regensburger Stadtbaumeister und Ratsherr die größte Auszeichnung erhalten: Albrecht Altdorfer soll zum Bürgermeister der mächtigen Reichsstadt gewählt werden, in der er 1480 geboren worden war. Altdorfer schlägt die Würde aus, um im Auftrag Herzog Wilhelms IV von Bayern für dessen Münchener Residenz ein historisches Ereignisbild zu malen, das die außerordentlich gefährliche politische und militärische Situation in weltgeschichtliche Perspektiven zu stellen hatte. Er malte die Schlacht Alexanders des Großen gegen den Perserkönig Darius, die den historischen Quellen gemäß 333 v Chr. bei Issos stattfand. Erstes historisches Beispiel der Vereinigung von Darstellung aus der Fernsicht der Vogelperspektive mit der Detail-Konzentration von Buchmalerei.