Die Welt zu Deinen Füßen

Den Boden im Blick: Naturwerk - Kunstwerk - Vorwerk

Die Welt zu Deinen Füßen | Titelseite Die Welt zu Deinen Füßen | Inndenseite Die Welt zu Deinen Füßen Die Welt zu Deinen Füßen Die Welt zu Deinen Füßen Die Welt zu Deinen Füßen Die Welt zu Deinen Füßen
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Den Boden im Blick
Warum küßt der Papst den Boden?
Warum werden rote Teppiche ausgerollt und Blumen gestreut? Wurden Sie auch schon mal ermahnt, hübsch auf dem Teppich zu bleiben oder hat man Ihnen bereits die Welt zu Füßen gelegt.

Offensichtlich hatte der Boden, auf dem wir stehen, immer schon eine elementare kulturelle Bedeutung. In Antike und Mittelalter bildete man kosmische Ordnungsvorstellungen, Weltmodelle und die Ornamente der Schöpfung auf dem Boden ab. Die Aufmerksamkeit für den Boden schwand gerade dadurch, daß man ihn in den modernen Zivilisationen von Unrat und Unebenheiten befreite, ihn betonierte und aphaltierte. Die zivilisatorische Uniformierung unserer Böden hat inzwischen eine Gegenbewegung hervorgerufen.
In Architektur und Design richtet sich heute der Blick wieder auf den Boden.

Zu den Trendsettern in diesem Bereich gehört der Teppichbodenhersteller Vorwerk, der mit Künstlern wie Robert Wilson, Rosemarie Trockel und Jeff Koons völlig neue Wege in der Bodengestaltung beschreitet.

Der bekannte Alltagsästhetiker Bazon Brock nimmt in zwölf Kapiteln je einen Entwurf aus Vorwerks Flower Edition zum Anlaß, um an Beispielen aus der Kunstgeschichte, der Architektur und Kultivierung der Natur die Welt zu unseren Füßen zu thematisieren.

Seite im Original: 112

[Das weltschaffende Quadrat]

Je mehr Kulturen das römische Imperium einbezog, desto wichtiger wurde es, diese Vielheit auch in einem Modell der Einheit zu repräsentieren. Der Fußboden des Pantheons reflektiert die Kugelgestalt des Baus, die lichte kreisförmige Öffnung der Kuppel und ihre quadratischen Kassetten. Die Quadrate umschließen die Kreise, un der insgesamt kreisförmige Fußboden umfaßt alle Quadrate – Hinweis auf die vier Weltgegenden, die vier Wände und Himmelsrichtungen der einen Welt. Durch die Zeiten wurden Kreis und Quadrat, Kugel und Kubus als mikrosmisches Modell verwendet, z.B. als „Denkmal des guten Glücks“ im Garten von J.W. Goethes Sommerhaus. 
„Ich singe das gottschaffende Quadrat, hervorschreitend aus der Einheit, hervor den Seiten her,
Hervor aus dem Alten und Neuen, aus dem Quadrat, dem durchaus göttlichen,
Dem festen, vierseitigen ...
Von dieser Seite Jehova bin ich,
Der alte Brahman ich und ich Saturn;
Zeit kann mir nichts anhaben, – ich bin die Zeit, alt oder neu, ...“
(Whitman, Walt; aus: Ich singe das gottschaffende Quadrat, 1868.)

Abbildungen:
S. 112: Marmorintarsien auf dem Fußboden des Pantheon, Rom, um 130 n. Chr.
S. 113: Teppichdesign Gottfried Böhm.
Kugel und Kubus repräsentieren als geometrische Grundformen das große ganze (griech. „pan“) Weltgebäude, das von göttlichen Kräften durchwirkt ist. Ihnen allen – den bereits bekannten und den noch unbekannten – war das „Pantheon“ gewidmet. Im Barock wurden die Grundformen dynamisiert. Diese Bewegtheit spiegelt Gottfried Böhm im Teppichdesign.

S. 114: Mosaikfußboden Dom zu Siena, von 1400-1550.
Fortlaufend angelegt. Schemazeichnung von G. Paciarelli, 1884.