Die Welt zu Deinen Füßen

Den Boden im Blick: Naturwerk - Kunstwerk - Vorwerk

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Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Den Boden im Blick
Warum küßt der Papst den Boden?
Warum werden rote Teppiche ausgerollt und Blumen gestreut? Wurden Sie auch schon mal ermahnt, hübsch auf dem Teppich zu bleiben oder hat man Ihnen bereits die Welt zu Füßen gelegt.

Offensichtlich hatte der Boden, auf dem wir stehen, immer schon eine elementare kulturelle Bedeutung. In Antike und Mittelalter bildete man kosmische Ordnungsvorstellungen, Weltmodelle und die Ornamente der Schöpfung auf dem Boden ab. Die Aufmerksamkeit für den Boden schwand gerade dadurch, daß man ihn in den modernen Zivilisationen von Unrat und Unebenheiten befreite, ihn betonierte und aphaltierte. Die zivilisatorische Uniformierung unserer Böden hat inzwischen eine Gegenbewegung hervorgerufen.
In Architektur und Design richtet sich heute der Blick wieder auf den Boden.

Zu den Trendsettern in diesem Bereich gehört der Teppichbodenhersteller Vorwerk, der mit Künstlern wie Robert Wilson, Rosemarie Trockel und Jeff Koons völlig neue Wege in der Bodengestaltung beschreitet.

Der bekannte Alltagsästhetiker Bazon Brock nimmt in zwölf Kapiteln je einen Entwurf aus Vorwerks Flower Edition zum Anlaß, um an Beispielen aus der Kunstgeschichte, der Architektur und Kultivierung der Natur die Welt zu unseren Füßen zu thematisieren.

Seite im Original: 136

Drei Bodenkontakte der venusischen Frau

Abbildungen:

S.136: Fotografie 'Scarlett' (Vivien Leigh), Kobald Courtesy London.

"Scarlett" (Vivien Leigh) nach dekorativem Sturz von der herrschaftlichen Treppe auf den pompösen Teppichboden im Salon des neureichen Aufsteigers Rhett Butler - mit deutlicher Absicht, ein entsprechendes Gefühl zu simulieren. 

S.136: Nacht, Ferdinand Hodler, 1889/1890, Musée d'Orsay.

Hodlers Rückenakt in der Allegorie der "Nacht" auf nacktem Boden verweigert sich schamvoll jeder Annäherung, erhöht damit aber die erotische Aktivität. 

S.137: Schlummernde Venus, Giorgione/Tizian, 1508/1510, Gemälde Galerie Alte Meister.

Giorgione/Tizian betten die venusische Frau so in die Landschaft daß der Leib selbst zur Topographie mit Tal und Hügeln wird. Der Blick aktiviert behutsame taktile Wahrnehmungen des Betrachters, der sich der Schlafenden sinnlich bemächtigt.