Die Welt zu Deinen Füßen

Den Boden im Blick: Naturwerk - Kunstwerk - Vorwerk

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Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Den Boden im Blick
Warum küßt der Papst den Boden?
Warum werden rote Teppiche ausgerollt und Blumen gestreut? Wurden Sie auch schon mal ermahnt, hübsch auf dem Teppich zu bleiben oder hat man Ihnen bereits die Welt zu Füßen gelegt.

Offensichtlich hatte der Boden, auf dem wir stehen, immer schon eine elementare kulturelle Bedeutung. In Antike und Mittelalter bildete man kosmische Ordnungsvorstellungen, Weltmodelle und die Ornamente der Schöpfung auf dem Boden ab. Die Aufmerksamkeit für den Boden schwand gerade dadurch, daß man ihn in den modernen Zivilisationen von Unrat und Unebenheiten befreite, ihn betonierte und aphaltierte. Die zivilisatorische Uniformierung unserer Böden hat inzwischen eine Gegenbewegung hervorgerufen.
In Architektur und Design richtet sich heute der Blick wieder auf den Boden.

Zu den Trendsettern in diesem Bereich gehört der Teppichbodenhersteller Vorwerk, der mit Künstlern wie Robert Wilson, Rosemarie Trockel und Jeff Koons völlig neue Wege in der Bodengestaltung beschreitet.

Der bekannte Alltagsästhetiker Bazon Brock nimmt in zwölf Kapiteln je einen Entwurf aus Vorwerks Flower Edition zum Anlaß, um an Beispielen aus der Kunstgeschichte, der Architektur und Kultivierung der Natur die Welt zu unseren Füßen zu thematisieren.

Seite im Original: 143

Drei Vergegenwärtigungen von Raumklimata durch Teppiche

Drei Vergegenwärtigungen von Raumklima durch Teppiche: Als man Räume nur durch eine Feuerstelle, die nachts gelöscht werden mußte, auf höchstens 15°C erwärmen konnte, wurden textile Beiläge und Behänge zu unentbehrlichen Wärmespeichern.

Dekorativ ausgelegt oder als Balustradendekor verwandte Orientteppiche signalisierten Wohnluxus. In vollklimatiserten Räumen der Gegenwart kann der Boden sogar als Aktionsfeld liebestaumeliger Hotelbesucher genutzt werden.

Abbildungen:

Bei der Kupplerin, Jan Vermeer, 1656, Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden.

Miniatur aus: Le Livre du Coeur d'amour épris, Coeur Meister, 15. Jahrhundert, Österreichische Nationalbibliothek, Wien. 

Majestic Hotel, Tony Clark, 1992, New York.