Die Welt zu Deinen Füßen

Den Boden im Blick: Naturwerk - Kunstwerk - Vorwerk

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Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Den Boden im Blick
Warum küßt der Papst den Boden?
Warum werden rote Teppiche ausgerollt und Blumen gestreut? Wurden Sie auch schon mal ermahnt, hübsch auf dem Teppich zu bleiben oder hat man Ihnen bereits die Welt zu Füßen gelegt.

Offensichtlich hatte der Boden, auf dem wir stehen, immer schon eine elementare kulturelle Bedeutung. In Antike und Mittelalter bildete man kosmische Ordnungsvorstellungen, Weltmodelle und die Ornamente der Schöpfung auf dem Boden ab. Die Aufmerksamkeit für den Boden schwand gerade dadurch, daß man ihn in den modernen Zivilisationen von Unrat und Unebenheiten befreite, ihn betonierte und aphaltierte. Die zivilisatorische Uniformierung unserer Böden hat inzwischen eine Gegenbewegung hervorgerufen.
In Architektur und Design richtet sich heute der Blick wieder auf den Boden.

Zu den Trendsettern in diesem Bereich gehört der Teppichbodenhersteller Vorwerk, der mit Künstlern wie Robert Wilson, Rosemarie Trockel und Jeff Koons völlig neue Wege in der Bodengestaltung beschreitet.

Der bekannte Alltagsästhetiker Bazon Brock nimmt in zwölf Kapiteln je einen Entwurf aus Vorwerks Flower Edition zum Anlaß, um an Beispielen aus der Kunstgeschichte, der Architektur und Kultivierung der Natur die Welt zu unseren Füßen zu thematisieren.

Seite im Original: 176

[Heliotropium]

"Es könnte sein, daß dir der Rose Lob / zu laut erscheint für deine Freundin: Nimm / das schön gestickte Kraut und überstimm / mit dringend flüsterndem Heliotrop / den Bülbül, der an ihren Lieblingsplätzen / sie schreiend preist und sie nicht kennt. / Denn sieh: wie süße Worte nachts in Sätzen / beisammenstehn ganz dicht, durch nichts getrennt, / aus der Vokale wachem Violett / hindüftend durch daß stille Himmelbett –: / so schließen sich vor dem gesteppten Laube / deutliche Sterne zu der seidnen Traube / und mischen, daß sie fast davon verschwimmt, / die Stille mit Vanille und mit Zimmt." (Persisches Heliotrop, in: Der neuen Gedichte anderer Teil, Rainer Maria Rilke, 1905)

Zu den Höhepunkten einer Sommerreise in die Provence gehören der Anblick und der Duft der Lavendelfelder, der Hyazinth- und Heliotrop-Beete. Einen solchen Eindruck fixierte R. M. Rilke in seinem Gedicht "Persisches Heliotrop" um das Jahr 1905. Der Vokale waches Violett läßt die Texte selbst zu Blumenfeldern werden. Inzwischen züchten Gärtner Blaue Blumen palettenweise. Die Blaue Blume aber züchten sie nicht.

Abbildung: von PhotoPress, Stockdorf/München.