Die Welt zu Deinen Füßen

Den Boden im Blick: Naturwerk - Kunstwerk - Vorwerk

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Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Den Boden im Blick
Warum küßt der Papst den Boden?
Warum werden rote Teppiche ausgerollt und Blumen gestreut? Wurden Sie auch schon mal ermahnt, hübsch auf dem Teppich zu bleiben oder hat man Ihnen bereits die Welt zu Füßen gelegt.

Offensichtlich hatte der Boden, auf dem wir stehen, immer schon eine elementare kulturelle Bedeutung. In Antike und Mittelalter bildete man kosmische Ordnungsvorstellungen, Weltmodelle und die Ornamente der Schöpfung auf dem Boden ab. Die Aufmerksamkeit für den Boden schwand gerade dadurch, daß man ihn in den modernen Zivilisationen von Unrat und Unebenheiten befreite, ihn betonierte und aphaltierte. Die zivilisatorische Uniformierung unserer Böden hat inzwischen eine Gegenbewegung hervorgerufen.
In Architektur und Design richtet sich heute der Blick wieder auf den Boden.

Zu den Trendsettern in diesem Bereich gehört der Teppichbodenhersteller Vorwerk, der mit Künstlern wie Robert Wilson, Rosemarie Trockel und Jeff Koons völlig neue Wege in der Bodengestaltung beschreitet.

Der bekannte Alltagsästhetiker Bazon Brock nimmt in zwölf Kapiteln je einen Entwurf aus Vorwerks Flower Edition zum Anlaß, um an Beispielen aus der Kunstgeschichte, der Architektur und Kultivierung der Natur die Welt zu unseren Füßen zu thematisieren.

Seite im Original: 186

["Die Füße von Jesus auf dem Erdboden ..."]

„Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg”. (Apg.1,9) Die Kargheit dieser Mitteilung aus der Apostelgeschichte veranlaßte die Gläubigen, sich die Himmelfahrt konkret vorzustellen und ihre Vorstellungen in gemalten Bildern und szenischen Aufführungen zu bestärken. Daß Christus aus der Mitte der zwölf Jünger auffuhr, wird durch die ausgezeichnete Mittelachse des Gemäldes veranschaulicht. Das sprechendste Detail der Darstellung ist der Abdruck, den die Füße von Jesus auf dem Erdboden hinterlassen.
Neun Jünger folgen dem Ereignis mit den Blicken, drei von ihnen vergegenwärtigen es sich als innere Schau. Seit prähistorischen Zeiten wurden Menschen darauf trainiert, Spuren im Sand, vor allem die Spuren ihrer Artgenossen mit besonderem Interesse zu verfolgen.
Die Mythologie der Spur reicht von Homer über Empedokles am Ätna und den Felsendom in Jerusalem bis hin zu Robinson Crusoe, Karl May, den Jägern des Yeti und den heutigen Geologen.
Kein theologisches Motiv ist derart. anspruchsvoll wie die Auferstehung von den Toten. Lange vor seiner christlichen Fassung hatte es hervorragende Bedeutung in vielen Kulturen. Die Ausstattung der Verstorbenen für die Fahrt ins Jenseits mit Grabbeigaben (Hausrat, Nahrungsmittel, Identitätsmarken, Wegweiser) belegen das. Und auch die christliche Ganzkörperbestattung ist diesem Motiv geschuldet; also mußten die Leiber der Verstorbenen vollständig beisammen bleiben, um noch nach dem großen Finale mit sich selbst identisch zu sein. Die reale Erfahrung der Absenz im Schlaf und die wiedergewonnene Präsenz im Erwachen stützte die Annahme, der Tod sei ein großer Schlaf, aus dem Gott die Verstorbenen am Ende aller Zeiten weckt — und darauf kommt es an, denn die erfahrungsgemäße Unterscheidung von tot und lebendig ist an Zeitlichkeit gebunden. Wird sie definitiv aufgehoben, gilt: Tod ist die Voraussetzung des ewigen Lebens.

Abbildungen:
S.186: Christi Himmelfahrt, Köln, um 1350.
Christus ohne Oberkörper – kein Bildschnitt, sondern Bildkonzept!


S.187: Jüngster Tag, Buchmalerei, ca. 1420.

Obwohl Christus als Richter gezeigt wird, konzentriert sich die Schilderung auf Auferstehung aus den Gräbern und nicht auf die Verdammnis.