Die Welt zu Deinen Füßen

Den Boden im Blick: Naturwerk - Kunstwerk - Vorwerk

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Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Den Boden im Blick
Warum küßt der Papst den Boden?
Warum werden rote Teppiche ausgerollt und Blumen gestreut? Wurden Sie auch schon mal ermahnt, hübsch auf dem Teppich zu bleiben oder hat man Ihnen bereits die Welt zu Füßen gelegt.

Offensichtlich hatte der Boden, auf dem wir stehen, immer schon eine elementare kulturelle Bedeutung. In Antike und Mittelalter bildete man kosmische Ordnungsvorstellungen, Weltmodelle und die Ornamente der Schöpfung auf dem Boden ab. Die Aufmerksamkeit für den Boden schwand gerade dadurch, daß man ihn in den modernen Zivilisationen von Unrat und Unebenheiten befreite, ihn betonierte und aphaltierte. Die zivilisatorische Uniformierung unserer Böden hat inzwischen eine Gegenbewegung hervorgerufen.
In Architektur und Design richtet sich heute der Blick wieder auf den Boden.

Zu den Trendsettern in diesem Bereich gehört der Teppichbodenhersteller Vorwerk, der mit Künstlern wie Robert Wilson, Rosemarie Trockel und Jeff Koons völlig neue Wege in der Bodengestaltung beschreitet.

Der bekannte Alltagsästhetiker Bazon Brock nimmt in zwölf Kapiteln je einen Entwurf aus Vorwerks Flower Edition zum Anlaß, um an Beispielen aus der Kunstgeschichte, der Architektur und Kultivierung der Natur die Welt zu unseren Füßen zu thematisieren.

Seite im Original: 208

[Paradiesische Landschaften]

„Betrachte, wie in Abendsonneglut Die grünumgebnen Hütten schimmern. Sie rückt und weicht, der Tag ist überlebt. Dort eilt sie hin und fördert neues Leben. O daß kein Flügel mich vom Boden hebt, Ihr nach und immer nach zu streben! Ich säh' im ewigen Abendstrahl Die stille Welt zu meinen Füßen, Entzündet alle Höhn, beruhigt jedes Tal, Den Silberbach in goldne Ströme fließen. Nicht hemmte dann den göttergleichen Lauf Der wilde Berg mit allen seinen Schluchten; Schon tut das Meer sich mit erwärmten Buchten Vor den erstaunten Augen auf. Doch scheint die Göttin endlich wegzusinken; Allein der neue Trieb erwacht, Ich eile fort, ihr ew'ges Licht zu trinken, Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht, Den Himmel über mir und unter mir die Wellen.” (Goethe, Johann W. von, aus: Faust – Die Tragödie Erster Teil; Vers 1070ff.)

Die Selbstergriffenheit des bürgerlichen Theaterpublikums erreicht einen Höhepunkt, wenn bei Faust I-Aufführungen der „Osterspaziergang" vor Augen gestellt wird. Man wird sich plötzlich bewußt, daß der Lustwandel an Feiertagen, gar an Ostern, eigentlich eine Passage durchs Paradies sein sollte und das eigene Heim diese Erinnerung konserviert: „Ich wurde in ein Zimmer geführt, dessen Boden mit weichen Teppichen belegt war. An den Wänden hingen Bilder in breiten Goldrahmen, in der Mitte stand ein rothsammtnes Sopha mit blühenden Pflanzen bekränzt. So haben's die Reichen, dachte, und ich, und mir stockte das Herz. Ich ging mit Katherine in das Zimmer, und unwillkürlich sagte ich: 'Da läßt sich's gut leben; aber du dauerst mich, wenn du von diesem Teppichboden wieder einmal weg mußt in einen kleinen eigenen Haushalt. ( Auerbach, Berthold, aus: Schatzkästlein des Gevattermanns, 1858)

Abbildungen:
S.208: Werbung für einen Golfplatz, PhotoPress (Exler), Stockdorf / München.
S.208: Werbung, Alan Ginsberg, Hamburg.
Werbung für einen Golfplatz in „paradiesischer Landschaft“ - eine Idylle mit Schlupflöchern für Erdgeister und Dämonen mit Spieltrieb.