Die Welt zu Deinen Füßen

Den Boden im Blick: Naturwerk - Kunstwerk - Vorwerk

Die Welt zu Deinen Füßen | Titelseite Die Welt zu Deinen Füßen | Inndenseite Die Welt zu Deinen Füßen Die Welt zu Deinen Füßen Die Welt zu Deinen Füßen Die Welt zu Deinen Füßen Die Welt zu Deinen Füßen
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Den Boden im Blick
Warum küßt der Papst den Boden?
Warum werden rote Teppiche ausgerollt und Blumen gestreut? Wurden Sie auch schon mal ermahnt, hübsch auf dem Teppich zu bleiben oder hat man Ihnen bereits die Welt zu Füßen gelegt.

Offensichtlich hatte der Boden, auf dem wir stehen, immer schon eine elementare kulturelle Bedeutung. In Antike und Mittelalter bildete man kosmische Ordnungsvorstellungen, Weltmodelle und die Ornamente der Schöpfung auf dem Boden ab. Die Aufmerksamkeit für den Boden schwand gerade dadurch, daß man ihn in den modernen Zivilisationen von Unrat und Unebenheiten befreite, ihn betonierte und aphaltierte. Die zivilisatorische Uniformierung unserer Böden hat inzwischen eine Gegenbewegung hervorgerufen.
In Architektur und Design richtet sich heute der Blick wieder auf den Boden.

Zu den Trendsettern in diesem Bereich gehört der Teppichbodenhersteller Vorwerk, der mit Künstlern wie Robert Wilson, Rosemarie Trockel und Jeff Koons völlig neue Wege in der Bodengestaltung beschreitet.

Der bekannte Alltagsästhetiker Bazon Brock nimmt in zwölf Kapiteln je einen Entwurf aus Vorwerks Flower Edition zum Anlaß, um an Beispielen aus der Kunstgeschichte, der Architektur und Kultivierung der Natur die Welt zu unseren Füßen zu thematisieren.

Seite im Original: 209

Die letzte Welt

„Echo erinnerte sich, daß sie Arachne selbst an Jännertagen in die Bucht begleiten mußte, wo die Alte dann in Felle gehüllt auf einem der tiefer gelegenen Balkone saß und auf die fließenden, gleißenden Muster starrte, die eine kalte Sonne auf dem Spiegel des Meeres hinterließ; Lichtspiele, die sie später mit weißer Seide und Silberfäden aus Cythera in ihre Teppiche einzuweben versuchte. ... Das unruhige, tiefe Blau dort draußen glich der Farbe jener See, deren Lagunen Arachne in ihre Teppiche einwebte, glich der Farbe jener Wellen, die gegen Roms schöne Küsten schlugen. ...Was die Weberin ... dachte, was sie empfand, wurde nun allein durch ihre Webbilder verständlich, deren Farbenpracht und Lebendigkeit in machen Bewohnern Tomis eine heimliche Sehnsucht nach einer fremden Welt hervorriefen; denn die Schönheit dieser Behänge, ... war mit keinem Garten und auch keiner blühenden Halde dieser Küste vergleichbar. ... An diesen Panoramen (war) nicht die Erde oder das Meer das Bedeutsame …, sondern der Himmel." (Ransmayr, Christoph, aus: Die letzte Welt, 1988.)

Abbildung:
S.209: Magische Gärten, Robert Wilson, Hannover, 1998.
Robert Wilson installierte 1998 in der Orangerie der Herrenhausener Barockanlage, Hannover, „Magische Gärten“, in denen er mit lebenden Skulpturen und Lichtinszenierungen literarische Erinnerungsbilder aufrief.

Abbildung:
S.210/211: Flower Edition [Vorwerk], Jeff Koons, 1998.
„Ich freue mich bei jedem Schritte / Der neuen Blume, die voll Tropfen hing; / Der junge Tag erhob sich mit Entzücken, / Und alles war erquickt, mich zu erquicken.“ (Goethe, Johann W. von, aus: Zuneigung, 1784)