Die Welt zu Deinen Füßen

Den Boden im Blick: Naturwerk - Kunstwerk - Vorwerk

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Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Den Boden im Blick
Warum küßt der Papst den Boden?
Warum werden rote Teppiche ausgerollt und Blumen gestreut? Wurden Sie auch schon mal ermahnt, hübsch auf dem Teppich zu bleiben oder hat man Ihnen bereits die Welt zu Füßen gelegt.

Offensichtlich hatte der Boden, auf dem wir stehen, immer schon eine elementare kulturelle Bedeutung. In Antike und Mittelalter bildete man kosmische Ordnungsvorstellungen, Weltmodelle und die Ornamente der Schöpfung auf dem Boden ab. Die Aufmerksamkeit für den Boden schwand gerade dadurch, daß man ihn in den modernen Zivilisationen von Unrat und Unebenheiten befreite, ihn betonierte und aphaltierte. Die zivilisatorische Uniformierung unserer Böden hat inzwischen eine Gegenbewegung hervorgerufen.
In Architektur und Design richtet sich heute der Blick wieder auf den Boden.

Zu den Trendsettern in diesem Bereich gehört der Teppichbodenhersteller Vorwerk, der mit Künstlern wie Robert Wilson, Rosemarie Trockel und Jeff Koons völlig neue Wege in der Bodengestaltung beschreitet.

Der bekannte Alltagsästhetiker Bazon Brock nimmt in zwölf Kapiteln je einen Entwurf aus Vorwerks Flower Edition zum Anlaß, um an Beispielen aus der Kunstgeschichte, der Architektur und Kultivierung der Natur die Welt zu unseren Füßen zu thematisieren.

Seite im Original: 226

[Himmelblick auf Bodenbilder]

1939 entdeckte der New Yorker Archäologe Paul Kosok 400 km südlich der peruanischen Lima hunderte von Darstellungen geometrischer Figuren, Tiergestalten, Blumen und Menschen auf einer ebenen Geröllfläche. Durch Wegräumen von Geröllsteinen und Freilegen der Bodenunterschicht wurden Linien zwischen 33 und 66 cm Breite sichtbar gemacht. Adressaten der Mitteilungen waren offensichtlich nicht Menschen, denn die Motive erstreckten sich über so große Flächen (bis 10 km Länge), daß sie von ebenem Standpunkt aus nicht wahrgenommen werden konnten. Die Liniengefüge blieben bis zu 2000 Jahre erhalten, weil dort weder Sandstürme noch Regengüsse vorkommen. Erst jetzt zerstört man sie bedenkenlos durch die Fahrzeugspuren der Sensationshungrigen.

Ins Pressesommerloch strudeln alljährlich Meldungen über Gestaltmuster in Kornfeldern, vor allem in England, wo etwa an den Berghängen von Dorset derartige Zeichen der Frühgeschichte die Phantasie beflügeln. Jedes Mal bedauern es die Zeitgenossen, daß sich solche Zeichen als Studentenspäße entpuppen. Gegen Desillusionierung gefeit sind hingegen die Teppichdesigns, mit denen wir in unseren Bauten den Himmel auf Erden repräsentieren. Die Bildschriften beziehen sich auf Monitorprojektionen von Raumschiffsteuerungen, auf Tierkreis- und Elementezeichen, auf Sterntalerregen und auf von Forschern markierte Teleskopaufnahmen. Der Götterbote Hermes heißt heute „Spaceshuttle", die Engel wurden zu Radiowellen und das Auge Gottes zum kamerabestückten Satelliten.

Abbildungen:
S.226: Teppichdesigns [Vorwerk], Arata Isozaki, Jiri Georg Dokoupil, Matteo Thun, Hans-Ullrich Bitsch, M. Glaser, Zaha Hadid, 1998.
S.226: Bodenrelief „Riese von Cerne Abbas“, Dorset.
S.226: Bodenrelief „Kolibri“, Nazca, Peru.
Menschen aller Kulturen schauten zum Himmel auf, um dort zu sehen und zu lesen, was ihnen von höheren Mächten beschieden sei. Aber sie blieben nicht nur Empfänger himmlischer Botschaften, sie machten sich auch zu Sendern von Nachrichten himmelwärts. Neueste Version: die totale Beleuchtung in Perth für den Raumfahrtsenior John Glenn.