„Der Tag des Malers“, 1997

Folder zum Film von Werner Nekes

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Der Tag des Malers.

Der Künstler Dosso Dossi leitete einstmals Gott, den Bastler barocker Mechaniken, an, die bloß technische Schöpfung malen, d.h. sehen zu lernen und damit den starren Uhrwerkskosmos erst zu verlebendigen, zu beseelen.

Dossis malendem Gott ist anzumerken, wie ihn dieses Werk der Animation begeistert. Die künstlerische Überformung, die Verwandlung der Welt ermöglichen es ihm, sich als wirklichen Schöpfer zu verstehen, der nicht mehr nur technisch konstruiert, sondern sich selbst zum Leben verhilft.

Heute bietet Werner Nekes den Produzenten filmtechnischer Werke die Gelegenheit, den Output ihrer Bildautomaten mit den Augen der Maler sehen und damit verstehen zu lernen. Das gelingt am intensivsten durch Zu-sehen, durch voyeuristische Betrachtung der Maler, während sie sich sehend an der Welt begeistern – also sich animieren.

Das taten die Maler der neueren Zeit am häufigsten in der Konstellation "Maler und Modell" und machten den Betrachter ihrer Malereien damit bewußt zum Voyeur – also zu einem Menschen, der sich selbst duch die Betrachtung anderer erfährt und verlebendigt. Der Grad der Selbstanimation läßt sich steigern, indem der Animist dafür sorgt, daß er anderen sichtbar wird.

Voyeuristische Exhibition (oder, modern ausgedrückt: die Betrachtung der Betrachter, die sich gezielt der Wahrnehmung dritter aussetzen) ist vor allem mit der öffentlichen Ausstellung von "Maler-Modell"-Bildern zur grundlegenden Form unserer westlichen Selbsterfahrung durch Zu-sehen im Gesehen-werden geworden.

Nekes’ Filmlichtmalerei aktiviert die bloßen Zeichentricks der Bildmaschinen, indem er sie den Sehformen von Meistern der modernen Malerei unterwirft. Wenn er Courbets Quelle des Lebens der voyeuristischen Reflexion ausliefert – oder Aktanimationen von Matisse’s großem Reigen bis zu Duchamp, Schmitt- Rottluff u.v.a. als filmische Malerei so entstehen läßt, daß der Filmbetrachter sich beim Sehen selber zusehen kann, dann ist das künstlerische (und nicht das filmtechnische) Verfahren der Animation erreicht: nicht "die Bilder laufen", sondern die Vorstellungen der Bildbetrachter; nicht der tote Bildträger wird lebendig, sondern das Bild, das sich der Betrachter von sich selbst in den Augen anderer macht, wenn er mit ihnen gemeinsam (also im Kino oder in der Ausstellung) das Zuschauen betrachtet.