Lustmarsch durchs Theoriegelände

Souverän ist, wer den Normalfall garantiert. Eine Kunstausstellung unterscheidet sich von einem Theoriegelände der Ästhetik wie ein Chemielabor von einem Messestand für Kunststoffhausrat. Bazon Brock arbeitet mit den Künsten, anstatt sie bloß an die Wand zu nageln. Das Brocksche Kunstdenken eröffnet große Perspektiven.

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Theoreme wie „Der verbotene Ernstfall“ oder „Gott und Müll“ demonstrieren, wodurch man aus Beliebigkeit Verbindlichkeit schafft und aus Glaubenszweifel eine Ewigkeit baut. Die Kunst lehrt zu verehren, wovor wir uns fürchten; die Museen sind Tempel für kunstbekennende Atheisten. Bazon Brock gibt Anleitungen für Fininvests, also Investitionen ins Ende; er baut Rettungskompletts und widerruft das 20. Jahrhundert. Das sind Action Teachings der besonderen Art, deren Ziel es ist, eine bleibende Sammlung von Grabbeigaben für die 68er-Generation mit Wiederauferstehungsanlage zu schaffen.

Jede Präsentation besteht aus den nachfolgend skizzierten elf Topologien, mit denen Bazon Brock sich 50 Jahre lang in Literatur, Theater, Ästhetik, Film, Fernsehen, Hörfunk, Action Teaching und Ausstellungen beschäftigt hat. Diese Resultate werden in einem Theoriegelände positioniert. Auf rund 300 qm wird das Theoriefeld wie ein Englischer Garten mit elf Themeninseln geboten; zu jedem der elf Präsentationsorte wird eines der elf Themen besonders hervorgehoben, durch ein spezifisches Gefäß repräsentiert (Bazon Brock als Behälterwissenschaftler) und mit einer Performance begleitet. Die Zuordnung von Themen zu Präsentationsorten folgt der Arbeitsbiographie von Bazon Brock; ihr folgt auch die Auswahl der Institute, denn arbeitete er sowohl in Museen, Kunsthallen, Kunstvereinen als auch in Forschungszentren, Hochschulen und Galerien.

Da Peter Weibel das Gesamtprojekt in 2007 bei MITin englischer und beim Fink-Verlag in deutscher Sprache veröffentlichen will, wird es zu den einzelnen Präsentationen keinen Katalog geben.
Es werden aber eine größere Anzahl von bereits vergriffenen Brock-Publikationen zu Niedrigstpreisen angeboten. Zu jeder Themeneinheit gibt es das Angebot eines multiplen theoretischen Objekts/kognitiven Objekts.

Bazon Brock führt täglich das Publikum mit einem 60minütigen Gewaltmarsch und einem 240minütigen Lustmarsch durch alle Themenfelder. Für die Teilnehmer der Lustmärsche ist jeweils ein Essen vorgesehen, das die Tagesschwerpunkte assoziiert.

An jedem Präsentationsort werden hoffentlich je ein Freund und ein Feind der Brockschen Arbeit mit ihm einen Diskurs führen – Veranstalter der Diskurse ist der seit 1988 eingetragene Verein „Helfen sie mit, Bazon Brock zu lieben“ e.V. Bonn.