2. Internationales Künstlerisch-Wissenschaftliches Symposium zur Theorie & Praxis der Szenografie: „Inszenierung & Vertrauen“

10.-13.12.2009

2. Internationales Künstlerisch-Wissenschaftliches Symposium zur Theorie & Praxis der Szenografie: “Inszenierung & Vertrauen” | Fachbereich Design Fachhochschule Dortmund, 12.12.2009
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

„Bazon Brock, dem Altmeister der Inszenierung und Selbstinszenierung, war es vorbehalten, die Thematik des Symposiums noch einmal im Dioramablick zu erfassen und zu entfalten – und sich dabei doch eng an die Metaphorik der Bildmarke der Tagung zu halten: ein auf einander zugehendes Brautpaar in Frack und Schleier, das allerdings, auf schwankendem Hochseil balancierend, fürs Gleichgewicht lange Stangen in den Händen brauchte. Nicht allein das gegenseitige Vertrauensversprechen der Brautleute zeigt derart die Fotografie, sondern eben auch das nötige Selbst-, vielleicht sogar Gottvertrauen beim Hochseilakt.

Bazon Brock war vor allem an diesem Selbstvertrauen und der damit einhergehenden Selbstverantwortung gelegen:
„Man kann sich nur an etwas festhalten, was man selbst fest in Händen hat.“ Nach außen und anderen gegenüber erwächst daraus eine „Selbstverpflichtung zur Verlässlichkeit“, die zusammen mit der Bereitschaft, in diesem Sinne sichtbar zu sein, auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, anzeige. Identitätsausweis schafft Vertrauen, hatte Brock seinen Beitrag betitelt, Zur Verpflichtung von jedermann, sich bis zur Kenntlichkeit zu exponieren. Da dies, perspektivisch gesehen, Entwurf bleibe, sei freilich auch die Möglichkeit zu scheitern nicht ausgeschlossen. Inszenierung sei insofern immer aus auf
die Krisis im künftigen Ereignis. Seinen Zuhörern empfahl der Medientheoretiker und Performance-Künstler, ein altes Konzept seiner eigenen langjährigen Inszenierungstätigkeit wiederaufnehmend, die „Musealisierungsstrategie“. Nicht als Archivierung des Überkommenen und Überlebten, sondern, ähnlich dem Verständnis von Archäologie, wie es die Bewohner eines fernen Planeten in Jorge Luis Borges
Tlön, Uqbar, Orbis Tertius pflegen, als Entwurf durch Geschichte. – „Ausgraben“ und „Erfinden“ gehören für die Fremden in Borges Geschichte nämlich zusammen, sind, sozusagen, zwei Wörter für dieselbe Tätigkeit. Museen in diesem Verständnis sind Stätten der Erfindung und der Planung von Neuem.

Allerdings, dazu braucht es, wie zu aller guten Szenografie, nicht nur der Selbstverpflichtung einzelner, sondern auch des „Zur–Verantwortung–Ziehens“ anderer, im positiven Sinne einer Mittäterschaft auf die man sich verlassen kann, auf die man vertrauen darf.”

Aus: Heiner Wilharm: „Inszenierung & Vertrauen“. 2. Scenographers´ Symposium, Dortmund 2009. Ein Tagungsbericht, 2/2010. URL: http://www.fh-dortmund.de/de/studi/fb/2/personen/lehr/wilharm/…

Identitätsausweis schafft Vertrauen – Zur Verpflichtung von jedermann, sich bis zur Kenntlichkeit zu exponieren