St. Moritz Art Masters

St.Moritz Art Masters - Artist Talk | Bazon Brock und Jonathan Meese im Chesa Planta Samedan
Foto: © SAM / Alexandra Pauli
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Chesa Planta
Fundaziun de Planta Samedan
Mulins 2
7503 Samedan/Schweiz
Link: http://www.stmoritzartmasters.com/talks/vortraege/samstag-270811.html

Pressestimmen

„Am nächsten Tag dann das Gespräch (besser: zwei alternierende Monologe) zwischen dem Performancephilosophen Bazon Brock und dem Kunstdiktator Jonathan Meese im Museum Chesa Planta in Samedan, gut erreichbar mit dem Shuttleservice eines Luxusautomobilherstellers. Meeses Mutter, auf meesianisch auch ›Erzmami‹ genannt, ist ebenfalls anwesend. Und es muss schon mal rundheraus gesagt werden, allen professionellen Meesehassern zum Trotz: Meese ist zweifelsfrei der größte Künstler unserer Zeit, insofern er tatsächlich nur Kunst ist und sonst gar nichts. Wenn er Sätze wie ›Der Mond will nur von der Sachlage belästigt werden!‹ oder ›Schlaf ist versachlichte Führung!‹ ins hellhörige Engadin bellt, dann wird intuitiv klar, was die von ihm propagierte Diktatur der Kunst bedeutet: die Nichtung des Nichtigen durch die Nichtigkeit. Brock hat das längst durchschaut und ihre Kompatibilität mit seiner Vision einer ›Ästhetik des Unterlassens‹ festgestellt, weshalb er mit Vehemenz und ja, mit Recht, seine schöne These wiederholt: ›Die bedeutendste Entwicklung der Müllabfuhr ist das Kunstsystem.‹”

(Aus: Jörg Scheller: St. Moritz Art Masters. Glücklichsein ist teuer, artnet, 2.09.2011, Quelle: http://www.artnet.de/magazine/st-moritz-art-masters/)

„Das Leben in seiner ganzen verrückten Fülle – vor allem in der Fülle! – zu bejahen, ist auch der eigentliche und einzige klar erkennbare Kerngedanke des Art Masters. Hier geht schlichtweg alles zusammen. Zum Beispiel nonchalante Werbung für Edelmarken und Finanzdienstleister mit der Gesellschaftskritik des Schweizer Künstlers Jules Spinatsch, der vor dem Kempinski-Hotel ein Panorama aus Überwachungskamera-Bildern ausstellt, aufgenommen am Wiener Opernball.
Oder das schrille Gespräch zwischen Jonathan Meese und dem Wuppertaler Performance-Philosophen Bazon Brock im gediegenen Interieur des Wohnkulturmuseums Chesa Planta in Samedan, gut erreichbar mit dem Shuttle eines Luxuskarossenherstellers.
Während Meese in einer Litanei deklamiert die Herrschaft des Menschen müsse enden und die Herrschaft der Kunst endlich beginnen, hat Brock eine schlüssige Definition des Kunstsystems anzubieten: „Die bedeutendste Entwicklung der Müllabfuhr.“ Meese sei der beste Beweis dafür. Als treue Ameise der
Kunst entsorge er in seinem Werk rührend den Abfall der Gegenwart – „die Evolution erzeugt so viel Auswurf wie sie Erfolg erzeugt“.
Der Mannheimer Literaturprofessor Jochen Hörisch sitzt in der ersten Reihe. Er scheint hin- und hergerissen zwischen Lachen und Leiden, hinter einer Tür lugt amüsiert der Unternehmensberater und ehemalige Schnapshändler Roland Berger, der im Engadin eine standesgemäße Residenz unterhält.
Brock verfügt ebenfalls über einen Zweitwohnsitz in der Gegend und ist gerngesehener Dauergast beim Art Masters. Er hat selbst Aktionen wie das „Samposion“ (2010) dirigiert, findet zwar nicht alles gut, was hier so passiert, aber der Arzt sucht ja auch nicht den Gesunden, sondern den Kranken auf. Als jedoch der Künstler Ferran Martin in der Eröffnungsnacht seine „Fire Sculpture“ vor dem Waldhaus-Hotel abfackelt, sitzt Brock bei einem Wodka Sour im schräg gegenüber liegenden Kulm-Hotel, wendet dem Funkenflug vor der Fensterfront den Rücken zu und meint, als Kriegskind habe er nun wirklich genug Explosionen gesehen.”

(Aus: Jörg Scheller: Sensationen, Sensationen. Dekadenter geht’s nimmer: Das heute endende St. Moritz ArtMasters ist nichts für Kulturpessimisten und Rolls-Royce-Hasser. Ein Resumee. Sonntag Aktuell, 4.09.2011, S. 12)