Bauhaus-Programm heute: Widerruf des 20. Jahrhunderts

édition questions Band 7

Bazon Brock: Bauhaus-Programm heute: Widerruf des 20. Jahrhunderts | Köln: Salon-Verlag, 2001.
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

»Repräsentiert das Konzept Bauhaus tatsächlich ein Weltkulturerbe, dann müßte man, wie jeder gute Anwalt, den Erben dringlich nahelegen, sich sehr gründlich zu überlegen, ob sie das Erbe überhaupt antreten wollen. Erbt man nicht Schulden, sondern Schuld, hilft einem keine formaljuristische Deklaration aus der Bredouille.«

Seite im Original: 3

[reifliche Überlegungen, ob wir das Weltkulturerbe Bauhaus antreten wollen]

Wer heute in den Bereichen Kunst, Gestaltung und Kulturvermittlung zu arbeiten hat, wird vom Bekenntnisekel geschüttelt:

Ekel vor dem ständigen Fintieren und Hochstapeln, um irgendwelche Projekte als im Konzept zukunftsweisend, in den Mitteln kreativ und im Resultat einmalig, aber dennoch jederzeit praktisch anwendbar ausweisen zu sollen;

Ekel vor dem morgendlichen Ritual, das Gros der zurückkommenden eigenen Paper, aber vor allem das der Mitbewerber zu entsorgen;

Ekel vor den abgenötigten Bekenntnissen, auch die größten Leistungen zeitnaher Vorgänger als historisch längst überholt betrachten zu müssen.

Aus: Bazon Brock: Bauhaus als Biskuit – gegen retrospektive Prophetien. In: Fiedler, Jeannine/Feierabend, Peter (Hg.): Bauhaus. Köln: Könemann, 2000, S. 580-583.