Großvater erzählt aus dem kommenden Krieg - Erster Anlauf: Asketen des Luxus

Mit Bazon Brock - Künstler ohne Werk, Denker im Dienst, tapfer und theoretisch, Trainer für Vorausleiden, Agentur für Universalpoesie und Prognostik

Asketen des Luxus – Konvent der goldenen Eßstäbchen | Wappen
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Einübungen ins etruskische Lächeln als Feiern zum Ende Europas, nachdem die Römer 475 n. Chr. vergessen hatten, den großen Abschied aus der Weltgeschichte darzustellen.

Don’t trust your eyes – dare to see with your brain!

Winter 2008/2009
Jeweils Sonntags, 11.30 Uhr bis open end
Gelegenheit zur TET-Verpflegung mit Ewigkeitskeks, Wasser, Tee und ähnlichem

Erster Anlauf / First attempt to get going
19. Oktober 2008: Asketen des Luxus / ascetics of luxury

Der Konvent der goldenen Essstäbchen /The Convent of Golden Chopsticks:
Liebe als Form der Nachhaltigkeit / Love as a kind of sustainability
Mit Stephanie Senge (München)

Der Konvent versammelt Künstler, Vermittler, Wissenschaftler, gelehrte Geschäftsfrauen und Hausmänner, also Jedermann und jede Frau, die Liebe als Strategie der Nachhaltigkeit praktizieren, – die also zu sozialer Passion fähig sind. Diese Formen der Nachhaltigkeit lassen sich generalisieren:
Die historisch nachweislich erfolgreichste Form ökologischer, ökonomischer, hygienischer und ästhetischer Sorge und Fürsorge, kurz, Nachhaltigkeit, ist durch Luxurieren als Ausdruck der Askese zu erreichen. Dieses Prinzip vergegenwärtigen die goldenen Essstäbchen. Wenn wir Milliarden asiatischer Essstäbchenbenutzer unsere goldenen Essstäbchen überreichen würden, müssten die erhabenen Wipfel südamerikanischer Urwälder nicht dem Holzraub zum Opfer fallen, der zur Fertigung hölzerner Essstäbchen betrieben wird. Also erweist sich hier Luxurieren als tatsächlich erfolgreiches Prinzip ökologischer Sorge, soweit wir mit Gründen vermuten können, daß goldene Essstäbchen auch nicht umstandslos in den Müll verfrachtet werden, wie das mit hölzernen oder mit Besteck aus Plastik geschieht.

Es lässt sich leicht errechnen, dass die Kosten für ein paar hochwertiger goldener Essstäbchen pro wässrigem Mund sehr viel geringer sind, als die Kosten für die lebenslange tägliche Anschaffung von drei Paar hölzernen Essstäbchen. Durch diese Rechnung erweist sich Luxurieren auch als das ökonomisch sinnvollste Konzept. Goldene Askese, wussten die Aristokraten des Stammbaums und des Stils immer schon, heißt: das Kostbare ist das Billigste, wenn es Generationen überdauert und dadurch seinen Wert noch steigert.

Im Ästhetischen bewährt sich Askese durch Luxurieren am Beispiel der goldenen Essstäbchen nach dem Generalmotto der Moderne: less is more. Die Stäbchen, jeweils von Meistern des Reduktionismus entworfen, verkörpern geradezu die Gestalt des Weniger, auch wenn man als Kritiker der konzeptionellen reduktionistischen Moderne behauptet, less is less and more is more.
Und schließlich nimmt Gold keinen Schmutz an. Die goldenen Essstäbchen sind das Emblem der Lebensreformmoderne „GeSoLei“ –Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen. Mit der sozialen Fürsorge schließt sich die Gemeinschaft der Liebenden aus sozialer Passion zur Tafelrunde zusammen, an der wir uns üben, das Unterlassen als nachhaltigste Form des Handelns zu verstehen. Askese heißt eben Ethik des Unterlassens als anspruchsvollste Form des Tuns. Dafür steht die phrygische Mütze, das revolutionäre Zeichen überwundener Kultureselei. Denn König Midas schuf diese Mütze, um die ihm vom Gotte Dionysos verpassten Eselsohren zu bedecken – eine pädagogisch wertvolle Maßnahme, weil der König auf diese Weise ständig daran erinnert wurde, wie armem Geiste und schwachem Charakter der Wunsch von Menschen entspringt, es möge sich alles, womit sie zu tun haben, in Gold verwandeln, und jede Unternehmung zur Gewinnmaximierung führen, weil das Maß aller Dinge das finanzamtlich eingeforderte Gewinnstreben sei. Gegen dieses Diktat der Ökonomisierung von Liebe, Recht, Bildung und sozialer Passion tritt der Konvent der goldenen Essstäbchen an.