Ausstellung: „Nie wieder störungsfrei! Aachen Avantgarde seit 1964“

Besucherschule mit Bazon Brock

Nie wieder störungsfrei! | Eröffnung der Ausstellung im Ludwig Forum für internationale Kunst Aachen (22.10.2011 - 05.02.2012)
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

„Nie wieder störungsfrei! Aachen Avantgarde seit 1964“
22. Oktober bis 5. Februar 2012
Eröffnung: 21.10.2011, 20.00 Uhr
Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen

Fluxusfestival – Galerie Aachen – Gegenverkehr – Neue Galerie: Was war da los? Die Dämme etablierter Kulturvorstellungen brachen: Beuys bekam eins auf die Nase, Immendorff wieselte in rosafarbener Badehose mit riesiger Baby-Gesicht-Maske durchs Publikum, Lawrence Weiners Ausstellung bestand nur aus einem Katalog?!
Und es herrschte ausdrückliche Rauch- und Fotografiererlaubnis ...
In den 60er und 70er Jahren entstand fernab der Metropolen Berlin, Hamburg, Köln oder München in Aachen eine Kunstszene, die maßgebliche Impulse für die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst setzen sollte.
Beginnend mit dem legendären, grandios chaotischen Festival der Neuen Kunst am 20. Juli 1964 unter Beteiligung von Joseph Beuys und Wolf Vostell präsentierten zunächst junge Architekturstudenten ihre Vorstellung von einer gesellschaftskritischen Kunst im Rahmen von Fluxus-Veranstaltungen und Happenings. Sie gründeten die Galerie Aachen und zeigten progressive und politisch motivierte Ausstellungen und eranstaltungen. Vagelis Tsarikidis politisierte die Kunst und erschreckte die Besucher, als er sich foltern ließ, ohn Latham ermunterte die Leute zum Bücher-Zerfetzen mit anschließender Verbrennung.
1968 gründeten der Journalist Klaus Honnef, der Galerist Will Kranenpohl und die Künstlerin Rune Mields das vom kunstinteressierten Aachener Bürgertum getragene Zentrum für aktuelle Kunst – Gegenverkehr e.V., das sich vier Jahre lang mit einem multimedialen Programm gegen die bis dato üblichen Differenzierungen der
Kulturinstitute nach Gattungen stemmte.
Zeitgleich trat ein Sammlerehepaar in Erscheinung, das durch internationale Ankäufe in Atem beraubenden Tempo die weltweite Avantgarde nach Deutschland holte – mitten ins Aachener Stadtzentrum - zunächst ins Suermondt Museum, dann in die Neue Galerie im alten Kurhaus. Peter und Irene Ludwig zeigten ein untrügliches
Gespür für die Kunst der 70er Jahre und ihre zahlreichen Varianten. Und Gründungsdirektor Wolfgang Becker sorgte durch provokante Kunstaktionen für Proteste und aggressive Kritik. Seine Aussage, ein Ausstellungsinstitut dürfe sich nicht fürchten, war ganz im Sinne von Peter Ludwig.
In diese aufregende Zeit führt die Ausstellung „Nie wieder störungsfrei! Aachen Avantgarde seit 1964“ den Besucher.
Rund 150 bedeutende Kunstwerke und zahlreiche Fotografien, Korrespondenzen und Filme sind Zeugnisse dieser von Chaos und Aufbruch, Protest und Entdeckung geprägten Kulturphase der 60er und 70er Jahre.
Zugleich werden mit aktuellen Arbeiten Bezüge zur Gegenwart hergestellt.