Kulturbilanz

Was ein Unternehmen für die Gesellschaft bewirken kann

Kulturbilanz - Hubert Burda Stiftung | Cover
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Seite im Original: 155

Interview mit Bazon Brock

Bazon Brock zählt zu den ältesten Freunden von Hubert Burda und zum Gründerkreis des "Petrarca-Preises". Von 1980 bis 2001 lehrte er als Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Universität Wuppertal

Sie gelten als Erfinder des "Petrarca-Preises". Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Im Jahr 1974 hatte sich Hubert Burda entschlossen, die Chefredaktion der Illustrierten "Bunte" zu übernehmen. Seit einigen Jahren war unser Verhältnis enger geworden, und wir besprachen auf Spaziergängen durch den Englischen Garten, was uns so umtrieb. Mir war sogleich klar, mit dem Wechsel in die "Bunte"-Chefredaktion in Offenburg bedurfte mein Freund dringend eines Gegengewichts, einer Gegenwelt, die seinen kunsthistorischen und literarischen Neigungen gerecht würde. Da fiel mir der "Petrarca-Preis" ein, der an den kunsthistorisch bedeutenden Lebensstandorten des Dichters verliehen werden sollte.

Warum kamen Sie auf Petrarca?

In diesem Jahr 1974 erinnerte man sich an dessen 600. Todestag. Vor allem aber galt es, gegen die damals vorherrschende Mode der politisch engagierten Literatur, ihrer Beschwörung des sozialen Milieus, einen Kontrapunkt zu setzen. Petrarca, der erste Humanist, der erste subjektive, freie Dichter, steht für das Ideal des Autors, der nur seiner Autorenschaft verpflichtet ist, keiner anderen Autorität - die wesendtiliche Bedingung für einen modernen Künstler. Mit dem ersten Preis an Rolf Dieter Brinkmann 1975 haben wir der Poesie in der deutschen Literatur eine neue Aufmerksamkeit verschafft, eine Wende, für die - nach nun 36 Jahren - der Name Peter Handke steht, Juror des Preises von Anfang an.

Wie haben Sie Hubert Burda kennengelernt?

Es war der Rundfunkjournalist und Dichter Peter Hamm, der uns 1968 bekannt machte. Hubert Burda lud mich ein, an der von ihm gerade ins Leben gerufenen Zeitschrift "M" mitzumachen. Mir fiel gleich auf, dass ich es mit jemandem zu tun hatte, der keineswegs nur journalistisch dachte, sondern für Kunst und Literatur reges Interesse zeigte. Das war für mich ein Novum, denn die großen Journalisten der damaligen Zeit, Rudolf Augstein und Henri Nannen hatten ihre kulturellen Ambitionen wirklich nicht am Geist der Moderne festgemacht.