Dinosaurier!

Die Kulturgeschichte

Dinosaurier! | Die Kulturgeschichte
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Vorwort

Zur kulturellen Evolution des Dinosauriers

Konzept und Vorgehen von Alexis Dworsky lassen sich kurz und bündig mit nachfolgendem Auszug charakterisieren: „Der Wissenschaftsforscher David A. Kirby (2003) hat insbesondere an [Dr. Allen] Grant und Jurassic Park die Rolle von Naturwissenschaftlern als Berater von Filmproduktionen und die Rückwirkung dieser Filme auf das Denken in der Forschergemeinde untersucht: ‘Fiktive Filme bieten Wissenschaftlern Raum, ihre Sichtweisen der Natur visuell herauszuarbeiten. Der Film beeinflusst die Forschungspraxis, weil ihn wissenschaftliche Berater als Methode des virtuellen Beweises benutzen, um so Verbündete bei Spezialisten und Nicht-Spezialisten zu gewinnen. Auch drängen solche Filme die öffentliche Meinung zu einem Konsens bei wissenschaftlichen Debatten, indem sie nur eine einzige Version der Natur in einer als realistisch wahrzunehmenden Weise präsentieren.’“

Demzufolge untersucht der Verfasser populäre Auffassungen von Geno- und Phänotypen von Dinosauriern, indem er diese Auffassungen als Hypothesenbildungen versteht, die erheblichen Einfluss auf Einzelwissenschaften wie die Paläozoologie hatten. Warum beteiligten sich Wissenschaftler an der Hypothesenbildung in Fiction-Filmen? Dworsky gibt eine sinnfällige Antwort mit dem Hinweis darauf, „dass angeblich für den Film Jurassic Park mehr Geld ausgegeben wurde als für die gesamte bisherige Erforschung des Dinosauriers“.

Die Studie gibt Aufschluss über die Entwicklung poltitökonomischer und technischer Fähigkeiten zur Problematisierung von Konzepten sowohl der Spezialforschung wie der populären Rezeption der Darwinschen beziehungsweise der kreationistischen Evolutionstheorien. Höhepunkt der Argumentation ist das Kapitel „Informationsvögel“, in dem der grundsätzliche wissenschaftliche wie populäre Wandel in der Auffassung des „Konzepts Dinosaurier“ rekonstruiert wird (mit dem leichten modischen Slang des Verfassers würde man hier wohl eher von Dekonstruktion sprechen). Es geht um die Reformulierung des
Gattungskonzepts, demzufolge Dinosaurier als „Vogelartige“ beschrieben werden müssen.

Spielberg konnte in Jurassic Park diesem Verständnis noch nicht gerecht werden: „Mit den damaligen technischen Möglichkeiten ließen sich vogelartige Dinosaurier nämlich noch nicht glaubhaft darstellen. So hat ein gefiederter Dinosaurier ungeheuer viele Federn, und die Animation einer jeden solchen Feder ist ähnlich aufwendig, wie die eines kompletten Sauriers ohne Federn. Verglichen mit einer hautartigen Körpertextur benötigt ein virtuelles Federkleid daher mehr Rechenleistung als für die Produktion des Films Anfang der 1990er Jahre verfügbar gewesen wäre. Durch die Fortschritte der Computertechnik ließen sich im dritten, weit weniger bekannten Teil des Films, bereits Saurier mit einzelnen Federn
darstellen.“

Dworskys Untersuchung zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine Vielzahl solcher Abhängigkeiten von Vorstellung und Darstellung der Evolution am Beispiel der Dinosaurier von zeitspezifischen Komplexen des Politischen, Wirtschaftlichen und Wissenschaftlichen erschließt.

VorwortTitelbild und Vorschau-Illustration versprechen eine ironisch-aufklärerische Distanz des Verfassers zur Historie der Erzeugung von Evidenzbeweisen für die „Vision Dinosaurier“. Der Verfasser formte aus den Resten eines echten Hasenbratens, den er hoffentlich mit guten, das heißt witzbewehrten, Freunden verspeiste, das Skelett eines Dinos, als sei man einem „Falschen Hasen“ aufgesessen. Auch in anderer Hinsicht vermutet man überlegene Intelligenz des Verfassers: Die Studie lässt sich auch als eine Ausprägung des märchenhaften Wettrennens zwischen dem Hasen (Lepus) und dem Igel (Erinaceus) lesen. Dabei versucht die stets hetzende Forscher-Avantgarde das Rennen mit den wirtschaftlich  verdächtigen Popularisierern zu gewinnen; Letztere aber können gelassen verkünden, dass sie wieder einmal die Nase vorn haben. Kein Wunder, so meint Dworsky als Vertreter einer wahrhaft fröhlichen Wissenschaft, denn wissenschaftliche Hypothesenbildung kann sich heute tatsächlich nur die Fiction-Industrie leisten. So befördern die großen Schmonzetten des Unterhaltensgewerbes die Entwicklung von Wissenschaften. Nur die Rosstäuscher, die Schwindler und Phantasten sind noch der Wahrheit verpflichtet.