The way - der Weg. Abraham David Christian

[anlässlich der Ausstellung Abraham David Christian, the Way - der Weg im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, 11. Juni bis 29. August 2010 ; eine Ausstellung der Stiftung für Kunst und Kultur e.V., Bonn] / [Hrsg. Walter Smerling. Übers. Jeanne Haunschild ...]

Abraham David Christian: Der Weg | Museum Küppersmühle, 2011.
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Seite im Original: 13

Hayama_7, Türme der Weisheit, The way, Dao, der Weg!

Vorab:
Warum ich ADC so hochschätze?

Weil seine Bildungen mehr Wirklichkeit schaffen als alles (übliche künstlerische) Tun und Handeln! Denn nicht das Geschehene (das Ereignis) formt und wandelt uns (Menschen), sondern das Geschaute formt und wandelt uns, schrieb die geistesgegenwärtige MGD. ADC ist einer der großen Meister, weil es ihm gelingt, das von ihm Geschaute vor Augen zu bringen und nicht mit auftrumpfender Künstlerattitüde sein Original gerne in einmaligen Erscheinungen der Gier nach Neuem anzubieten. In Jahrzehnten einer Weltenwanderschaft hat ADC seine Anschauungen gewonnen vor dem, was Menschen aller Weltgegenden, aller Kulturen und Religionen durch Arbeit, durch Gestalten, durch Denken und Danken geschehen machten oder geschehen ließen. Er schaute in höchster Intensität, in Abgeschiedenheit und in tiefer Versunkenheit, aber in enthusiastischer Beseeltheit das große Zeichen- und Gestaltgefüge, mit dem Menschen von sich und ihrer Weltanschauung kündeten. ADC wollte keine Summa, keine Addition, keine Anhäufung solchen Weltwissens bieten, sondern das universale Repertoire, die allen Menschen aller Zeiten und Kulturen gemeinsamen Ausdrucksformen zur Anschauung bringen: den kleinsten und den größten gemeinsamen Nenner menschlicher Gestaltungen von Erkenntnis als Ordnung der Welt, als Musterung der Weltbestände und ihrer Beziehungen zueinander! Er entwickelte die universale, anthropologische Sicht auf das allen Gemeinsame in Klöstern und im weiten Feld, in Tempeln und auf Märkten, in Hütten wie in Palästen, obwohl ja die kulturellen Differenzen, die Exotik des Besonderen bis dato die Aufmerksamkeit der Abenteurer, Weltenpilger wie der Eroberer und Märchenerzähler gefunden hatten.

ADC teilte uns das von ihm dort Angeschaute, das Erblickte und Erkannte und Wiedererkannte so unprätentiös, so rein und unverfälscht mit, wie das eben nur Meister vermögen, die nicht mehr erregende, skandalisierende Absonderlichkeiten oder Einmaligkeiten ihrer individuellen Künstlerschaft beweisen müssen, um sich auszuweisen, sondern in ihren Gesten und lapidaren Verhaltensmustern schon selber als Verkörperungen des objektiven Geistes, also des allen kollektiv gemeinsamen Geistes zu wirken vermögen. Jede seiner „Skulpturen“ erhebt eine Grundform der Weltgestalt in unsere Wahrnehmung – jenseits der kulturellen, religiösen, ethnischen, sprachlichen Differenzierungen, die üblicherweise unsere Identität, unser Selbstbewusstsein prägen. Er verzichtet auf die Pathetik des schöpferischen Künstlers, der sogar dem Schöpfergott Konkurrenz machen möchte. ADC zeugt, indem er bezeugt, was ihm zur Anschauung kam. Im Holländischen, der Sprache seiner Kindheit, steht dafür das herrliche Wort „beamen“ – also Amen sagen als Bestätigung dafür, dass etwas so ist, eine Relation, eine Konstellation, ein Weltbefund. ADC bezeugt, er beamt den erschauten Zusammenhang von Gründung im Begründen und der poetischen Ausformung solcher Gründe der Grundformen – und er beamt, er bekennt den Zweck, den Sinn der Formen des anschauenden Darstellens im Vorstellen und Denken: Er bekennt die heilende Kraft solcher Schau!

„Ich bin voller Erwartung. Ich weiß nicht, ob es Dir auch so geht, daß Du manchmal das Gefühl hast, ganz dicht davorzustehen, nur noch durch einen ganz dünnen Schleier davon getrennt zu sein – wovon eigentlich? Von der Erkenntnis? Der Wahrheit? Dem Leben?“, fragte MGD.


Bereitstellung

Hayama: japanischer Kaisersitz mit Shintu-Schreinen in Turmform, 100 km westlich von Tokio; dort richtete der Künstler ADC eines seiner Ateliers ein: Weltort der Seele!

seven: die heilige Zahl (sieben Siegel, sieben Leuchterarme, sieben Wochentage, sieben freie Künste, sieben Sakramente etc.)

Dao, der Weg: Methode als Weg überallhin in der Einheit von Denken und Gehen, von Greifen und Begreifen, von Betrachten und Bewegen, von body und mind, von Wandern und Singen, von discours als parcours.

Türme des Schweigens: Auf ihnen legen die Anhänger Zarathustras die Verstorbenen ab, damit die Geier sie fressen und in die Himmel hinauftragen.

Türme der Weisheit: Minarette und Glockentürme (Campanile), Bergfried und Bollwerkstürme in Stadtmauern, Treppen himmelwärts, Aussichtsturm, Schuldturm, Geschlechterturm, Fernesehturm, Bibliothekstresore. Auf denen statt der Toten die Türmer arbeiten mit Übersicht von oben; Aufruf zur Gottesfeier als Menschendienst; Askese der Stille über allem Weltentrubel.

In die Irre führende Weisheit: Künstler lieben die Theoretiker nicht; das ist Standard: „Bilde Künstler, rede nicht!“ wieso wollen alle Künstler aber von den Rednern gewürdigt werden, die sie für nachrangig halten? Von Verachteten gelobt werden?


Spruch 9,1 ff.

„Die Weisheit hat ihr Haus gebaut – hat sieben Säulen aufgerichtet (die Menoraarme). Die Türme der hohen Stadtkrone (Befestigung der Oberstadt) sind errichtet. Das Fest des Lebens kann gefeiert werden, das Fest der Weisheit. Weise ist, wer Dich liebt, weil Du ihn tadelst/belehrst. Gerecht ist, wer sich bildet durch Belehrung. Und nicht lässt man sich von dem Fest der Weisen abhalten, weil oben auf den Türmen Totengeister hausen und wir ihre Gäste sind am Fuße der Türme (der Welt tief unter den Plattformen der Türme).“

In der westlichen Zivilisation ist das Museum das Haus der Weisheit; belehrt durch das Erkennen der allen Menschen gemeinsamen Formensprache und der je spezifischen der Künstler! Anonyme kulturelle Kollektive versus individuelle Autorschaft.


Missionsauftrag: Das Gestalten als bildende Wissenschaft und erkennende Kunst zugleich anerkennen!

Selten dürfte einem Kinde mit seinem Namen von den Eltern (oder Lehrern oder Brüdergemeinschaften oder Waisenverwahrern) so eindeutig der Lebensweg vorgezeichnet worden sein wie Abraham David Christian. Angerufen, beschworen werden im Namen der Urvater, der Sängerkönig und der Heilsbringer unserer jüdisch-christlich-moslemischen Traditionen! Archetypik und Poesie und Heilskunde gleichermaßen auszubilden durch Gestaltung, d.h. durch die parallele Aktivität von Hirn und Hand, war und ist die Arbeitsmaxime des Künstlers ADC wie eigentlich aller Künstler, Wissenschafter, Architekten, Poeten oder Musiker, die schöpferisch sein wollen – die also sich selbst, geschweige denn Dritte, mit ihren Arbeitsresultaten überraschen können: „Was ist denn das, was könnte es sein? Das soll ich gemacht haben, obwohl ich es weder wusste noch wollte – unglaublich!“

Zur Grundeinsicht ins kreative Arbeiten gehört es mittlerweile, dass das manuelle Bearbeiten von Materialien aller Art zu Begriffen führt – dass also alles Greifen ein Begreifen ermöglicht. Die Gestaltungen sind also Begriffe, von denen unser Hirn herausgefordert wird, sie zu erschließen, zu erkennen, damit sie nicht einmalige Phänomene bleiben, sondern immer wiederholt werden können. Man denkt seinen Arbeitsresultaten freier Gestaltung nach, um das Repertoire der Welterschließung zu vergrößern und die Geläufigkeit der Verarbeitung von phänomenalen Eindrücken zu erhöhen! Dabei macht man die Erfahrung, die glückliche wie beängstigende Erfahrung, dass jeder Versuch des Wiederholens neue Varianten der Gestaltbegriffe erschließt. Will man sie dennoch fixieren – auf Dauer stellen, muss man die relativ klaren Grundmuster herausarbeiten, die in allen Varianten gleich zu bleiben scheinen! Diese Grundmuster von Gestaltungsbegriffen, die durch greifendes Gestalten begriffen werden, spricht man als arché der Architektur an – oder als Urformen, als Urkunden des menschlichen Geistes im Begeistern, als schöpferische Verlebendigung des Materials durch Gestaltung!

In der arbeitsprogrammatischen Namensgebung Abraham David Christian steht nicht nur systematisch, sondern auch kulturhistorisch Abraham für die Begründung des Begreifens durch gestaltendes Greifen für die grundlegende Orientierung auf erste/letzte Urformen: der Klotz, der Stapel, der Krater, der Stab, die Treppe, die Grenzlinie, die Umfriedung. Die ausgeprägtesten Varianten dieser Formen, ihre Verkörperungen in der Geschichte des menschlichen Gestaltens sind etwa: die Pyramide, die Stupa, der Kreisel, der Obelisk, das Haus, die Pagode, der Turm, das Bollwerk und alle Varianten der Eingrenzung/Ausgrenzung, der eingefriedeten Bezirke als Tempel, Heiligtümer, Museen.

Der Name des König David verweist auf die ständige Variation der grundlegenden Formen durch Idealisierung (Geometrie), durch Realisierungsbedingungen wie Grund und Boden, Klima, Materialbeschaffenheit und Logiken der technischen Verfahren und vor allem durch die Verbindung vieler Urformen oder gestalterischen Letztbegründungen etwa im Siedlungsbau oder in der Gestaltung als Waffe oder Herrschaftsrepräsentanz in religiösen Riten oder Formen der Feste. Das eben kennzeichnet die Poesie Davids, dass sie die Letztbegründungen der Gestaltbegriffe ansprechbar, d.h. kommunizierbar werden lässt! Also: Abraham, der Kulturgründer und Religionsstifter, verweist vorbildlich durch sein Beispiel auf die allen Mitlebenden unhintergehbaren Grundlagen jeglichen Begreifens durch gestaltendes Ergreifen der Weltbestände; König David besingt, berühmt, feiert die verlässliche Archétypik in poetischen Varianten ihrer Beschreibung und des Erkennens in liebender Zuneigung zu allem Lebensgrund: den ewigen, unsterblichen Formen, das heißt den Ordnungen, Zuordnungen, die wir als Gesetze des Weltlaufs verstehen.

Auf welches Ziel verweisen aber die Gründungen Abrahams, die poetischen, feiernden Varianten Davids? Das Ziel ist im Name Christian angesprochen. Die Erkenntnis der Urformen aller Erscheinung von Welt, der Weltgrund der Formen, der Gestaltbegriffe, der Ideen – besungen in der beschwörenden Feier und ansprechbar geworden in der poetischen Umschreibung, den Wiederholungen als Weg zu neuen Varianten, Kombinationen, Konstellationen eröffnen dem sterblichen Menschen Zugang zur Kraft der Zustimmung! Im künstlerisch-wissenschaftlichen Arbeiten erfüllt sie sich in dem Augenblick, in dem eine Arbeit als gelungen akzeptiert werden kann; wenn etwa Beendetes als vollendet Zustimmung findet. Im Medizinischen ist es das Gelingen der Heilung, deren Methoden und Rituale man als heilsam erfahren hat. Heilung verweist auf das Heil der gesicherten Lebensumstände, der gesteigerten Erkenntnisfähigkeit durch Produktivität/Kreativität.

Sein Heil sucht man in der gestaltenden Arbeit, die Zustimmung zu sich selbst ermöglicht, wenn man sich als jemand erfährt, dem etwas gelungen ist. Das Heil der Welt erfährt man in der Heiligung der Formen, Gestalten, Begriffe, Ideen, denen man sich und das eigene Leben verpflichtet! Gottesdienst ist also Formendienst, der im Ritus die Vermittlung von Gestalten der Körper mit den Begriffen des Geistes erreicht, erreichen sollte. Menschendienst ist also Museumsdienst, Dienst an der Wahrnehmung des Gemeinsamen (der arché) und des Individuellen im Formgestalten und Begriffsgebrauch. Wem das gelungen ist, der bekundet seine „abschiedsbereite Vitalität“ im etruskischen Lächeln, im Lächeln der Weisen, die zur Welt und ihrer heiligsten Stunde des Todes, also zum eigenen Ende Ja sagen können (wie Christus einverstanden sein konnte mit seinem Tod) in der Gewissheit, dass jedes erneute Beginnen die Vorwegnahme des Endes voraussetzt. Wer einen Stuhl bauen will, muss das Ende des Werkes, den fertigen Stuhl, vorweg wissen, um sinnvoll die Arbeit zu beginnen!


Diskursive Bewegung: Dao, den Weg denken und die Formen in Gehschrift transformieren

Seit gut 400 Jahren lernten die Angehörigen der höheren Stände und schließlich auch die Bürger diese Übersetzung von Gedanken in Verhaltensweisen beim Besuch von Gärten, Parks, Museen und Ausstellungen einzuüben. Der von Descartes beschriebenen Bewegung der Gedanken als discours folgte in den Gärten des Absolutismus die Parallelsetzung von discours und parcours, also einer durch Schreiten nachvollzogenen geometrisch-allegorischen Form im Französischen Garten und der arché-tektonischen, symbolischen Form des Englischen Landschaftsparks. Die Synthese zwischen beiden bot Urvater Goethe neben seinem eigenen Gartenhäuschen an der Ilm mit dem Denkmal „Stein des guten Glücks“. Es handelt sich um zwei Steine, einen Kubus und eine Kugel (Maße des Würfels = 90 x 90 x 90 cm, Durchmesser der Kugel = 73,25 cm). Die Kugel ruht auf dem Kubus. Sie ist gedacht als der Kreis im Kantenquadrat des Kubus, der Kugel im Kubus oder eben als vollendetste Definition der Quadratur des Kreises, einer sprichwörtlichen Bezeichnung für die Unmöglichkeit der Vereinheitlichung von Darstellung und Dargestelltem, Bezeichnendem und Bezeichneten oder Inhalt und Form beziehungsweise Gedanke und seiner Idealität in der Realität. Per Analogiebildung versteht man instinktiv die Kugeloberfläche als Verweis auf das Auge, auf die Schädeldecke, auf das Architekturgewölbe und das Segment des Himmelsbogens. Wenn die Kugel also per Gestaltanalogie den Himmel symbolisiert, dann müsste der Kubus für die Erde stehen. Das führt zu einer Störung der Gestaltentsprechung, weil wir die Erde ja als kugelförmig kennen. In der Frühjahrszeremonie vermittelten die chinesischen Kaiser in eigener Person die Verbindung zwischen Himmel und Erde, indem sie auf einem Kubus standen und den Schnitt durch die Kugel als Phi-Disk auf dem Kopfe trugen, wobei die Körperachse durch die Fontanelle im Schädel in das ausgesparte Zentrum der Diskettenscheibe hineinragte. Wieso ist die Erde ein Kubus? Antwort: Weil sie in sich die zweite Urform der geometrischen Idealität repräsentierte. Wenn der Himmel durch den Kreis/die Kugel repräsentiert wurde, blieb denknotwendig für die Erde das Quadrat/der Kubus übrig, was darauf hinweist, dass die Gründung, die Arché-tektur des Hauses als Weltort der menschlichen Seele auf der architektonischen Fügung von Säulen/Pfeilern und dem Querbalken zwischen ihnen beruht.

Wodurch definiert sich der Bezug zum Menschen? Durch die Gestaltanalogie zwischen der Säule und dem aufrecht stehenden Menschen (repräsentiert durch die Hoheit des Herrschers), was bis auf den heutigen Tag in der Gliederung der Säule als Fuß, Schaft und Kopf ausgedrückt wird. Zum Beispiel heißt Kopf auf Lateinisch „caput“, weswegen der obere Teil der Säule eben Kapitell heißt. Generell gilt also: Die Evidenz der Gestaltanalogien allein reicht nicht aus, um Sinnhaftigkeit zu erzeugen. Das Evidenzerleben muss gekontert, modern also „kritisiert“ werden, damit sie nicht nur subjektivem Erleben, sondern dem Erkennen zugänglich wird. In Goethes Untertitelung des Denkmals als „Altar der Agathé Tyché“, das heißt „Altar der ewig geltenden Gesetze der Natur und des Geistes“, wird der Zusammenhang von Evidenz per Analogiezauber und ihrer Handhabung als Methode (Erkennen) vor Augen, die Organe der Vernunft geführt. Die Vermittlung von flüchtigem Glück der Evidenzwahrnehmung mit der petrinischen Basis, in felsharter Dauer der Naturgesetze also, interpretiert den Titel „Stein des guten Glücks“ umgangssprachlich als die Erkenntnis, das Glück am Ende nur der Tüchtige hat. Oder dass das Ziel des künstlerischen Arbeitens das Glück des Gelingens sei; im Lateinischen Merkvers: Ars gratia artis, das Gelingen ist der Lohn der Mühen.


Der Titel der ADC-Präsentation wird mit einem japanischen Schriftzeichen, das dem chinesischen für „dao“ fast identisch ist, repräsentiert. Die New Wave-modische Übersetzung durch „der Weg ist das Ziel“, gestützt auf das Lebensgefühl „Unterm Rad“ (Hermann Hesse), „on the road“ (Jack Kerouac), von Wandervogel bis Easy Rider, von „Wildgänse rauschen durch die Nacht“ bis „Ich bin dann mal weg“, erinnert uns an die Paralleloperation von discours und parcours, von Denken und Bewegung als zentraler Lebensäußerung. Seit alters galt als höchstes Ziel der Erziehung, die Parallelführung von Lebendigkeit des Körpers wie des Geistes zu erreichen in der lustvollen Erfahrung der ritualisierten körperlichen Anstrengung und des Heureka-Glücks erzielter Einsicht. In heutigen Terms heißt das: Das Gehirn zur Ausschüttung körpereigener Opiate zu veranlassen durch augiastische Anstrengungslust wie durch den Glücksrausch des werkschaffenden Gelingens gleichermaßen.
Sport ist heute die wichtigste Quelle der Erfahrung von Anstrengungslust. Da wir nicht durch die Ausstellung joggen dürfen, um in Erschöpfungslust nach 10.000 Metern vor den Objekten in ruhiges Versenken lustvoll zu verschwinden, müssen wir unsere Bewegtheit in der Vorstellung produzieren. Wir antizipieren Anstrengungslust, wir reproduzieren im Geiste am besten die schwersten Arbeiten, an die wir uns erinnern können: das Möbel rücken bei Umzügen zum Beispiel. Wir übertragen die Anstrengung nachschöpfend, als wir mächtigen Objekten, Schränken oder Bettkästen zu Leibe rückten, um sie zu bewegen, sich unseren Wünschen zu fügen: „Sonderbar entnervende Mühe! Seltsam zeugender Verkehr des Geistes mit einem Körper,“ beschrieb das Thomas Mann. Eine Objektbeschwörung durch Vorstellungskraft lässt uns das Geheimnis des Tische-Rückens erfahren: Der Wille versetzt uns auf Berge, lässt das Kleine beliebig Groß werden, schwer werden, heiß werden, weil wir selber Größe, Schwere, Hitze als unseren Körper und unser Selbsterleben bestimmende Formkraft realisieren. Hokuspokus? Spiritistengeraune? Ich bezeuge das mit aufrecht gehaltenem Stift, was durch Analogiezauber dem Zeugen durch Er-regiertes Glied entspricht. Wir bezeugen, dass Abraham zeugte den Isaak, der zeugte den Jakob, der zeugt den Joseph…