Heide Hatry: Not a Rose

Heide Hatry: Not a Rose | CHARTA, Mailans/New York, 2012.
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

There is no other book that has addressed the meaning of flowers to human beings so diversely, comprehensively, and thoughtfully as Not a Rose. Masked as a traditional coffee table book, it quotes from the genre while turning it inside out, for the images it offers are not innocent pretty flowers but elegant, compelling, and yet grotesque sculptures that the artist has created from the offal, sex organs, and other parts of animals, reminding us that the flowers that grace our homes are really the detached dead sex organs of living beings, and making us question the foundations of aesthetic reception in general.

Woven through the images, and taking its cue from them, is the writing of 101 prominent intellectuals, writers, and artists (such as Jonathan Ames, Steven Asma, Bazon Brock, Karen Duve, Jonathan Safran Foer, Steven Conner, Anthony Haden-Guest, Donna Haraway, Siri Hustvedt, Lucy Lippard, Richard Macksey, Kate Millett, Richard Milner, Hannah Monyer, Rick Moody, Avital Ronell, Stanley Rosen, Steven Pinker, Peter Singer, Justin E. H. Smith, Klaus Theweleit, Luisa Valenzuela, and Franz Wright...) who address “the question of the flower” from a multiplicity of perspectives, including anthropology, philosophy, psychology, sociology, philology, botany, neuroscience, art history, gender studies, physics, and chemistry.

As in her previous conceptual book projects – Skin and Heads and Tales – Hatry has perfected a new form, a hybrid work that is both book and conceptual art installation. Described by legendary artist Carolee Schneemann as an “alchemist of forbidden transmutations, [who] takes our perceptions and pulls them asunder” Hatry follows in the wake of the smartest of the surrealists and the most humane of the conceptualists with work that is both blasphemous and funny, moving and provocative.

In Not a Rose you will experience contemporary art at its best: it is thinking through art.

Blühen als Lieben

Im freundschaftlichen Umgang mit Blumen erlebe ich ständig zwei kritische Situationen: die erste betrifft die Frage, wie man entscheidet, einen Strauß von Blumen, gar von mehreren Arten zu gestalten oder ob man nicht vielmehr der Singularität jeder einzelnen Blume in Einzelpräsentationen huldigen müsste, um die Bewunderung durch Fülle nicht zu mindern - denn weniger ist bekanntlich mehr und Reduktion unterstützt die Konzentration. Auch fällt es leichter, einzelne Blumen anzusprechen als das Ungefähre einer großen Ansammlung. Die andere kritische Situation entwickelt sich regelmäßig, wenn es zu entscheiden gilt, wann ein "verwelkter" Strauß aus der Vase genommen werden sollte. Denn jeder kennt die allmorgendliche Überraschung, mit dem voranschreitenden Abblühen immer neue Wahrnehmungsanlässe geboten zu bekommen, wobei die Ästhetik des Verfalls nahelegt, bis zur Grenze der Entschwindung zu warten. Schönheit des Verfalls, wie man sie auch sehr alten Menschen zuspricht – Schönheit der Entschwindungen, wie sie die Erinnerung an das gerade noch Anwesende erzeugt.

Die niederländischen Maler von Blumenstillleben vermittelten schon eine Ahnung von dem Leben zum Tode, also der Vergänglichkeit, gerade wenn sie die knallende Pracht der höchsten Entfaltung von Blumenleben dem Betrachter boten. Romantiker und Expressionisten huldigten auffällig dem Formenwandel durch Vergehen des Lebens. Beckmann demonstrierte mit schwarzer Konturlinie den Übergang aus der Fülle des Lebens in die statuarische Monumentalität des Endzustands. Generell scheint mit der Vanitas-Warnung besagter Stilllebenmaler des Goldenen Zeitalters in den Niederlanden die thematische, also bildsprachliche Verknüpfung von Blühen und Verwelken durch Kontrastierung von Anschauung und Vorstellung (Antizipation und Erinnerung) den größten Effekt zu erreichen. Dafür steht etwa das Bild von Greta Garbo als Kameliendame, das jedem, der es sah, zum Inbegriff der Analogie zwischen Blühen und Lieben wurde. Dass Malen auch ein Blühen ist, bezeugte mir als jüngstes unter den vielen Beispielen voriger Jahrhunderte ein Tulpenbild von Georg Baselitz, zu dem ich Hunderte von Besuchern in die Baselitz-Retrospektive der Hypo-Kulturstiftung 1992 in München führte. Die dicht gedrängten Betrachter erfüllten den Wirkungsanspruch des Gemäldes: Öffentliches Blühen.