Im Gehen Preußen verstehen / Ein Kulturlehrpfad der historischen Imagination

Karte der Stationen  | zur Aktion "Im Gehen Preußen verstehen", IDZ Berlin 1981. Bazon Brock, Ulrich Giersch, François Burkhardt | ca. 1981, anlässlich der Vorbereitung von „Im Gehen Preußen verstehen“, vermutlich aufgenommen in der Nähe von Potsdam (Glienicke oder auf der Pfaueninsel)
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

[im Rahmen d. Ausstellung Preussen, Versuch e. Bilanz] / Internat. Design-Zentrum Berlin e.V. [Zusammenstellung: Ulrich Giersch]

2. Station Niederkirchnerstraße, Wilhelmstraße, Kochstraße

Niederkirchnerstraße: Staatliche Kunstbibliothek
Ehemaliges Reichsluftfahrtministerium
Wilhelmstraße
Markthalle III (CLOU)
Prinz-AIbrecht-Palais
Kochstraße

Niederkirchnerstraße: Staatliche Kunstbibliothek

Die heutige Niederkirchnerstraße hieß früher Prinz-Albrecht-Straße, nach dem hier gelegenen Grundstück des ehemaligen Palais 'Prinz Albrecht', das von der Wilhelmstraße bis zur Stresemannstraße verlief. Käthe Niederkirchner (1909-1944) war eine antifaschistische Widerstandskämpferin (Mitglied der KPD) und wurde von der SS 1944 im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück umgebracht.

Auf der südlichen Seite dieser Straße befanden sich folgende Bauten: Völkerkundemuseum, Kunstgewerbemuseum, Kunstbibliothek mit der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums, daran schloß sich das Prinz-Albrecht-Hotel an.

Der Bau des dritten Gebäudekomplexes Prinz-Albrecht-Straße 8 erfolgte von 1901 bis 1905. Hier zog die Staatliche Kunstbibliothek und die Lipperheide-Kostümbuchsammlung ein (zeitweilig 96000 Besucher jährlich). Kurt Glaser, ein Jude, leitete die Bibliothek in den 20er Jahren. Bruno Paul (1874-1968), Leiter der Unterrichtsanstalt, war unter anderem Zeichner für die Zeitschrift "Der Simplicissimus". Er schied 1933 aus dem Dienst aus [M1]. Nach 1933 wird der Bau von der Gestapo übernommen [M2]. Die Bestände der Kunstbibliothek werden wieder ins Kunstgewerbemuseum (Gropius-Bau) verfrachtet, und die Bildhauerwerkstätten des Kellergeschosses werden zu Gefängniszellen umgebaut. Das umfangreiche Karteisystem der Bibliothek wird durch das Fahndungsarchiv der Gestapo ausgetauscht. Später wird der Südflügel in Richtung Prinz-Albrecht-Hotel erweitert. Auf diesem Grundstück war im 19. Jahrhundert einmal ein Römerbad etabliert. In dem Hotel stieg 1929 Virginia Woolf ab. Bevor 1934 die Reichsführung SS von München hierher verlegt wurde, sprachen Hitler und Goebbels im Hotelsaal zu ihren Anhängern [M3].

Auch die ganze anschließende Zeile an der Wilhelmstraße mitsamt dem Prinz-Albrecht-Palais (1934 zog hier R. Heydrich ein) wurde Gelände des RSHA (Reichssicherheitshauptamt) [M4]. Das RSHA wurde als ein Hauptorgan der obersten SS-Führung angesehen. Gestapo und Sicherheitsdienst (SD) wurden am 27.9.1939 unter R. Heydrich (dessen Nachfolger wurde Kaltenbrunner) zum Reichssicherheitshauptamt zusammengefaßt.

"Die Gestapo war das einzige Exekutivwerkzeug des Ganzen, dessen hauptsächliches und furchtbarstes Organ, die Achse der Maschine, um die sich die anderen Teile bewegten. In ihr allein fanden die Dokumentationsarbeiten, die Sammlung und Auswertung von Nachrichten jeder Art, die wissenschaftlichen und methodologischen Untersuchungen der anderen Ämter ihren Sinn und ihren Zweck " (32)

Der labyrinthische Bau der Gestapo war die Hauptstütze und Angel des Nazismus. "Ihre technischen Meisterwerke, ihre riesigen Karteien, die ganz Europa erfaßten, und ihre Archive, die die intimsten Geheimnisse von Millionen Menschen enthielten, hatten sich in den Bränden der auf die deutschen Städte niedergegangenen Bombenteppiche verflüchtigt oder waren, aus rüttelnden Lastwagen in den Straßendreck gerutscht, zerflattert, wie es der Zufall wollte." (32)

In diesem "Generalstabsquartier aller Verfolgungsinstanzen" arbeiteten 7000 Menschen, das gesamte Personal mit Auslandsvertretungen wird auf 40000 bis 50000 Mitarbeiter geschätzt.

Auf dem Gelände befindet sich heute eine Erdverwertungsanlage. Gegenüber in der Kochstraße arbeitet die Großwäscherei Rewamat.

Materialien

[M1]

Der Begründer der nach 1870 führenden Zeitschrift "Die Modewelt", Franz Freiherr von Lipperheide hat diese Schätze voll echter Bücherluft aus der ganzen Welt zusammengetragen; er hat sie nicht, wie so mancher gewinnsüchtige Sammler, an die Meistbietenden verstreut, sondern seinem Fache und seinem Volke geschenkt als ein unvergleichliches Erbteil und Denkmal großzügiger Gesinnung. (28)

[M2]

Ich sehe in die Fenster, hinter denen die schönen Kostümbildermappen der herrlichen Lipperheideschen Sammlung in der Staatlichen Kunstbibliothek auf ruhevolle Betrachter warten. Am liebsten möchte ich aussteigen und zu den befreundeten Bildern gehen, aber heute habe ich Fremdenpflichten, darf auch in Gedanken nicht zu lange bei dieser Stätte des alten Kunstgewerbemuseums verweilen, die soviel Auswanderung erlebt hat. Der größte Teil der Sammlungen ist jetzt im Schloß. Und die Karnevalsfeste der Kunstgewerbeschüler, einst die schönsten von Berlin, finden jetzt, da die Kunstschulen nach Charlottenburg verlegt sind, im dortigen Hause statt. Ach, selbst die kleinen Feste, die nach Verlegung der Kunstschule hier im Dachgeschoß sich abspielten, sind unvergeßlich. (29)

Herbert Tucholski: Vom stillen Kampf der Künstler
Die ehemalige Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße war von den Nazis als Zwingburg ausersehen. Bei der "Machtübernahme" hatte die SS einige Sorgen mit dem Künstlervölkchen, das privilegiert unterm Dach hauste. Sie suchten noch den Schein der Legalität zu wahren: Ein harmlosheiteres "Dachkahn-Fest" nahmen sie zum Anlaß, das Nest wegen "Gefährdung der Sittlichkeit" polizeilich auszuheben. (30)

[M3]

Nr. 9: Hotel "Prinz Albrecht" (jetzt Reichsführung SS.).
In dem Saal des damaligen Hotels pflegte Hitler in der Kampfzeit zu den Reichstags- und preußischen Landtagsabgeordneten (z. B. am 19. Mai 1932) der NSDAP zu sprechen und sie zu vereidigen, da er damals beide Parlamentsgebäude grundsätzlich nicht betrat.
1932: 8. und 9. Februar:
Dr. Goebbels sprach vor geladenen Gästen anläßlich der bevorstehenden Reichspräsidentenwahl (13. März) über Ziele und Idee des Nationalsozialismus.
1934: 8. November: Der Sitz der Reichsführung SS. von München hierher verlegt. (33)

[M4]

Kurt Lehmann: Männer mit Wissen und Geist und Geschick.
Die Zellen in der Prinz-Albrecht-Straße waren wie Käfige im Zoo, wie sie die Amis auch in ihren Gefängnissen haben. Alle vier Seiten und die "Decke" aus Drahtgittern. Gerammelt voll. Wir wurden verschiedenen Verhören unterzogen. Sie wollten uns Sachen unterstellen, ob wir den kennen und den. Aber wir haben alle nichts gewußt. Geschlagen wurde ich nicht, weil ich die Bescheinigung vorlegen konnte, daß meine Uniform verbrannt war. Ich bekam 40 Tage verschärften Arrest wegen unerlaubten Entfernens von der Truppe. (34)

Ehemaliges Reichsluftfahrtministertum

Jenseits der Mauer steht das Mitte der 30er Jahre erbaute Reichsluftfahrtministerium. Der Architekt war Prof. Ernst Sagebiel (Flughafen Tempelhof). Dazu wurde eine ganze Häuserfront auf der Wilhelmstraße abgerissen, darunter auch das "Haus des Architektenvereins". Da in der Wilhelmstraße Aufmärsche stattfanden, stand die Straßenbeleuchtung nur auf der Seite gegenüber des Ministeriums. Diese Befehlszentrale für die Luftfahrt im ganzen Land sollte von "zeugnishafter Bedeutung" sein:

"Der neue Bau sucht nicht ängstlich eine Anpassung im Maßstab oder in der Einzeldurchführung. Dieses Bauwerk entsteht nach eigenen Gesetzen und gibt der Umgebung ihren Maßstab." (35)

Zugleich sollte er Modell für eine "städtebauliche Neuordnung" der Zukunft werden. In der Bauwelt von 1937 fragt sich Paulsen, ob der Sagebielsche Bau ein Ausdruck der Zeit sei. "Aber außer den vielen einzelnen Deutschen gibt es "den Deutschen", nicht die Summe, auch nicht den Durchschnittsdeutschen, sondern den Deutschen, den wir uns frei denken können von allen zufälligen Eigenschaften der einzelnen. Gemeint ist ein solcher Deutscher, in dem das Wesen der heutigen Deutschheit Fleisch wurde. Dem aber scheint mir der Sagebielsche Bau in sehr hohem Maße zu entsprechen." (36)

Kurz vor Bauabschluß hing ein großes Schild an dem Eckpfosten des Ministeriums Ecke Prinz-Albrecht-Straße/Wilhelmstraße. "Max G. Fischer, Waffen, jetzt Kochstr. 2". Etwa 25 Jahre später gibt es an dieser Stelle wieder ein Hinweisschild: "Wer uns angreift, wird vernichtet."

An der vermauerten Straßenkreuzung spielen sich nunmehr Propagandakämpfe ab. Am 29.7.1965 seilt sich eine 3köpfige Familie vom Dache des 5geschossigen ehemaligen Reichsluftfahrtministeriums (das Seil wurde an der Fahnenstange befestigt) auf das Gelände des ehemaligen Reichssicherheitshauptamtes ab, wo im Wrack eines Lastwagens das andere Seilende befestigt wurde.

Im Ehrenhof, von der Wilhelmstraße zugänglich, war nach der Währungsreform eine Wechselstube, wo man Geldsorten aus dem 3. Reich umtauschen konnte. In dem Gebäudekomplex befinden sich heute verschiedene Industrieministerien der DDR u.a.: das Amt für Preise, das Ministerium für Materialwirtschaft, die Staatliche Plankommission, das Ministerium für Glas- und Keramikindustrie, der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik.

Der Sagebielsche Bau [M5] steht zum größten Teil auf dem Grundstück Leipziger Straße 5, dessen Gebäude nach den Freiheitskriegen 1845/46 zum Kriegsministerium umgebaut wurden (und an dessen Entwurf Stüler beteiligt war).

Werner von Siemens (1816-1892) hat als junger Offizier in dem Garten seine Erfindung einer brauchbaren Schießbaumwolle dem Kriegsminister vorgeführt und entging auf diese Weise einer drohenden Strafversetzung.

Materialien

[M 5]

Ein in Stein gehauenes Dokument des wiedererwachten Wehrwillens und der wiedergeschaffenen Wehrfähigkeit des neuen Deutschland, nimmt der gewaltige Gebäudekomplex den ganzen tiefen Raum zwischen Leipziger, Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße ein. Das Gesicht dieses Straßenzuges ist dadurch neu geformt, die Mannigfalt der in verschiedenen Baustilen errichteten Einzelhäuser tritt zurück hinter dem von einem einheitlichen Bauwillen gestalteten Bauriesen, und die Straße wächst zu räumlicher Wirkung zusammen. Schon die Bauzeit stellt eine Rekordleistung dar: binnen 15 Monaten wurde der Monumentalbau fertiggestellt. In der Geschichte der Verwaltungsbauten steht dieses Bautempo ohne Beispiel da. Und einen gewissen historischen Reiz bietet es, es mit einer Rekordbauzeit Friedrichs des Großen zu vergleichen: für ein zweistöckiges Quergebäude von 180 Fuß Länge, also etwa 54 Meter, das an die königliche Porzellanmanufaktur angebaut werden sollte, gab Friedrich im Oktober 1765 Befehl zur Vollendung bis Ende des Jahres. Das bedeutete so unerhörte Anforderungen an die Leistungen von Baumeister und Bauleuten, daß man in nervöser Eile schlechte Mauersteine zu Hilfe nahm und - der ganze Bau bald nach seiner Fertigstellung wieder einstürzte. Der stolze Bau des Reichsluftfahrtministeriums, der für alle Zeiten "fest gemauert in der Erden" dasteht, spricht eine anschauliche Sprache von dem ungeheuren Fortschritt der Baukunst und der Bautechnik in diesen 170 Jahren.

Architektonisch stellt das weitverzweigte Reichsluftfahrtministerium einen neuen Typ des Monumentalbaues von plastischer Geschlossenheit dar, der beweist, daß Monumentalität nichts zu tun hat mit brutaler Massenausführung und aufdringlichen Einzeleffekten, sondern eine geistige Angelegenheit ist. Wir bewundern gerade den Rhythmus der Gliederung dieses Baues in dem der gestraffte militäische Wille künstlerischen Ausdruck erhalten hat. Unser kunstliebendes Auge freut sich an den klaren, schlichten Linien, an der klangvollen Aufteilung des Raumes, an spärlichem, aber in seiner geradlinigen Einfachheit schönem Ornament. (37)

Wohl wenige ahnen, wieviel Schönheit im Innern dieses nach außen hin strengen, festungsartigen Gebäudes lebt, wo Herrmann Göring als Hausherr waltet und Hunderte mit ihm arbeiten. Die Ideale des soldatischen Fliegers, der wie kein anderer stets zum Einsatz und Opfer bereit sein muß, haben hier einen vollendeten, künstlerischen Ausdruck gefunden.

Schon die nahe dem Haupteingang gelegene Fahnenhalle und ebenso der Raum des "Goldenen Buchs", in das alle gefallenen Flieger eingetragen sind, lassen uns das empfinden. (38)

Wilhelmstraße

Lange vor dem Mauerbau markierten Zimmer- und Prinz-Albrecht-Straße hier einen Grenzverlauf: Auf dem oberen Teil der Wilhelmstraße (jenseits der heutigen Mauer), befanden sich die Regierungsgebäude, und auf ihrem unteren Teil war sie die Straße der Antiquitäten-, Teppich- und Bilderhändler. Noch weiter südlich, in Richtung Mehringplatz, war die Wilhelmstraße ursprünglich Siedlungsgebiet für Gewerbetreibende und Handwerker, insbesondere für böhmische Einwanderer.

Materialien zur Wilhelmstraße

Rundfahrt:
Unser Führer verkündet in seltsam amerikanisch klingendem Deutsch: Hier kommen wir in die Regierungsstraße Deutschlands. Still ist es hier, fast wie in einer Privatstraße. Und altertümlich einladend stehen vor der diskreten gelbgetünchten Fassade, hinter der Deutschlands Außenpolitik gemacht wird, zwei großscheibige Laternen. Was für ein sanftes Öllicht mag darin gebrannt haben zur Zeit, als sie zeitgenössisch waren? (39)

Wilhelmstraße.
Eine Straße, die ein Begriff geworden ist! Was Downing Street für England, Quai d'Orsay für Frankreich, das ist die Wlhelmstraße für Deutschland: die sinnbildliche Bezeichnung für die auswärtige Politik, die sie dem in ihr befindlichen Ministerium des Auswärtigen verdankt. Und mehr noch: sie ist die einzige Straße der Welt, die fast geschlossen alle Reichs-Ministerien auf ihrem Boden vereint. Im wahrsten Sinne des Wortes das deutsche Regierungsviertel. Ein Rundgang durch die Wilhelmstraße bedeutet ein Wandeln durch die deutsche Politik, ein Hineinblicken in das Hirn Deutschlands, in dem heute seine lebendige Geschichte gestaltet wird. Und keiner wohl betritt die Wilhelmstraße ohne den lebhaften Wunsch, den Mann zu sehen, dessen starke Persönlichkeit zum Sinnbild des neuen Deutschland geworden ist und der von hier aus die Geschicke des Reiches lenkt: den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. (40)

Die Wilhelmstraße sollte nach des Königs Willen eine Palaststraße, das Schmuckstück der Residenz, werden. Daher ließ er das ganze Gelände in große Parzellen aufteilen. Die Parzellen gab er unentgeltlich seinen hohen Staatsbeamten mit der Weisung zu bauen. Sie mußten hier, ob sie wollten oder nicht, stattliche Paläste errichten, die ihrer Stellung bei Hofe und in der Gesellschaft entsprachen. Reichspräsidentenpalais, Reichskanzlei, Auswärtiges Amt, Propagandaministerium und viele andere: sie alle weisen zurück auf jenen Hohenzoller, der mehr als jeder andere vor und nach ihm hart und stark, sparsam und selbstlos "Gemeinnutz vor Eigennutz" stellte, und dadurch nicht nur der eigentliche Begründer der Großmachtstellung des preußischen Staates, sondern auch einer der eifrigsten Förderer seiner Hauptstadt wurde. (41)

Wilhelmstraße Ecke Kochstraße: Eine amerikanische Panzerpatrouille fährt bis unmittelbar an die Mauer vor dem "Haus der Ministerien", dem ehemaligen Lufffahrtministerium, heran, ihre Scheinwerfer leuchten auf, ein paar Vopos lugen über die Mauer. Ein einsamer Jeep mit einem amerikanischen Offizier bleibt an der Ecke Kochstraße stehen, von den Menschen angestarrt. Eine Rotte von Jugendlichen, offensichtlich angetrunken, zieht mit ihren Mädchen vorbei, auf Radau gestimmt. Ein Einsatzwagen des Überfall-Kommandos folgt ihnen langsam, um notfalls eingreifen zu können. Die Jugendlichen brüllen "Berlin bleibt frei", aber das klingt hier unecht, sie könnten ebensogut etwas anderes schreien, aus Freude am Lärmen. Der amerikanische Offizier schüttelt den Kopf, und die Berliner an seinem Jeep lachen. Ein Gespräch entspinnt sich, gedolmetscht von einem Studenten.
"Haben die drüben auch Panzer in der Nähe?" Der Offizier nickt: "Sieben Stück." Er zeigt mit der Hand die Richtung an. "Und wenn die nun rüberkommen?" Der Amerikaner lächelt: "Sie kommen nicht!" (42)

Auf freiem Feld sind die West-Berliner Lautsprecher bis auf eine Entfernung von vier Kilometer verständlich zu hören. Im Stadtgebiet beschränkt sich die Reichweite auf ein bis zwei Kilometer. In der W'lhelmstraße, der nächsten Station der Lautsprecher, sind in einiger Enffernung auf Ost-Berliner Gebiet kleine Menschengruppen zu beobachten, die offensichtlich zuhören. Manchmal treiben die Volkspolizisten die Menschen auseinander. Sie selbst reagieren unterschiedlich, die einen zeigen einen "Vogel" über die Mauer andere richten die Waffen auf die Lautsprecherwagen, wieder andere machen nachdenkliche Gesichter. In frontaler Lautstärke vom ideologischen Gegner direkt angesprochen, fühlen sich alle beobachtet von dem Mann neben ihnen. Was bei dieser akustischen "Massage" in ihnen vorgeht, ist nur schwer zu sagen. Mit der Zeit jedoch nimmt auch der Lautsprecherkrieg Vertrautheit an. Als einmal der Westsprecher über die Grenze hinweg fragt, ob man denn besondere Musikwünsche habe, macht einer der Volkspolizisten eine tanzende Bewegung.

Gegen den ideologischen Lautsprechereinsatz an der Mauer sind die Ostbehörden machtlos. So drohen sie denn den Sprechern auf West-Berliner Seite man kenne die Kennzeichen ihrer Wagen und auch die Namen der Insassen. Das Urteil wegen Anführung zur Fahnenflucht und Gefährdung der Grenze sei über sie schon gesprochen und werde bald vollstreckt. (43)


Markthalle III (CLOU)

Das erste Haus auf der Zimmerstraße jenseits der Mauer (von der Aussichtsplattform an der Wilhelmstraße aus gesehen) ist das Vordergebäude der ehemaligen Markthalle III. Dieser Baukomplex interessiert uns einerseits, weil die hygienischen Probleme, die zu seiner Entstehung führten auch dem Bau des Radialsystems III (Pumpwerk an der Schöneberger Straße) zugrundelagen, und andererseits, weil er von der Gestapo kurze Zeit vereinnahmt wurde, um volkshygienische Maßnahmen in die Wege zu leiten. Die kurze Geschichte der Markthalle III ist eine der permanenten Umfunktionierungen, wo ein Extrem so lange ins nächste kippt, bis das Ganze explodiert.

In der unmittelbaren Nähe dieser Markthalle, auf dem Grundstück der Familie Mendelssohn wuchs Sebastian Hensel (geb. 1830), Sohn des berühmten Porträtmalers Wilhelm Hensel (der wiederum ein Schwager von Mendelssohn-Bartholdy war) auf. In seinen Lebenserinnerungen schildert er recht drastisch die hygienischen Mißstände, die damals in den Berliner Straßen geherrscht haben und das Straßenleben im Sommer durch Sand und Staub, im Winter durch stinkenden Schlamm zur Qual machten. Auch die öffentlichen Märkte der Stadt waren an der Produktion von offen daliegendem Unrat direkt beteiligt:
"... das Chaos von alten Kohlblättern, Käsepapieren, Heringsschwänzen und Zwiebelschalen wurde stundenlang zusammengefegt. Nur der abscheuliche Gestank war nicht zu vertilgen." (44)

Mit der Lösung dieses Problems waren das Polizeipräsidium und die städtischen Behörden schon seit der Mitte des 19.Jahrhunderts beschäftigt. Durch den Bau einer Kette von 14 Markthallen - an deren Planung Sebastian Hensel anfangs noch mitarbeitete - wollte man solchen Zuständen abhelfen und nachhaltig dafür sorgen, daß
a) die Straßen und Plätze nicht durch zurückbleibenden Unrat verschmutzt wurden
b) das chaotische Marktgeschehen, was auch den Verkehrsfluß stark beeinträchtigte, in eine übersichtliche Ordnung gebracht wurde
c) der Verkauf witterungsunabhängig wurde, so daß die Waren vor Staub, Bakterien etc. geschützt waren
d) die Zwischenhändlerringe - das preistreibende Hökerwesen - kontrollierbar und unterbindbar wurde
e) die Einkaufszeiten nicht nur auf wenige Tage und Stunden beschränkt blieben und die Versorgungslage der rapide zunehmenden Bevölkerung durch eine rasche und ständig modernisierte Belieferung verbessert wurde.

So wie Hobrechts Kanalisationssystem etwa zehn Jahre zuvor die in überirdischen Straßengräben mehr stehenden als fließenden Abwässer der Häuser in die unteriridische Unsichtbarkeit leitete, wo sie dann in Pumpwerken gesammelt und mit hohem Druck auf die Rieselfelder außerhalb der Stadt gepumpt wurden, hatte man nun das sich offen im Straßenraum ausbreitende Marktgeschehen in einem Innenbau konzentriert, wo die Verkäufer-, Kunden- und Warenströme bedeutend klarer kanalisiert werden konnten. 1886 wurde die Markthalle III neben zwei anderen Kleinverkaufshallen eröffnet. Auch Sparmaßnahmen hatten dazu beigetragen, daß sie innerhalb eines Häuserblocks errichtet wurde, wodurch man auf besondere Fassadengestaltung verzichten konnte. Diese Form von Unsichtbarkeit teilte sie auch mit der zwei Jahre später eröffneten Philharmonie, die sich in der nahegelegenen Bernburger Straße befand. Auf diese Weise verwandelte sich die Markthalle in ein Inneres Organ und ihre Abschrägung - (verursacht durch die Straßenführung entlang der ehemaligen Stadtmauer: Mauerstraße) -, in deren Mitte der keilförmige Zugangsschlauch von der Mauerstraße mündete, bewirkt, daß man die Architektur mit der Anatomie eines Magens vergleichen möchte. Von der Mauerstraße her war auch die große Speisewirtschaft zugänglich, die noch nach Marktschluß geöffnet hatte. Die verspeiste Nahrung verläßt den Magen durch den Pförtner, eine Art Magenpolizei, vergleichbar dem noch übriggebliebenen Vordergebäude an der Zimmerstraße: hier waren neben Sparkassenräumen das Fleischbeschauamt und die Marktpolizei untergebracht. Durch den Wegzug der Wohnbevölkerung aus der Innenstadt, die Neuetablierung riesiger Lebensmittelabteilungen in den Kaufhäusern, in welche die Kundschaft unter anderem durch konkurrenzlose Tiefstpreise für Lebensmittel gelockt wurde, sowie eine ganze Kette von in Kellergeschossen angesiedelten Gemüseläden wurde die Institution der Markthallen schon nach kurzer Zeit unrentabel.

Im Jahre 1910 wird die Markthalle III zum größten Konzerthaus von Berlin umgebaut. Von nun an nennt sie sich der "CLOU". Am 27.9.1912 berichtet die Berliner Morgenpost von der Saisoneröffnung des "Riesenetablissements":

Durch grüne Laubengewinde und entsprechende Malereien ist die Halle in einen großen Garten verwandelt worden, Der Eröffnungsabend brachte das erste Konzert des von dem bekannten Komponisten Franz von Blon begründeten Berliner Konzerthaus-Orchesters."
Und der Berliner Großstadtführer Berlin für Kenner' (1913) charakterisiert den CLOU ein Jahr später folgendermaßen:

"Ein Lokal, in dem sich nachm. zum 'Promenadenkonzert' (freier Eintritt) das kleinbürgerliche Berlin mit Strickstrumpf und Häkelarbeit versammelt. Im großen Mittelgang ist der Korso der jungen Welt. Abends ebenfalls viel Familienpublikum, doch schon gemischter. Nachm. bis 7 Uhr spielt meist eine Militärkapelle, abends eine Kostümkapelle wie Tegernseer, Zigeuner usw. Eintritt nach 7 Uhr 50 Pf. Bier und Speisen zu billigen Preisen."

Das schmale Hauptschiff blieb also weiterhin Flaniergang, in den beiden Seitenschiffen waren nun statt der Warenstände (damals 353 an der Zahl) Tische mit Sitzplätzen aufgestellt worden.

Im Vordergebäude zur Zimmerstraße waren im Laufe der Zeit unter anderem die Stadtbibliothek sowie einige Sammlungen des Märkischen Museums untergebracht. Später zog hier die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz ein.

Während der wirtschaftlichen Krisenzeit fand auch eine Arbeitslosenspeisung statt. Im Berliner Landesarchiv gibt es ein Foto mit der Aufschrift: "Im Rahmen der Fischwerbewoche wurden von der Stadt 1000 Stellungslose in dem Etablissement CLOU gespeist." Von Zeit zu Zeit wurde das Lokal von politischen Vereinigungen angemietet. Am 1. Mai 1927 sprach Adolf Hitler hier zum ersten Mal in Berlin vor einem größeren Publikum. Etwa 5000 Menschen waren anwesend: Der sozialdemokratische Polizeipräsident verbot daraufhin die NSDAP in Berlin.1943 wurde dann die ehemalige Markthalle III noch einmal zum Ort einer Säuberungsmaßnahme ganz anderer Art: Die Gestapo machte Berlin "judenfrei". Am 27.2.1943 begann sie mit der sogenannten "Fabrik-Aktion". Diejenigen Juden, welche durch ihren Arbeitseinsatz bislang vor der Deportation verschont geblieben waren, weil sie in kriegswirtschaftlich wichtigen Fabriken arbeiteten, wurden von der Gestapo ohne vorherige Mitteilung direkt von ihren Arbeitsplätzen in Sammellager gebracht. Die SS-Fahrzeuge fuhren die Juden in eines der vier neuen Sammellager: den Konzertsaal CLOU.

In dem magenartigen Bau, kurz zuvor noch eines der Zentren von Handel und Vergnügen, drängte man nun hunderte von Menschen zusammen, die bald darauf in Konzentrationslager abtransportiert wurden. Die Markthalle III wurde während des Krieges durch Sprengwirkung zerstört.


Prinz-Albrecht-Palais

Bevor das ziemlich heruntergewirtschaftete "Ansbachische Palais" 1830 in den Besitz des Prinzen Albrecht überging (1809-1872), und dann durch Schinkel [M6] umgestaltet wurde, sei die wüste Vorgeschichte des Grundstücks kurz referiert:
Der ursprüngliche Bau verdankt seine Entstehung unter anderem einem Liebeshandel.

Der durch Geldspekulation in Paris reich gewordene und von dort nach Berlin geflüchtete Baron Vernezobre de Laurieux sollte seine Tochter auf Wunsch des Königs Friedrich Wilhelm I. mit einem Hauptmann der königlichen Armee verheiraten. Um sich von diesem Befehl loszukaufen, mußte ein Haus auf der Friedrichstadt gebaut werden: "Denn was hilft denn Vernezobre das viele Geld, wenn er es nicht will mit zur Zierde der Stadt anwenden."

Der Baron war einer der vielen bauunwilligen Bürger, die dann plötzlich gezwungen waren, einer königlichen Baubewilligung schleunigst zu willfahren. Hernach diente das Palais unter anderem "als Musikkonservatorium und Armenspeisungsanstalt, als französisches Feldpostamt, Gemäldegalerie, Wohltätigkeitsstiftung, Baumwolldepot und Standort einer öffentlichen Drehrolle, daneben zeitweilig als fürstliche und Pensionärwohnung, als Impflokal und Wohnsitz einer türkischen Huldigungsdelegation, bis es endlich an den Prinzen Albrecht fiel." (45)

Der nach französischer Manier in geometrische Parzellen gegliederte Garten wurde von Lenne ab 1820 umgestaltet. Wir finden von nun an hier Elemente des englischen Landschaftsgartens. Unter anderem installierte Lenné Sichtschneisen, wie z. B. das schon erwähnte ,Aha'. Der Garten besaß eine Orangerie, ein Dampfmaschinenhaus (für den Fontänenbetrieb), eine Reithalle, ein Marstallgebäude und ein Ananashaus. Die letzten drei Gebäude wurden 1926 aufgrund des geplanten Europa-Hochhaus-Komplexes abgerissen. Auch gab es 1837 eine gern besuchte Eisrutschbahn: "Ein paar Mal schon haben diese Rutschpartien selbst bei Abend und bei brillanter Illumination mit Trompetenmusik die bei Albrecht de Rigueur ist, stattgehabt und sollen viel Beifall gefunden haben." (46)

Nach dem Tode von Prinz Albrecht erlebte das Palais wieder eine bunt wechselnde Benutzergeschichte. 1928 war es Gastquartier des Königs Aman Ullah von Afghanistan. 1935 Hauptquartier des RSHA. Am 22.11.1944 brannte es nach einem Bombenangriff aus und wurde im Mai 1949 gesprengt. Der einzigartige Baumbestand des Parkes wurde von der frierenden Bevölkerung verheizt. Die Trümmer des Palais dienten unter anderem zur Begradigung des Flughafens Tegel. Auf dem ehemaligen Gartengelände wurden in den letzten Kriegstagen russische Gefallene begraben; ihre Leichen kamen aber kurze Zeit später nach Treptow. Danach verwilderte das Gelände, Stadtstreicher wohnten hier in selbstgebauten Hütten und gruben sich kleine Erdhöhlen, bis der Senat einen Teil des Grundstückes an Harry Toste, den Intendanten eines Transvestitenlokales, ("Dreamboy's Lachbühne") verpachtete. Seitdem ist es ein Autodrom: Fahren ohne Führerschein. Vorherrschender Baumbestand sind nunmehr Akazien.


Materialien

[M6]

Schon früh wird er als "leidenschaftlicher Kavallerist" bezeichnet, ja, seinem Vater dem König schreibt man die Bemerkung zu, daß Albrecht einen "vorzüglichen Stallmeister" abgegeben haben würde. Er blieb dann auch der Kavallerie treu, bei der er es 1852 zum General brachte.

Im Gegensatz zu den Stadtwohnungen aller seiner Brüder und nächsten Verwandten war es dem jugendlichen Bauherrn möglich, in seinem großen Park durch Schinkel Stallungen von besonderer Größe sowie eine gedeckte Reithalle erbauen zu lassen und sich längs der Grenzmauer sogar einen sogen. "Sprunggarten" mit Hindernissen anzulegen. (47)

Ein Umbau durch Schinkel (1830 bis 1835) ließ das Äußere des Hauptgebäudes bestehen, erhöhte jedoch die Seitenflügel und setzte an Stelle des diese verbindenden niedrigeren Quergebäudes an der Straßenfront die heutige jonische Säulenhalle mit zwei seitlichen Einfahrten. Das Innere erfuhr durch Verlegung der Haupttreppe in die Mittelachse sowie durch neue gemalte Dekorationen, die zu den anmutigsten Schöpfungen des Meisters gehören, wesentliche Veränderungen.

Der Grundriß entspricht sowohl in der Gesamtanlage, mit zurückliegendem Wohnflügel und zwei vorspringenden Seitenflügeln, als auch in der Raumanordnung des Hauptgebäudes durchaus dem zu Anfang des 18. Jahrhunderts in Frankreich ausgebildeten Typus vornehmer Adelspalais. Auch die äußere Architektur bekundet den Einfluß französischer Vorbilder. Das Mittelrisalit der Ostfront wird im Erdgeschoß durch gekuppelte Wandsäulen, in den oberen Stockwerken durch Pilaster gegliedert. Die Gartenfront zeigt im ersten Stock vor dem durch Pilaster gegliederten Mittelrisalit einen auf Konsolen ausgekragten Balkon. Das dritte Stockwerk über dem Hauptgesimse ist als Attikageschoß ausgebildet. (48)

Kochstraße

Die Säulengänge vor dem Ehrenhof des Prinz-Albrecht-Palais [M7] bildete einstmals den westlichen Abschluß einer historischen Achse, die an der Jerusalemer Straße von der Jerusalem-Kirche (auf einem Teil des Gelände befindet sich heute das Axel-Springer-Hochhaus) begrenzt wurde. Dadurch war in der Kochstraße ein städtischer Orientierungsraum gebildet, der in der sonst vorherrschenden Endlosigkeit der übrigen Straßenzüge in der Friedrichstadt (fast alle ohne bemerkenswerten optischen Fluchtpunkt) eine Ausnahme darstellte.

Zwischen diesen beiden "points de vues" erstreckte sich das Berliner Zeitungsviertel, vermischt mit zahlreichen Vergnügungslokalen. In diesem Viertel standen die "Festungen des Geistes", [M8] die Verlagshäuser Mosse, Scherl und Ullstein. Der Turm (1837 von Schinkel anstelle des schadhaften alten Turmes errichtet) der Jerusalem-Kirche, überragte das ganze Zeitungsviertel. Im 15. Jahrhundert wurde sie als "Capelle Hierusalem" (Teil einer Hospitalanlage) gegründet. Mit 1366 Plätzen wurde sie später eine der größten Kirchen Berlins. Im Jahre 1941 verkaufte die nationalsozialistische Regierung die Kirche an den rumänischen Staat, der sie nach griechisch-orthodoxem Vorbild umgestaltete. Sie wurde im Kriege zerstört.

Das in "jüdischen Händen" befindliche Ullstein-Haus wurde 1937, nachdem es ein "nationalsozialistischer Musterbetrieb" geworden war, in "Deutscher Verlag" umbenannt. Auf dem Grundstück Nr. 13, noch vor der Friedrichstraße - von uns aus gesehen -, stand das Friedrich-Wilhelm-Gymnaslum, das mit 800 Schülern zu den größten Schulen Preußens gehörte. 1940 wurde die Schule geschlossen und von der Organisation Todt neu besetzt (1944 zerstört).

An der Ecke Kochstraße (südliche Seite)/Wilhelmstraße hatte der schon erwähnte Waffenhändler M.G.Fischer sein Geschäft. Schräg gegenüber befand sich damals einer der ältesten Verlage Berlins: I.S.Mittler & Sohn, deren Fachgebiet die Herausgabe von militär- und marinewissenschaftlicher Literatur war (unter anderem die Werke Helmuth v. Moltkes).


Materialien

[M7]

Neben diesem Palais befand sich folgendes Gebäude:
Wilhelmstr. 106 (Bez. Kreuzberg) Sitz der "Angriff"-Redaktion
Sitz der Redaktion des "Angriffs" vom 15. Oktober 1932 bis zum Jahre 1934 (vorher: Hedemannstr. 10), vom 23. Juli bis Ende 1934 Sitz der Adjutantur des Stabschefs der SA, dann der SA-Gruppe Berlin-Brandenburg (bis 22. Januar 1937. (50)

[M8]
Zeitungsviertel:
In der südlicheren Friedrichstadt stehen ein paar großmächtige Häuser, alte Festungen des Geistes, umgebaut und ausgebaut, einladend mit breiten Fensterflächen, drohend mit Steinbalustraden, verlockend und abwehrend, schöne gefährliche Häuser. Sie gehören sagenhaften Königen und Königsfamilien, die Ullstein, Mosse und Scherl heißen. (49)

(28) H. Erman, Berlin-Geschichte v. Geschichten, Berlin 1953, S. 219 f

(29) R. Jessen, Die staatliche Kunstbibliothek in Berlin, Berlin 1924, S. 19

(30) E. Hessel, Spazieren in Berlin, Leipzig 1929, S. 59 f

(31) H. Tucholski aus: Die Weltbühne, 1967, Nr. 26, S. 821

(32) J. Delarne, Geschichte der Gestapo, Düsseldorf 1964, S. 187

(33) J.Delarue, a.a.O., S. 355

(34) J. K. Engelbrechten, a. a. O.

(35) Kurt Lehmann, aus: J. Köhler, Klettern in der Großstadt, Berlin 1979

(36) Bauwelt 1936, Heft 9

(37) Bauwelt, 1937, Heft 8

(38) Zührs gelbe Reise- und Stadtführer, Berlin - Die Hauptstadt des Reiches, Bd. 20, 1936, S. 54 f

(39) H. Nostiz, Berlin - Erinnerung und Gegenwart, Berlin 1938

(40) F. Hessel, a. a. O.

(41) Berlin - Die Hauptstadt des Reiches, a. a. O., S. 51

(42) E. Ziemann, Adolf Hitler gewinnt Berlin, Berlin/Leipzig o. Jg., S. 9

(43) Tagesspiegel 29.8.1961

(44) FAZ,10.11.1961

(45) S. Hensel, Ein Lebensbild, a.a.O., S. 342

(46) Berliner Morgenpost, 21.11.1971

(47) F. Wendland, a. a. O., S.102

(48) K. F. Schinkel, Lebenswerk, Berlin 1954, S. 119 f

(49) Mitteilung d. Verein f. d. Geschichte Berlins Nr. 9/1898, S. 117

(50) E Hessel, a. a. O., S. 275