Liebe deine Stadt

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Liebe deine Stadt
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Auszüge aus einem Gespräch mit Jörg Leeser und Bazon Brock zum Gebäude des Monats 08/2005; LIEBE DEINE STADT. Öffentliche Angelegenheiten Köln.

Zitate von Bazon Brock

"Die große Enttäuschung - und Enttäuschung ist ja die Aufhebung von Täuschbarkeit - über den Rausch des Fortschritts im naiven Sinne der 60er Jahre ist, dass wir heute einen verlässlichen Fortschrittsbegriff haben. Nämlich diejenige Gesellschaft ist am fortschrittlichsten, in der die größte Anzahl ihrer Vergangenheiten vergegenwärtig gemacht wird.Denn Geschichte ist nichts anderes als gewesene Zukunft, also ist der Historiker der einzige vernünftige Zukunftsforscher."

"Jetzt sieht man, dass die Wirklichkeit einbricht, ohne dass man intervenieren kann. Was früher Wirklichkeit repräsentierte, nämlich das Schicksal das ist heute die Konjunktur. Die wirtschaftliche Entwicklung schert sich trotz aller Beschwörungen und Investitionen und parlamentarischer Beschlüsse keineswegs um unsere Belange. So entwickeln wir jetzt Kultformen der Anbetung der Wirklichkeit."

"Eine Stadt, in der die Beliebigkeiten der gesellschaftlichen Paarungen entscheidend sind, zeigt, dass in der Ökonomie am wenigsten ökonomisch gedacht wird. Köln ist zu Kunststadt, zur Religionsstadt geworden, weil man in dieser Wüste der Verkommenheit, in der es keine Verlässlichkeit, nicht mal die der Ökonomie gibt, natürlich nur schleunigst in die Vorstellung des Schönen, Wahrun und Guten ausweichen kann."

"Da, wo man keine Rücksicht nehmen will, weder auf die Natur, noch auf den Ökohaushalt, noch auf die Geschichte, da sagt man, man muss die Kraft zur Zerstörung haben. Am Ende ist alles Zerstörung, aller Bombenterror, alles Abreißen ist immer schöpferisch, weil es ja zerstört. Und das ist natürlich ein heikler Blödsinn. So sind die Konservativen diejenigen, die die sagen, man muss die Kraft zur Zerstörung haben, denn sonst entsteht nichts Neues. Na, da bitte ich mal den lieben Gott zur Stellungnahme in Köln."

"Liebe deine Stadt heißt: Bemerke, dass wir nicht in Stein und Beton leben, sondern in Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen. Überziehe dieses amorphe Trümmerfeld, diese chaotische Landschaft Köln, diesen Spielball von Willkürelementen des Klüngels, überziehe die mit historische Würde, mit Erinnerungsbedeutung und richte dann die Stadt als eine geistige Landschaft ein, Versuche in dem realen Stadtgelände einen Pfad der historischen Imagination zu entwickeln, zeichne diese historische Imagination aus und reichere eben das Elend der Gegenwart mit den erweiterten Vorstellungen theologisch-spiritueller, geistiger, literarischer, künstlerischer Art soweit an, dass man sagen kann: Es lohnt sich in diesen Trümmern zu hausen."