Jochen Rindt Memorial

WeltenbürgerInnen #5

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Ausstellung und Medienprojekt zum berühmten Grazer JOCHEN RINDT
AUSSTELLUNG (1.November 2007 - 24.Februar 2008) mit Werken von Heimo Zobernig, Franz West, Anna Jermolaewa, G.R.A.M., Andreas Leikauf, Gert Mosettig, Jack Bauer, Max Gansberger, Anton Herzl, David Staretz, Clemens Fürtler, Timm Ulrichs, Gustav Troger, Alexander Baldele, Josef Schützenhöfer, Leo Schatzl, David Moises, Gottfried Bechtold, Hans Hollein, Peter Weibel, Bazon Brock

BOOKLET (Ausstellungsbücherl 2007)
mit Beiträgen u.a. Arnold Mettnitzer, Andreas Maislinger, Annette Rainer, Annette Kravanja, Joachim Baur, Bazon Brock, Peter Weibel, Erich Walitsch, David Staretz, Wolfgang Philipp, Peter Schwarzenberg,

SICH SELBST ERFÜLLENDE HOFFNUNG: EWIGKEITSMOTOREN

Es steht geschrieben, Jochen Rindt genieße noch immer eine Verehrung wie vor 40 Jahren. Damit diese Behauptung nicht als Medienmache, als popige Nekrophilie und Bravo-Ruf aus dem Teeniezimmer abgetan werden kann, sollten wir alles daran setzen, die Behauptung, Jochen Rindt lebt, zu bestätigen - und das um so nachdrücklicher, als die Mühen für das Fortleben der Toten in jeder Kultur aller Zeiten als die vornehmste Verwirklichung des Menschseins gelten.

Wir rufen auf zur Entwicklung eines Monuments für den Beweis der dauerhaften Anwesenheit Jochen Rindts im Stadtraum von Graz!

Als beispielhaft für ein derartiges Monument erwähne ich die Installation einer sich selbst erfüllenden Verheißung des ewigen Lebens: vor einer in den Boden gelegten Schrifttafel, auf der nach Art von Grabbeschriftungen mitgeteilt wird, Herr XXL habe den tiefsten Eindruck auf dieser Welt mit seinen Füßen hinterlassen, ist ebenfalls in den Boden eingelassen ein Sandfeld von 50 x 50 cm. Wer mit beiden Füßen in die Sandfläche tritt und dort die entsprechenden Abdrücke hinterlässt, erfüllt die Behauptung der Schrifttafel. Derartige Vorrichtungen zur Begründung der Hoffnung, dass ewiges Leben als Leben der Lebendigen gelingt, könnte man als Gottesmaschine etablieren. Das wäre ein wahrhaftes Auto-Mobil, also der bewegte Beweger: Jochen Rindt auf der zirkulären Rennstrecke des Lebens, via sacra hin und via profana zurück. Wer es besser wissen will:
Robert Musil "Mann ohne Eigenschaften" Kapitel "Heilige Gespräche" - Ulrich klassifiziert die Pilgerwege nach ihrer Eignung für das Befahren mit Kompressormaschinen. Und Ulrich ist der österreichische Johannes des Weltdurchschnellenden Jochen Rindt.

In den 60er Jahren pflanzte mir die Frankfurter Universitätsbuchhändlerin Melusine Huss die sich selbst erfüllende Italophilie ins Gemüth. Als derart veredelt las ich meine großen Vorgänger von Gregorovius über Burckhardt bis zu Peterich und Gustav Farber mit dem uneingeschränkten Willen, alles dranzusetzen, damit sich erfülle, was bei ihnen geschrieben steht. Geschrieben stand, es würden bis auf den heutigen Tag in der Kathedrale von Palermo am Sarkophag des stupor mundi Federico Secondo von Menschen unterschiedlichster Herkünfte und Zugehörigkeiten Blumen und andere Zeugnisse der Verehrung niedergelegt. Also machte ich mich schleunigst auf, diese Behauptung durch meine Verehrungsgaben zu belegen.