Der Freitag

Cervantes' Erben

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Ökologie & Ästhetik Aufregerthema Windräder: Was die Dinger am Landschaftsbild zerstören, kann durch Fantasie wieder wettgemacht werden. Texte von Bazon Brock, Iris Hanika, Peter Weibel u.a.

Windkraft. Nein danke!

Seit Jahren treibe ich mit meinen Mannen experimentelle Kulturgeschichtsschreibung. Wir verifizierten Nietzsche in Amerika als Rodeoreiter in den Wildwestshows oder Heidegger als Varietédirektor zwischen den badekostümierten Sirenen Hannah Arendt und der Reformpädagogin Elisabeth Blochmann; wir rekonstruierten Luthers Tintenfasswurf auf der Wartburg und ließen Herkules im Schöneberger Pumpwerk den Augiasstall der Berliner Politik reinigen.

Nun habe ich einen Traum: Eine wilde, verwegene Jagd mittelreizvoller junger Damen und gepflegter HerrInnen aus den hiesigen Reitervereinen stürmt als Kavalleriekohorte von Berlin aus westwärts, um den nächstbesten Windradpark von den Schreckensriesen des Politopportunismus zu befreien. Es glänzen die Müllkübeldeckel als Armschilde, hochgereckte Speere aus dem Depot der Zehnkämpfer heben den Horizont auf. In sopranesker Schrille und tenoraler Pressung schallt der Kampfruf „Windkraft? Nein danke!“ Reiten, reiten für Deutschland, damit sich die Wahrheit von Weltliteratur erweise.

Wir werden beweisen, dass das spanische Nationalepos des Cervantes eine prophetische Botschaft enthält. Sie lautet: Alles, was man in einer vergangenen Epoche für eine bloße Phantasmagorie, für eine Gespensterei exaltierter Seelen hielt, wird in der Zukunft dieser Vergangenheiten Wirklichkeit. Denn das sozialpsychologische Grundgesetz besagt: What people believe to be real, is real in its consequences. Kann man aber dem, was man als bloße Gefahrherbeiphantasiert, auf gleiche Weise entgegentreten wie den realen Gefahren? Das gilt es herauszufinden. Eben das ist Aufgabe experimenteller Geschichtsschreibung.