Kulturvermittlung unter dem Kommerzialisierungsdiktat für Künste und Wissenschaften

Private, merkantile gegen soziale, republikanische Öffentlichkeit

Vortrag Kulturvermittlung | Flyer, FH Potsdam, 21.10.2013. Fachhochschule Potsdam
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Ort:

Campus Pappelallee der FH Potsdam
Haus 3
Hörsaal H3 112

Kontakt:

Arthur Engelbert (engelbert@fh-potsdam.de)

Erstaunlicherweise propagieren alle Parteien und Institutionen das ehrenamtliche Tätigwerden der Bürger. Die andere Seite wäre dann die von striktem kommerziellen Egoismus geprägte Unehre. Das wird niemand eingestehen wollen. Also bleibt es dabei, dass "Ehrenamtlichkeit" die Selbstausbeutung oder die Fremdausbeutung kaschieren soll - sozusagen Kapitalismus für Dumme.

Allzu häufig galt Kulturvermittlung als Überredung zum Einverständnis, sich im angeblichen Interesse höherer Zwecke als dem Geldverdienen ausbeuten zu lassen und dafür noch dankbar zu sein. Logik: Es ist besser einen 1-Euro-Job zu haben als gar keinen. Dieses priesterliche Verständnis von Vermittlung zwischen Leiden und Dankbarkeit hat in den berüchtigten Kulturpädagogiken schlimme Folgen gezeitigt. Volkshochschulkurse blühten, die demonstrieren wollten, wie man lernt, sich selbstbewusst für einen Künstler halten zu dürfen, ohne einer zu werden. Denn der Künstlerstatus wird heute nicht mehr durch das Feuilleton oder Auswahlgremien bestätigt, sondern ausschließlich durch den Marktwert. Am Kunstmarkt reüssieren bestenfalls 4% der Aktiven. Zu denen zu gehören, kann man nicht durch systematische Ausbildung zum Künstler anstreben - es sei denn man macht sich verrückt mit der Annahme, Ablehnung sei ein untrügliches Zeichen für die Bedeutung des eigenen Tuns.

Viel zu lange konzentrierten sich Vermittler/Pädagogen auf die Frage, wie man durch Gestaltung Attraktoren für die Wahrnehmung produziert. Es galt, die Aufmerksamkeit der Betrachter zu fesseln. Spätestens seit den neurophysiologischen Untersuchungen Roger Sperrys Anfang der 60er Jahre kann man wissen, dass die Abwendung von den Attraktoren genauso wichtig ist wie die Hinwendung. Neurophysiologisch sorgt für diese Balance das limbische Regulativ im Zwischenhirn. Die Wechselwirkung von Hinwendung und Abwendung kann durch kulturelle Manipulation wie Werbung oder falsches Pathos der Erziehung zur Kreativität gestört werden - mit der fatalen Folge, dass die heutigen Akademien von kunstgläubigen Jünglingen überschwemmt werden. Kann man sich Abhilfe gegenüber diesen Karrieren der merkantilen Erfolglosigkeit von einem anderen Modell der Vermittlung versprechen?

Grußworte: 
Uwe Hanf (Studiengangsleiter)
Achim Trautvetter (Kulturarbeiter)