COLOSSAL - Kunst Fakt Fiktion

2000 Jahre Varusschlacht (25.04.09-31.12.2011)

Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Kurator: Jan Hoet

Auch wenn das »Varusjahr« und damit der exakt 2000jährige Abstand zum historischen Geschehen im Jahr 2009 angesiedelt ist: Für COLOSSAL war es der Start in ganze drei Jahre Kunstgenuss. So lud der in der ganzen VarusRegion sowie in Osnabrück angesiedelte COLOSSAL-Parcours auch 2010 und 2011 zu spannenden künstlerischen Experimenten zur Varusschlacht ein. 24 Kunstwerke von 20 international renommierten Künstlerinnen und Künstlern warteten auf ihre Entdeckung in Feld, Wald, Wasser, Stall und Turbinenraum.

Die Kunst trat in ein launiges Wechselspiel mit ihrer Umgebung, je nachdem ob beispielsweise die Kühe von Hof Hellbaum (Ostercappeln-Schwagstorf) und Hof Bünte (Ostercappeln-Venne) mit der Kunst im Stall »zu kommunizieren« schienen oder ob die leere Deele einen durchaus feierlichen Umraum für die Kunstwerke von Anna Lange und Susanne Tunn bildeten. Dass diese Kunst nachdenklich machen und bei den Besuchern zu ungewohnten Einsichten führen konnte, gehörte zur Grundidee der Künstler sowie des weltweit aktiven künstlerischen Leiters Jan Hoet. Die Varusschlacht wurde dabei jedoch nicht illustriert, sondern die Kunstschau schaffte eigene Denk- und Sehräume. In welchem Maße das gelingen konnte, hat eindrücklich bereits die große Besucherresonanz im Jahr 2009 gezeigt.

So wirken die sechs Kunstwerke, die sich auf dem Gelände der Varusschlacht in Kalkriese platziert befinden, wie zufällig hingeworfene Kommentare zum Museumspark. Im Falle von Fernando Castillos »Pacto de Madrid« bleibt beispielsweise offen, ob es sich hier um einen archäologischen Fund oder doch um etwas anderes handelt. Auch die kühl und neutral daherkommende Neonschrift, welche die Niederländerin Anna Lange unter dem Museumsgebäude installiert hat, könnte hier immer schon gewesen sein. Der rätselhafte Satz, der aus dem Halbdunkel leuchtet, kehrt letztlich unser heutiges Verständnis von Tag und Nacht um – und ist ein unmittelbarer Reflex des römischen Dichters Tacitus auf die germanische Weltsicht. Der Stein von Susanne Tunn, der wie vor den Museumseingang hingeworfen scheint, bleibt hingegen schweigsam und eröffnet doch – gerade mit dem scharfkantigen Inneren – seine Millionen Jahre alte Geschichte.

Museum und Park Kalkriese bildeten den inhaltlichen Ausgangspunkt einer insgesamt 120 Kilometer langen Kunstroute. Der über eigens ausgeschilderte Fahrradwege, aber auch für PKW und Bus gut erschlossene Kunstparcours erstreckte sich von Bad Essen bis Bramsche und von Gut Alt Barenaue und dem Museumspark Kalkriese bis nach Osnabrück als südlichstem Punkt. Er führte durch die wunderschöne Landschaft zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald.


Weitere Informationen

Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V.
Telefon: 05403 724550
Fax: 05403 72455-10
E-Mail: info@lvosl.de

Laufzeit der Ausstellung: bis Ende 2011
Projektträger: Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V.
Kooperationspartner: VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land GmbH, Tourismusverband Osnabrücker Land e. V. und VarusRegion
Hauptförderer: Kulturstiftung des Bundes und VGH Versicherungen
Schirmherr: Kulturstaatsminister Bernd Neumann

Installation "Der 20.Juli des Arminius"

(bis September 2009 auf dem Kirchplatz in Ostercappeln, ab Frühjahr 2010 auf der Landesgartenschau Bad Essen und von März 2011 bis Ende 2011 auf dem Hof der Gartenbaumschule Igel in Bramsche)

Der Kunstcontainer ist ein roter Container, der mit einem Tarnnetz bedeckt ist. Wird er geöffnet, sieht der Betrachter einen Holztisch, an der Wand einen Dolch und einen Speer sowie ein dichtes Fell mit einem mächtigen gehörnten Rinderschädel. "Der 20. Juli des Arminius" heißt die Arbeit.

Im Rahmen von COLOSSAL stellt er mittels einer Installation in einem Container eine gedankliche Verbindung zwischen dem Stauffenberg-Attentat und der Ermordung des Arminius her:
Wollte Arminius das römische Reich vor weit reichenden Ambitionen des Statthalters Varus
schützen? Doch welche Ambitionen hegte er selbst?

Konzeption: Bazon Brock

Ausführung: Helmut und Hiltrud von der Heyde.

Fotos: Thomas Mayer (http://thomasmayerarchive.de)