Das Geheimnis des Geschmacks

Aspekte der Ess- und Lebenskunst

Das Geheimnis des Geschmacks | Umschlag
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Die Essays dieses typografisch anspruchsvoll gestalteten Bandes gehen der Bedeutung des Geschmaks vom Mittelalter bis zur Gegenwart nach. In den Texten geht es aber auch um die sinnliche Grundaustattung des Homo sapines, um das Essen als erlaubte Lust, um das Verhältnis von Gesundheit und Genuss, die unterschiedlichen Essgewohnheiten der beiden Geschlechter, um Geschmackserziehung und Geschmackskultur, um guten und schlechten Geschmack in der ästhetischen Praxis.

Das Spektrum der Autorinnen und Autoren reicht vom Äshtetik-Professor über Kulturhistoriker, Volkskundler, Psychologen, Soziologen, Kunstkritiker, Literaturwissenschaftler bis zum kulinarischen Journalisten.

Das „kluge Tier“ kann und muss schmeckend unterscheiden

Wie wir alle wissen, hat sich seit dem 18, Jahrhundert als biologische Kennzeichnung des Menschen, im Hinblick auf die Evolution des bewegten Lebens, der Begriff "homo sapiens" durchgesetzt. Dabei kam dem heute lebenden Menschen die Erweiterung "homo sapiens sapiens" zu. Wir haben es nicht etwa mit einer simplen Verdoppelung im Sinne von "der kluge kluge Mensch" zu tun, sondern mit zwei unterschiedlichen Bedeutungen von "sapiens" bzw "sapere". In diesen beiden Bedeutungen ist tatsächlich auch der ganze Umfang der Selbstdefinition zum Thema Geschmack umrissen. Einmal ist das "sapere" im Sinne von schmeckendem Unterscheiden, z.B. - ganz naturnah - zwischen essbar und nicht essbar, genießbar und ungenießbar zu verstehen. Diese Fähigkeit ist für die Aufrechterhaltung des Lebens grundlegend. Die Gattung "das kluge Tier" weiß, welche Stoffe und wie viel davon es für die Aufrechterhaltung seines Lebens seinem Körper von außen zuführen muss. Und das zweite "sapere" hat die Wurzel "wissen". Der "homo sapiens" ist nicht nur der Mensch. der eine Fähigkeit zum schmeckenden Unterscheiden hat, sondern der darüber hinaus fähig ist, über das "schmeckende Unterscheiden" selbst nachzudenken und so zu einem Wissen zu kommen, dass das "schmeckende Unterscheiden" als Gesamtheit von einer höheren Ebene aus betrachten kann. Somit kennt er die Kriterien und weiß, nach welchen Gesichtspunkten man schmeckend unterscheidet.