Das Geheimnis des Geschmacks

Aspekte der Ess- und Lebenskunst

Das Geheimnis des Geschmacks | Umschlag
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Die Essays dieses typografisch anspruchsvoll gestalteten Bandes gehen der Bedeutung des Geschmaks vom Mittelalter bis zur Gegenwart nach. In den Texten geht es aber auch um die sinnliche Grundaustattung des Homo sapines, um das Essen als erlaubte Lust, um das Verhältnis von Gesundheit und Genuss, die unterschiedlichen Essgewohnheiten der beiden Geschlechter, um Geschmackserziehung und Geschmackskultur, um guten und schlechten Geschmack in der ästhetischen Praxis.

Das Spektrum der Autorinnen und Autoren reicht vom Äshtetik-Professor über Kulturhistoriker, Volkskundler, Psychologen, Soziologen, Kunstkritiker, Literaturwissenschaftler bis zum kulinarischen Journalisten.

Verfeinerung und Präzisierung der Suchkriterien als intellektuelle Leistung

Wenn ich aber auf das Signal – "Jetzt hast du genug!" - nicht präzise genug reagiere, indem ich rechtzeitig das Schokolade-Essen abbreche, dann werde ich Geschmacklosigkeit in anderen Unterscheidungsbereichen entwickeln. Als Beispiel nehme ich den Bereich der körperlichen Bewegungsfähigkeit, der natürlich für mein zukünftiges Wohlbefinden enorm wichtig ist. Wenn ich in diesem Bereich geschmacklos werde, dann verliere ich die Fähigkeit zu unterscheiden, was mir auch für mein zukünftiges Leben nicht bekommt oder was zu körperlicher Verfettung, zur Einschränkung des Bewegungsradius führt, in dem man noch sein Leben realisieren kann. Die Firma Ritter Sport hat das, wie alle anderen Konsumprodukte Herstellenden, schon sehr gut erkannt. Sie hat das Volumen der zuführbaren Einzelportionen reduziert zu Gunsten der Vielfalt. Hier sind es schon mal vier, dann sechs, dann acht und zehn verschiedene Geschmäcker, d. h. Unterscheidbarkeiten, bis hin zu der Raffinesse der Unterscheidbarkeit zwischen Knusper-Flakes-Schokolade und Knusper-Keks-Schokolade. Auch auf dieser Ebene finden wir einen gewissen Hinweis auf die Verfeinerung der Kriterien des Geschmacks. Ritter Sport ist deswegen als Schokoladenfirma so erfolgreich, weil sie es uns mit Hilfe ihrer Serie von Mini-Schokoladentäfelchen möglich macht, eine große Palette des Unterscheidens von Geschmäckern des Schokolade-Essens in relativ kurzer Zeit nacheinander zu realisieren. Bei anderen Firmen muss man große Tafeln kaufen. Bis man die erste probiert hat und die nächste anfangen kann, hat man schon gekotzt oder längst vergessen, wie die andere schmeckt. Hier hat man erkannt, worauf das beruht - Anbindung an die Lustquelle, Appetenzverhalten: "Was will ich eigentlich? Ja, - also diese Schokolade. Nein, - die. Oder vielleicht doch lieber die ... ?" Schließlich der Entschluss: "Nein, - die!" Am Ende hat man den Genuss gehabt, unterscheiden zu können. Man hat gemerkt, dass man noch weltfähig ist. Es bestätigt sich: Ich erlebe meine Fähigkeit zum Unterscheiden, d. h. zum Bedeutsamfinden der Dinge in der Welt. All das wird im Zwischenhirn geregelt.