Hundekunde/Kynologie III

Mitbürger Tier

Weltanschauung und Welterfahrung
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Ort:

Denkerei
Oranienplatz 2
10999 Berlin
www.denkerei-berlin.de

„Wenn ich mit einem Tier agiere, handele ich so, als wenn ich mit einem Gott reden würde.
Ich betone dadurch, daß ich mich mit einer ganz anderen Welt intensiv befasse.“

Joseph Beuys, Logos 1982

Programm

Eröffnung der Ausstellung: Petra Deta Weidemann "anders als daheim"

Bazon Brock: Hominisierung vor Humanisierung

Jochen Hörisch: Animalität als Form der Humanität
Herr und Hund - in Anlehnung an Thomas Mann

Regina Haslinger: Tierschutz für Menschen - Menschenschutz für Tiere

Beat Wyss: Luhmann-Intermezzo

Günter Lierschof: Wie schmeckt Hund?
Zur Geruchsfrage und Geschmackslage der Mensch-Tier Beziehung

Nicolay & Galina Skryl: Das Hundeherz zwischen ästhetischem Wahnsinn und ethischer Wahrnehmung

http://denkerei-berlin.de/kalender/?id=1139

Die letzte Veranstaltung zum Thema fand am 15.10.2013 statt:
http://denkerei-berlin.de/kalender/?id=1128

Nicolay & Galina Skryl: Das Hundeherz zwischen ästhetischem Wahnsinn und ethischer Wahrnehmung

Wenn man eine Amphore durch eine Scheidewand in zwei Abteilungen teilt und mit verschiedenen Gasen (Dionysische und Apollonische Gase) ausfüllt, und dann die Scheidewand entfernt, so vermischen sich beiden Gase.
Aber nach einer bestimmten Zeit wird sich jedes Gas wieder in der Hälfte der Amphore sammeln, in der es vorher war. Dieses Resultat erhält man nach dem poincareschen Wiederkehrsatzes. Aber diese "bestimmte Zeit" kann auch einige Millionen Jahre sein. Dies widerspricht dem zweiten Gesetz der Thermodynamik.
Es bedeutet, dass ein Perpetuum mobile möglich ist, da alle Gesetze den Charakter statistischer Wahrheiten haben.
Dieses Gesetz wurde 1890 von Poincare präsentiert.

Aber schon 1889 hatte Nietzsche in Turin das Pferd umarmt und geküsst, in Turin, wo sich das Grabtuch als Todesbeweis Gottes befindet. Das antizipatorische Denken Nietzsches ist ein Resultat seines mentalen Modells der Welt.
Dionysisches und Apollonisches – Fafnir und die alten Kulturwerte – Gott ist tot – der Übermensch und die neuen Kulturwerte – der neue Drache – der neue Übermensch usw. – die ewige Wiederkunft.
Nietzsche war in Lou Salome verliebt und wollte sie küssen, aber sie wollte den Arzt Paul Ree küssen. Als Ergebnis – Ressentiment und Nietzsche küsst das Pferd, weil die aktive Mitfreude (im Gegensatz zum passiven Mitleid) ein höherer und wichtigerer Wert ist. amor fati. Die Frage: Ist das Pferd krank? Vielleicht Maul- und Klauenseuche?
Jedenfalls ist Nietzsche krank geworden und hat Kaiser Wilhelm I. und Bismarck den Krieg erklärt. Weil er gedacht hat, er sei Pole.

Ein Hauptthema des Krieges ist der Heroismus, der eine ästhetische Kategorie ist.
Also ist der Krieg ein ästhetischer Wahnwitz, der ein kulturhistorisches Hauptereignis ist.
Ein beliebiges kulturhistorisches Ereignis hat nur ästhetische Parameter. Der ästhetische Wahnwitz.
Das Schöne — das Hässliche.
Das Hohe — das Niedrige.
Das Tragische (Heldenhafte) — Das Komische (Humor, Ironie, Satire)
Das Ereignis ist die Lage im Raum (drei Raumkoordinaten yzx) und der Zeitmoment. Der Zeitmoment ist der Augenblick zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Die Ereigniskette kann man nicht nur in ihrer zeitlichen Reihenfolge, sondern auch in ihrer räumlichen Reihenfolge yzx beobachten. In dieser verändern sich nur die Zeichen Plus und Minus.

Die Veränderung der Zeichen ist der Moment, in dem Gott tot ist.
Die Veränderung der Zeichen entspricht auch der Veränderung der Orientierungen. Die übliche Richtung in der Mathematik oder Physik ist von Minus zu Plus.
Die Veränderung der üblichen Entwicklungsrichtung der Ereignisse in den Zeichen "Plus oder Minus" entspricht der ethischen Wahrnehmung "gut oder böse".
Die Wahrnehmung der Veränderung des Zeichens entspricht der ethischen Wahrnehmung des Ereignisses: von Minus zu Plus ist sie gut, weil sie richtig ist; von Plus zu Minus ist sie böse, weil sie nicht richtig ist.

Der Tod des Feindes ist gut, der Tod des Helden ist schlecht. Aber der feindliche Held ist auch in Held. Diese Lage erfordert eine dritte Position.
Zwischen dem ästhetischen Wahnwitz (1) und der ethischen Wahrnehmung (2) befindet sich die statistische Wahrheit, die der Beobachtung entspricht, oder genauer der zynischen Beobachtung (3). Die Kulturwerte entsprechen – 0, dem Punkt der ewigen Wiederkunft.
Аристотель, оседланный Герпиллис, и свинья – социальное животное. Платон,
Diese Punkte bilden das kongruente Dreieck beliebiger Ereignisse, in dem Nietzsche gesprungen ist.

In jedem konkreten historischen Ereignis ändern sich nur die Namen, aber das mentale Modell bleibt: Dionysos, Apollo und Pan.
Martin Heidegger meint, dass der Tod Gottes der Tod Pans ist. Kaiser Tiberius hörte, dass Pan gestorben sei. Das war das Ende der Epoche des Hellenismus (Plutarch).
Pan ist eine Trickster-Figur.
Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. (Mephisto. Faust.)
Es gibt viele Versionen zur Abstammung Pans:
nach Herodot ist er der Sohn von Hermes und Penelope,
nach Euphorion ist er der Sohn von Apollo und Penelope,
nach Duris ist er der Sohn von Penelope und den 40 Freiern.
Das ganze kulturelle Ereignis braucht aber auch die ihm entsprechenden Attribute: den Philosophen, die Frau, das Tier, die Krankheit, die Ärzte u.a.m.
Zum Beispiel,
Aristoteles, der von Gerpillis geritten wird, und das Schwein – das soziale Tier. Platon, die freie Pythia, die die Stadt kompensiert und das gerupfte Huhn mit den dreieckigen Eiern. Der vor Publikum onanierende Diogenes und der Pawlowsche Hund. Nietzsche, Lou Salome und das Pferd.
Bei Joyce (Ulysses) meint der Direktor des Gymnasiums und der große Kenner der Geschichte, dass die Frauen und die Maul- und Klauenseuche schuld sind. Als dritten Parameter habe ich die Ärzte ergänzt.

Der 1. Weltkrieg – der Ethische Wahnwitz.
1915 übernimmt Deutschland das Gelfand-Memorandum. Gelfand, bekannt auch als Parvus, hatte angeboten, Lenin zu benutzen, um Russland niederzuwerfen. (Ludendorff: Wir müssen Russland niederwerfen.)
Lenin und Parvus waren gut miteinander bekannt. In Zürich trafen sie sich oft im Klub Voltaire in der Spiegelgasse. Im März 1916 war Lenin bei einer Cancan-Veranstaltung. Dabei schlug er sich auf die Schenkel und schrie laut: DA! DA! DA! Und zwar 8 Mal. Das war die Geburt des Dadaismus.

Im April 1917 schickte Deutschland im plombierten Wagen Lenin, Inessa Armand und 189 Kommissare nach Russland, wo sie die Revolution organisierten.
Am 21. April 1917 gab es eine geheime Information von Stockholm nach Berlin: «Lenins Eintritt in Russland geglückt. Er arbeitet völlig nach Wunsch».
Lenin wurde nach Russland "wie der Pestbazillus" (Winston Churchill) eingeführt. Aber es war nicht die richtige Diagnose. Lenin hatte Syphilis. Er hatte sich 1902 bei einer Prostituierten in Paris infiziert (dieses Plus von 15 Jahren ist eine klassische Periode in der Entwicklung der Syphilis: das humonose Stadium.)
Aber Lenin mochte die Ärzte nicht. Von 100 Ärzten schreiben 99 Esel, sagte er Maxim Gorki.
"Die Schriftsteller und die Wissenschaftler sind nicht das Gehirn der Nation, sondern ihre Scheiße und sollen eben im Gefängnis sitzen."
1922 schickt Lenin 225 Wissenschaftler aus Russland weg, 45 davon sind Ärzte.
Philosophenschiff wird eine Aktion der bolschewistischen Regierung des Sowjetrussland genannt, bei der missliebige Intellektuelle im September und November 1922 außer Landes gebracht wurden. Der Urheber der Ausweisung, Lenin, hat dies als «Langzeitige Säuberung Rußlands» bezeichnet.
Die Krankheit schreitet fort. In Russland gibt es keine Ärzte. Die Kommissare laden aus Deutschland die Professoren A.Strümpel, O.Bumke und M.Nonne — die grossen Fachkräfte der Neurosyphilis – ein. Die Diagnose ist – Neurosyphilis, auch die rote Pest genannt.
Lenin, I.Armand, Tier - das Schwein, der Esel oder das Pferd («das Pferd блед». B.Sawenkow), Arzt Strümpel oder Churchill.
1924 ist Lenin gestorben. In Russland begann die Epoche des Atheismus und anstelle der Ikonen wurden die Porträts des Führers gezeigt. Seit 1924 gab es 110 Millionen Besucher des Lenin-Mausoleums, das sind auch 110 Millionen Kontakte mit der Syphilis.

Die Kommissare versuchen, den Übermenschen zu schaffen. 1925 bekommt Professor Ilja Iwanow, der größte Experte für die künstliche Befruchtung von Pferden, 10.000 Dollar für Experimente. Er versucht, mittels der Kreuzung von Mensch und Affen, den Übermenschen zu erzeugen. Fünf freiwillige Mädchen warten auf die Befruchtung, aber im
Versuchslabor in Suchumi ist das einzige Exemplar des Orang-Utan-Männchens gestorben. 1930 wird das Experiment erfolglos abgeschlossen. 1932 stirbt auch der Professor.

1925 schreibt Bulgakow die Erzählung «Das Hundeherz». Das Sujet: Moskau im Winter1924/25. Die Facharzt für Impotenz Professor Phillip Philippowitsch (der Liebhaber der Pferde) Preobrashenski (Verklärung des Herrn, Transfigurator) setzt am Heiligabend dem Straßenhund Bello die Hypophyse und die Hoden eines toten Lumpenproletariers ein. Der Hund wird zum Menschen und lebt in der Wohnung des Professors. Er nennt sich Polygraf Polygrafowitsch Bellow. Mit Hilfe Kommissar Schwonders bekommt er einen Pass und den Job, die Stadt von Straßentieren zu säubern. Bello isst viel, trinkt Wodka, spielt auf der Balalaika, springt die Frauen an und will einen Teil der Wohnung des Professors haben. Dazu schreibt er mit Hilfe Kommissar Schwonders einen Brief an die Tscheka und denunziert den Professor. Der Brief wird vom Professor gefunden und dieser operiert den Bello zurück. Der Mensch wird wieder zum Hund. Der Hund liegt nun zu Füßen des Professors und überlegt: Warum hat dieser Herr es unter den anderen Straßenhunden ausgewählt? Vielleicht hatte meine Großmutter was mit einem Labrador und ich habe aristokratisches Blut.
Was ist die Moral der Sklaven?
Der Nobelpreisträger I. P.Pawlow hat am 21. Dezember 1934 an den Rat der Volkskommissare einen Brief gerichtet:
„Sie glauben vergeblich an die Weltrevolution. Sie säen in der kulturellen Welt keine Revolution, sondern mit riesigem Erfolg den Faschismus. Vor Ihrer Revolution gab es keinen Faschismus.“
In Russland sind die Begriffe Pawlowscher Hund und Iljitsch-Lämpchen bekannt. Das Klischee der klassischen Konditionierung und der kommunistischen Propaganda. Wenn in Russland ein Lämpchen angezündet wird, dann sind alle glücklich.