bloomsday

Aktion & Programmheft

bloomsday | ACTIONS / AGIT POP / DÉ-COLLAGE / AGE-HAPPENING / TEXTE / AUSSTELLUNG. Galerie Loehr, Frankfurt - Niederursel. 26. Juni 1963. (Vorder- & Rückseite) Brock etabliert den Bloomsday, Galerie Loehr, Frankfurt am Main 1963. Frau Bayrle bügelt als Nausikaa Bananenschalen in die Bloomszeitung. | Foto | Hartmut Rekort "Bloomzeitung" auf Basis der reproduzierten BILD-Ausgabe vom 08.04.1963 (links) |  Zur Feier des "Bloomsday" am 16.06.1963 in der Galerie Loehr, Frankfurt; Namensmontage von Thomas Bayrle "Bloomzeitung" auf Basis der reproduzierten BILD-Ausgabe vom 08.04.1963 (rechts) | Zur Feier des "Bloomsday" am 16.06.1963 in der Galerie Loehr, Frankfurt; Namensmontage von Thomas Bayrle Bazon Brock und … mit Bloomzeitung | Foto Hartmut Rekort, Bremen
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

ACTIONS / AGIT POP / DE-COLL/AGE / AGE-HAPPENING / TEXTE / AUSSTELLUNG VON STANLEY BROUWN / BAZON BROCK / FRANZ MON / TOMAS SCHMIT / WOLF VOSTELL / IN DER GALERIE LOEHR / 6 FRANKFURT (50)-Niederursel / Alt Niederursel 41 / am 26. Juni [1963], 20.30 Uhr / Eintritt: 1,50 DM / 

Galerie ist erreichbar it der Straßenbahnlinie 24 ab Goetheplatz bis Haltestelle Niederursel, "ZUM LAHMEN ESEL" / per Auto: Autobahnabfahrt Frankfurt Nord, Richtung Opelkreisel, Roedelheim, Praunheim, Nordweststadt, Niederursel /

Des lieben Springer geteiltes Deutschland - Theoretisches Objekt

Realisiert zum Bloomsday 1963, Galerie LOEHR in Frankfurt am Main, und in der Galerie BLOCK, Berlin 1965.

In jenen Tagen wurde noch täglich in der BILD-Zeitung die Anzahl der Tage gezählt, die seit dem Bau der Berliner Mauer vergangen waren. Die Maxime lautete "Immer daran denken, Deutschland ist geteilt".
Das theoretische Objekt bestand aus einem voll eingerichteten Wohnraum eines BILD-Lesers, dem das allzu abstrakte SPRINGERsche Motto "Immer daran denken" in seinen Lebensalltag eingebracht werden sollte, damit jener BILD-Leser endlich konkret verstehen konnte, worum es seinem Zeitungsverleger ging. Also wurde jedes Wohnutensil im Sinne des Mottos in die beiden deutschen Teile getrennt mittels eines Stacheldrahts, der sich durch Tassen, Teller, durch Stuhl und Bett, durchs Fernsehbild und durch die Butter, durch die Schuhe und Blusen, durch die Schubfächer und Zeitungsseiten hindurchzog.
Der Benutzer der Lebensutensilien mußte bei ihrem Gebrauch entweder große persönliche Opfer bringen, um dem SPRINGERschen Motto zur Durchsetzung zu verhelfen, oder aber durch Niederreißen des Stacheldrahts in seinem Wohnzimmer eingestehen, daß man eben nicht immer daran denken kann und darf. Da die Besucher des Bloomsdays und der Galerie BLOCK keine mottogläubigen BILD-Leser (sondern nur normale BILD-Leser) waren, ließ sich über die Aussagekraft und Verwendungsmöglichkeit dieses theoretischen Objekts nicht mehr sagen, als daß es ein einigermaßen amüsantes Beispiel dafür sei, wie man "Banalität mit Anspruch" verkauft (so Heinz OHFF, dem von KOWALLEK daraufhin das O in seinem Namen aberkannt wurde, so daß dieser außerordentlich typische deutsche Kulturschreiber bis auf den heutigen Tag als bloßer flatus vocis, als Mundfurz -hfff, anzusprechen ist).