Limbo und andere Unorte. Über Dystopien als ruinierte Utopien

mit Bazon Brock, Angela Breidbach, Dagmar Friedrich und Johann Camut

Johann Camut, "An die Vergessenheit erinnern"  | Fotografie, Sizilien, 2013
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Ort:

Denkerei
Oranienplatz 2
10999 Berlin
www.denkerei-berlin.de

Christliche Theologen des frühen Mittelalters entwickelten das Konzept des Limbo, eines Zwischenreichs der Unbestimmtheit und des Übergangs. Für die eine Grenze des Limbo entwarfen sie das Himmlische Jerusalem, das strahlende Reich Gottes; für die andere Seite die höllische Wüste ewigen Unfriedens durch Machtwillen, Neid und Habgier. Wer nicht in der Heilsgewissheit leben konnte, erhielt (bis zur Abschaffung des Limbo am 20.04.2007 durch den deutschen Papst) die Chance, in diesem Wartesaal zwischen Himmel und Hölle auszuharren, bis ihn vielleicht eine bestimmte Erwartung entscheidungsfähig werden ließ.

Die Künstler Angela Breidbach, Dagmar Friedrich und Johann Camut zeigen die Resultate ihrer Konfrontation mit Orten in unserer Lebenswelt, die einst den Geist der Utopie, das heißt der säkularen Ausformung des Limbo, atmeten.
Diese Utopien wurden gerade dadurch vernichtet, dass man versuchte, sie zu verwirklichen. Idealstadtbauten, das zeigt die Geschichte, ließen sich umstandslos als Gefängnisse, Kasernen oder Psychiatrien nutzen. Aus den seligen Gefilden wurden Brachen, Ruinen, Niemandsland. Aber diese Dystopien fördern unsere Vorstellungskraft mehr als es die Utopien je taten, denn wir können wissen, was wir verloren haben und nur ahnen, was wir hätten gewinnen können.

Die Denkerei musste von Bazon Brock etabliert werden, weil sich alle anderen weltlichen Institutionen weigerten, das grandiose Konzept des Limbo als Erwartungsraum in ihren Gefilden am Leben zu erhalten.