Persönlichkeit werden… zum höchsten Glück auf Erden. Wagt es!

brockimport 0314-orig.jpg | brockimport ID_Object 314
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

18. Ausstellung im Haus Dt. Ring, Hamburg, 17. Oktober - 3. Dezember 1978 / [Hrsg.: Dt. Ring, Lebensversicherungs-Aktienges., Hamburg]. Nach e. Konzept von Bazon Brock

Brock inszenierte 1978 die Ausstellung ›Persönlichkeit werden… zum höchsten Glück auf Erden. Wagt es!‹ im Haus Deutscher Ring, Hamburg, mit Environments, Fotodokumentationen und Action-teaching. Zur Ausstellung erschien eine Katalogbroschüre gleichen Titels, Hamburg 1978, aus der die folgenden Texte - teilweise überarbeitet - entnommen sind.

Seite im Original: 89

Persönlichkeitsausdruck unterschieden nach...

Zwei Hinweise auf einfache Analogiebildungen. Man orientiert sich beim Fotografieren für die Darstellung an einem vorgegebenen Beispiel (Nachstellen eines Gemäldes). Diese Analogie erfaßt dann nur ein Element, zeigt aber deutlich, daß Analogien über Ähnlichkeit zur Unterschiedenheit führen, die man ja herausarbeiten will. (Z.B. Analogie von heutigem Ringbuch zu antikem Bücherrollenbehälter; sie sind ähnlich in ihrer Funktion, aber unterschiedlich in Aufbau und Handhabung.)*

Persönlichkeitsausdruck unterschieden nach Grundtypen der Darstellung. 

Schematische Porträts: Die Hinzufügung des Namens erlaubt erst die Identifizierung des Dargestellten. (in Gegenüberstellung mit: Petrusmeister, Altaraufsatz, um 1820)

Repräsentative, idealisierende Porträts: Begründung eines Aussagenanspruchs und des Anspruchs auf Öffentlichkeit durch die Medaille mit dem Porträt des Landesherren bzw. durch das Signet der Sendeanstalt. (in Gegenüberstellung mit: Botticelli, Porträt eines Mannes, 1488)

Indivualisierende Privatporträts: Momente eines ungestellten Alltagsvorganges kennzeichnen die Personen durch individuelle Merkmale. (in Gegenüberstellung mit: Ghirlandajo, Porträt eines alten Mannes mit seinem Enkel, 1488)

Persönlichkeitsausdruck unterschieden nach Handlungszusammenhängen

Porträts durch Darstellung einer besonderen Handlungsform: Jeder bildet wenigstens einige für ihn bezeichnende Handlungsformen aus und sei es Gewohnheit, die Bleistifte immer nach Norden auszurichten. Hier: Dialoge mit dem Porträt eines vor 2000 Jahren gestorbenen Pompeianers bzw. mit der Allegorie der Tugend. (in Gegenüberstellung mit: Vasari, Lorenzo Medici, 1578)

Porträt durch Darstellung der Handlungsräume: Von der Art der Gestaltung des Lebens- und Arbeitsumgebungen, soll auf das Wesen des Lebens und Arbeitens der Dargestellten geschlossen werden. (in Gegenüberstellung mit: Carpaccio, Der Hl. Augustin in seinem Arbeitszimmer, um 1502)

Porträts durch Darstellung des eigenen Weltbildes: Verweis auf den Zusammenhang in welchem der Dargestellte alles Geschehende sieht; ganz gleich ob er sich dafür auf Glauben oder Wissen, auf Offenbarung oder Konstruktionen des Verstandes beruft.
Dante mit dem Medium seiner Wirkung (Hauptwerk: Die göttliche Komödie); im Hintergrund seiner Heimatstadt Florenz und der Verweis auf das Kernstück seiner Aussagen über den Weltlauf (der Läuterungsberg). Dagegen der kümmerliche Versuch, mit ein paar Begriffen auf dem Boden eines TV-Studios den Zusammenhang von Hervorbringen und Gebrauchen als grundsätzlichen darzustellen. (in Gegenüberstellung mit: Michelino, Dante und sein Werk, 1465)

Persönlichkeitsausdruck unterschieden nach Beziehungsformen

Porträts durch Darstellung des Freundeskreises: Dasein heißt, Bedeutung für andere zu haben. Man kann aber gleichermaßen für alle Menschen Bedeutung haben, sondern für einige. Wer diese wenigen sind und wodurch man für sie Bedeutung hat, bezeichnet auch einen selbst. Rubens mit Bruder und Freunden als Philosophenrunde; Brock in der Realisationsgruppe der documenta 5. (in Gegenüberstellung mit: Rubens, Selbstporträt mit anderen, 1630)

Porträt durch Darstellung der Orientierungsgeber (Vorbilder): Jeder bedarf des Beispiels anderer, um die Gewißheit zu haben, daß menschliches Leben gelingen kann. Nur in dieser Hinsicht sind Vorbilder sinnvoll, nicht aber dann, wenn man sich zwingen wollte, ganz das Vorbild zu werden. Es ändern sich die Formen der Beziehung auf ein Vorbild: der selbstgewiße Herzog von Bourbon unter dem zweifelnden Blick des Apostel Petrus; der skeptische Schüler vor dem Meister Bense in Aktion. (in Gegenüberstellung mit: Jean Hey, Der Herzog von Bourbon vorgestellt vom Hl. Petrus, um 1500)

Porträt durch Darstellung von Gegenständen, die für eine Person bedeutsam sind. Was jemand sammelt, ist nicht zufällig. Aus einer Zusammenstellung solcher Gegenstände fügt sich ein Bild der Person, ohne daß die Person im Bild ist. Man sollte bereit sein, sich anderen auch durch sein liebstes Gut zu zeigen. (in Gegenüberstellung mit: Hainz, Kleinodienschrank, 1666)

*Text-Bild-Bezug ab Abbildung 3 ff. (Bsp. 'Schematisches Porträt' und 'Skizze')